Die Miez, der blutrünstige Jäger

07.04.08
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Erste Hoolliganbewegung für Katzen gegründet

von Claude Michael Jung

Meister Reinecke bekommt hierzulande in Wald und Flur ernst zu nehmende Futterkonkurrenz Der Hintergrund: Immer mehr von Dosenfutter frustrierte Hauskatzen rotten sich in letzter Zeit zu marodierenden Banden zusammen und gehen nachts auf Mäusejagd. Ein Jäger berichtet, von seinem Ansitz habe er ein fünfzigköpfiges Katzenrudel beobachtet und sei dabei vor Schreck vom Hochsitz gefallen. Der ansonsten des Jägerlateins mächtige Nimrod musste mit einigen Knochenbrüchen klinisch behandelt werden und schwört niemals wieder seinem Hobby zu frönen. "Denen stand die Blutgier in den Augen, die hatten es auf mich abgesehen", stammelte er noch bevor er in einen komatösen Zustand verfiel.

Auch Schäferhund Alf, der für seinen ansonsten wenig zimperlichen Umgang mit Katzen bekannt ist, flüchtet sich desillusioniert und deprimiert in die Arme seines Herrchens, als er von einem Katzenrudel versehentlich für eine Supermaus gehalten wurde und nach einer wilden Verfolgungsjagd nur knapp den blutrünstigen Miezen entfliehen konnte. Ein Mäusebussard mit angeborener Sehschwäsche berichtete, er hätte im Morgengrauen versehentlich eine dieser Katzen für ein Kaninchen gehalten und anstatt zu einem guten Frühstück zu gelangen, zwei bis drei Dutzend Federn auf dem Schlachtfeld lassen müssen. Weiter berichtet ein Pärchen, das sich zu einem nächtlichen Outdoorvergnügen auf einer Wiese niedergelassen hatte, das ihnen das mitgenommene Picknick samt gekühltem Sekt von einem Rudel übermütiger Stubentiger geraubt wurde. Die beiden hatten ebenfalls erhebliche Kratzwunden am gesamten Körper vorzuweisen.

Unsere Redaktion hat Rabauka, einer der Anführerinnen der Katzengangs um Auskunft über die mysteriösen Vorgänge befragt. Sie faucht, „Wir, die emanzipierten Hauskatzen sind es gründlich Leid auf Fensterbänken und neben Heizungen herum zu dösen, es ist nicht katzenlike sondern frustrierend und wir haben somit eine Hoolliganbewegung für Katzen gegründet. Es macht Spaß und hält fit nachts im Wald oder auf den Feldern Panik zu verbreiten". In Rabaukas Katzenbewegung sind Kater nicht zugelassen. Sie bezeichnet die männlichen Stubentiger als faule Machos, die unfähig sind auch nur eine einzige Maus zu fangen und sich lieber bedienen lassen. „Ich kenne Kater die schnurren sich sogar bei Hunden ein, nur um an ihren Futternapf zu kommen" meint sie und fährt fort, „ Jack der schwarze Kater von nebenan bringt es sogar fertig, wenn ich ihm mal ne Maus spendiere, vor seinem Frauchen herum zu protzen und zu behaupten, es sei seine Beute. Dafür lässt sich der olle Sack auch noch loben. Katzen sind wirklich Klasse. Kater dagegen sind erwiesenermaßen die gewaltigsten Trottel, die es gibt, womit ich keinen Vergleich zu den Menschen hin ziehen will".

Die neue Katzenbewegung hat aber nicht nur Freunde, der erste Staatsanwalt ermittelt schon wegen Wilderei, Sachbeschädigung und einiger anderer Delikte. Die Bundespolizei plant mit Hubschraubern auf Katzenjagd zu gehen und der Bundesinnenwolfgang will die Katzenhatz zum Wahlkampfthema machen. Schäuble befürchtet dass das Katzenunwesen auch auf Großstädte übergreifen könnte und dort die öffentliche Sicherheit in Gefahr sei.

Edelkatzte Rabauka dagegen ist überzeugt, dass der Bundesinnenwolli in den paar Wochen so manche böse Überraschung von den Katzen zu erwarten hat. „Uns allen geht es nur um Fun. Als nächstes werden auch die Stadtkatzen organisiert auftreten. Die Mobilisierung läuft bereits und die Verfassungsschützer sind ratlos. Die Schlapphüte haben keine Chance uns zu unterwandern. Alle Macht den Katzen" rief Rabauka triumphierend und fauchte nach dem Dackel eines Reporters. Zu den Forderungen der „New Cats Association", wie sich Rabaukas Organisation nennt, gehört es die Mäusejagd zur olympischen Disziplin, schon in London 2012, zuzulassen, überall in den Städten Katzenbäume aufzustellen und das Frauchen oder Herrchen in Zukunft in den Wintermonaten gesetzlich dazu verpflichtet werden, in den Wohnungen Mäuse anzusiedeln. „Zwanzig Mäuse pro 100 Quadratmeter Wohnfläche sind das mindeste" forderte Rabauka zum Abschluss.

Au, den 5. April 2008







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