Gegen den Terror der Ökonomie

15.02.09
TopNewsTopNews, Wirtschaft, Rheinland-Pfalz 

 

Mehr als 2 000 Demonstranten gegen die Schliessung von Coca-Cola in Kaiserslautern

Von Stefan Gleser

Zum 31. März will Coca-Cola auf dem Einsiedlerhof in Kaiserslautern die Abfüllanlagen schliessen. Damit sollen sich weitere 130 Lohnabhängige ins Heer der Arbeitslosen einreihen. Deshalb hatte die Gewerkschaft Nahrung, Genuß, Gaststätten (NGG) am vergangenen Samstag zu einer Demonstration vom Hauptbahnhof durch die Innenstadt zur Stiftskirche aufgerufen. Im Vorfeld war es der NGG gelungen, ihr Anliegen zu einer Sache der Region zu machen. In der strukturschwachen Westpfalz stehen auch Opel, Pfaff und der Autozulieferer Keiper auf der Kippe. Auch Vertreter deren Belegschaften gingen mit den den Kollegen von Coca-Cola auf die Straße.

Coca-Cola schreibt in Kaiserslautern seit Jahren, auch dank der Flexibilität und Leistungsfähigkeit der Mitarbeiter, schwarze Zahlen. Die angebotenen Arbeitsplätze in Mannheim und Karlsruhe stehen aus finanziellen und zeitlichen Gründen nur auf dem Papier. Der Kaiserslauterer Coca-Cola Betriebsratsvorsitzende Alfons Bosle sagte, bei der Kundgebung gehe es nicht nur um Coca-Cola. Man wolle mit der Demonstration auf die allgemein schwierige wirtschaftliche Situation und den Arbeitsplatzabbau in der Westpfalz aufmerksam machen.

?Heute Kaiserslautern, morgen Berlin, übermorgen in Atlanta?, unter diesem Motto zog die Demonstration zur Abschlusskundgebung auf den Stiftsplatz. Franz-Josef Möllenberg, Vorsitzender der NGG warf dem Konzern ?Profitgier? vor. Die Beschäftigten und die Westpfalz würden sich nicht dem ?Terror der Ökonomie? beugen. Coca-Cola zerstöre mutwillig das auch von den Arbeitnehmern aufgebaute Bild eines fairen und sozialen Unternehmens. Es passe schlecht zusammen, sich an der Aktion ?Ein Herz für Kinder? zu beteiligen, und die Kinder der eignen Mitarbeiter in Hartz IV zu stürzen.

Jürgen Hinzer, Streikbeauftragter der NGG, glänzte durch rhetorisches Geschick. Als Moderator stellte er die einzelnen Redner vor und reihte sie wie von selbst in die Reihe der Mitstreiter ein. Hinzer flößte den Demonstranten Selbstvertrauen ein. Die Revolution beim französischen Nachbarn, das Hambacher Fest, Engels Teilnahme 1848 in der Pfalz........der Aufstand verlor seinen Schrecken und verkleidete sich als selbstverständlicher Teil der Lokalgeschichte, auf dem man stolz sein könne. Hinzers Beredsamkeit formte die zweitausend Einzelnen zu einer Masse. Laut Oberbürgermeister Klaus Weichel (SPD) sei die Stadt dem Konzern, was Wasserpreis und Flächennutzung angehe, sehr weit, aber vergeblich entgegenkommen.

Ihre Solidarität versicherten die Bundestagsabgeordneten Alexander Ulrich (Die Linke) und Gustav Herzog (SPD). Ein Arbeitssuchender wird Wasser oder Handelsmarken trinken und nicht prüfend-abwägend zwischen Edellimonaden wählen. Coca-Cola wird also weniger verkaufen. Um trotzdem die Dividende zu halten, wird es dann den Mitarbeitern in Mannheim und Karlsruhe an den Kragen gehen. Deshalb war es wichtig, dass Kollegen aus den anderen Standorten des Konzerns sich an der Demonstration beteiligten. In Mannheim wurde die Arbeit am Wochenende abgelehnt.

Der betriebswirtschaftliche Gewinn durch die Schliessung der Produktion wird den Aktionären gehören. Den volkswirtschaftliche Schaden durch erhöhtes Verkehrsaufkommen und sinkende Kaufkraft werden alle bezahlen.







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