Psychostress (nicht nur) am Arbeitsplatz - auf dem Menschen- und Verwertungsmarkt im Kapitalismus.

07.04.09
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Von Reinhold Schramm

Weniger Personal, Zeitdruck, Verantwortung, Zukunftsängste: In den meisten Betrieben steigt die psychische und körperliche Belastung der Mitarbeiter. Zu dem Ergebnis kommt eine Studie des Wirtschafts- und  Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung. Die Studie zeigt, wen der Stress besonders hart im Griff hat und welche Rolle die Wirtschaftskrise dabei spielt.
Laut wissenschaftlicher Studie ist die Lage für die Beschäftigten in den Betrieben alarmierend angespannt. In 84 Prozent der Firmen arbeiten die Mitarbeiter dauerhaft unter hohem Zeit- und Leistungsdruck. Betroffen sind in diesen Unternehmen durchschnittlich 43 Prozent der Belegschaft. Die psychischen Belastungen haben in den letzten drei Jahren zugenommen, so die Aussage von 79 Prozent der befragten Betriebsräte über ihren Betrieb.
Der Bundesverband der Betriebskrankenkassen (BKK) bezifferte den 'volkswirtschaftlichen' Schaden durch Krankmeldungen aufgrund von psychischen Belastungen auf 6,3 Mrd. Euro.
Die befragten Betriebsräte benennen als Ursache: 84 Prozent zu hohen Stress und eine zu enge Personaldecke, 79 Prozent die hohe Eigenverantwortlichkeit und 75 Prozent die Abhängigkeit von Kundenvorgaben. Die Wissenschaftlerin Elke Ahlers sagt: "Durch neue Organisationsformen in den Unternehmen steuern zunehmend Kundenvorgaben [Auftraggeber] und Ergebnisorientierung den Arbeitsrhythmus. Und das mit immer weniger Personal".  58 Prozent der befragten Betriebsräte gaben an, dass Mitarbeiter regelmäßig mit Umsatz- und Renditezahlen konfrontiert und daran gemessen würden. "Für die beschäftigten ist das ein zweischneidiges Schwert: Die neue Freiheit bezahlen viele mit Arbeitsverdichtung und Leistungsdruck", erklärt WSI-Forscherin Elke Ahlers. Die Betriebsräte beobachteten in ihrem Arbeitsalltag, dass 37 Prozent der Beschäftigten mehr als neun Stunden am Tag arbeiten - und damit deutlich länger, als vertraglich vereinbart ist. Die Wissenschaftlerin Elke Ahlers erwartet für die Zukunft durch die Wirtschaftskrise (und Gesellschaftskrise) eine Verschlechterung der Arbeitsbedingungen: "Die Personaldecke in den Betrieben wird noch dünner, die Angst vor dem Jobverlust zunehmen. Dies dürfte sich negativ auf die Gesundheit der Beschäftigten auswirken".
Der Bericht verweist u. a. auf den veröffentlichten Gesundheitsreport der DAK, dem zufolge ist "mehr als die Hälfte der Arbeitnehmer bereits von typischen Anzeichen für eine psychische Erkrankung betroffen: Dazu zählen zum Beispiel Schlafstörungen (53 Prozent), depressive Verstimmungen (37 Prozent), Nervosität (36 Prozent) und Konzentrationsstörungen (32 Prozent). Besonders Frauen [Mehrfachbelastungen], ältere Arbeitnehmer und Menschen mit einem geringeren Einkommen sind demnach belastet." [1]

Quelle: [1] "manager-magazin.de", Karsten Langer; - bei: "t-online.de" am 07.04.2009: http://www.t-online-business.de/c/18/34/17/92/18341792.html







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