Aufruf zur Kundgebung anlässlich des "Christivals" in Bremen

16.04.08
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Gegen christlichen Fundamentalismus und Homophobie!

Vom 30. April bis zum 4. Mai 2008 findet in Bremen das „Christival" statt. Zu diesem christlichen Event werden 20. bis 30.000 hauptsächlich junge Menschen erwartet. In der Messehalle, auf der Bürgerweide, dem Bahnhofsvorplatz, dem Marktplatz und an etlichen anderen Veranstaltungsorten sollen in Seminaren, Kultur- und Sportveranstaltungen Menschen für den christlichen Fundamentalismus gewonnen werden – unter der Schirmherrschaft der Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen. Ihr Ministerium beteiligt sich auch mit 250.000 Euro an den Veranstaltungskosten.

Schlagzeile machte das Christival bereits mit dem geplanten Seminar unter dem Titel „Homosexualität verstehen – Chancen zur Veränderung". Die Message: Wer homosexuell ist, kann und soll das ändern. Das Seminar wurde unterdessen wegen des großen öffentlichen Drucks aus dem Programm gestrichen. Die homosexualitätsfeindliche Einstellung der VeranstalterInnen bleibt. AnhängerInnen des „Deutschen Instituts für Jugend und Gesellschaft", welches den Workshop ursprünglich anbot, sind weiterhin OrganisatorInnen des Christival und auch andere VeranstalterInnen stellten sich hinter das Seminar.

„Sex ist Gottes Idee – Abtreibung auch?" wird in der Überschrift eines Seminars des Vereins „Die Birke" gefragt. Bei genauerem Hinsehen wird klar, dass der Veranstalter die Frage längst beantwortet hat. „Die Birke e. V." gehört zu den sog. „LebensschützerInnen", die sich radikal gegen Abtreibung aussprechen und damit Frauen ihr Recht auf Selbstbestimmung über ihren Körper verwehren. Sie wendet sich gegen die von der Frauenbewegung erkämpfte Einschränkung der Strafbarkeit von Abtreibung. Diese erlaubt es Frauen, innerhalb der ersten drei Monate nach einer Beratung die Schwangerschaft abzubrechen.

Das Christival wird als modernes, jugendliches Event inszeniert. Die Inhalte sind jedoch alles andere als neu. Es wird gegen Homosexualität gehetzt und versucht, die Errungenschaften der Frauenbewegung rückgängig zu machen. Die Ehe wird als einzig „richtige" Lebensform propagiert und alternative Lebensentwürfe werden somit diskreditiert.

Diese Zurschaustellung reaktionärer Ideologie machen wir nicht mit! Wir wenden uns gegen eine Idealvorstellung von Ehe, Heterosexualität und Sex nur zum Zwecke der Fortpflanzung. Die Menschen können selbst über ihr Leben bestimmen – wir brauchen keinen christlich-fundamentalistischen Verhaltenskodex!

In den letzten Jahren hat Religiösität scheinbar eine Renaissance. Zugleich orientieren sich gerade Jugendliche wieder mehr an „alten" Werten wie Ehe und Familie. Das ist in Zeiten zunehmender sozialer Unsicherheit auch kein Wunder! Wenn die Zukunft immer ungewisser und die Schere zwischen arm und reich immer größer wird, kann gerade Religion Trost und Erklärung der miesen Lebenslage sein. Auch auf dem Christival wird das deutlich: „Arbeitslos - was nun?" fragt zum Beispiel eine Seminarankündigung. „Auch wenn es nicht so läuft, wie wir uns das wünschen, so ist Gott doch da und gibt uns Kraft und Halt. Sei gewiss, Gott hat für jeden einen Plan." heißt es in der Veranstaltungsbeschreibung.

Das Bedürfnis nach Kraft und Halt ist nachvollziehbar – aber dabei einfach auf einen Gott zu vertrauen, hilft nicht gegen die Ursachen sozialer Unsicherheit, sondern stabilisiert sie noch. Wir wollen uns nicht mit dem Zustand der Welt und unserer eigenen Lage abfinden! Die Verhältnisse sind weder Schicksal noch gottgegeben. Die Welt ist wie sie ist, weil die Menschen sie so eingerichtet haben. Wenn wir sie verändern wollen, können und müssen wir das selber tun.

Gegen christlichen Fundamentalismus und Homophobie! Für ein selbstbestimmtes Leben und eine Gesellschaft, in der es um die Menschen und ihre Bedürfnisse geht.

// Kundgebung am Samstag, den 3. Mai 2008, Bremer Innenstadt // (Der genaue Ort und die Uhrzeit werden noch bekannt gegeben)

„Take back the night" Demo gegen den sexistischen Normalzustand – auf dem Christival & überall // Mittwoch, 30. April 2008, 20 Uhr, Schlachthof

Bündnistreffen // Alle, die Lust haben, sich an Aktionen zu beteiligen, sich in die Vorbereitung einzubringen oder selbst schon etwas gegen das Christival planen, sind herzlich zu den Bündnistreffen eingeladen: Donnerstag, 17. und 24. April 2008, 18 Uhr, Kulturzentrum Paradox, Bernhardstr. (Ostertor)

Info- und Mobilisierungsveranstaltung // Freitag, 25. April 2008, 20 Uhr, Infoladen (St.-Pauli-Str. 14)

Auf Teufel komm raus – Tanz in den Mai // *Mittwoch, 30. April 2008, ab 21 Uhr, Jugendhaus Buchtstraße

Gruppen oder Einzelpersonen, die den Aufruf unterstützen wollen, schreiben bitte bis zum 20. April (für die Veröffentlichung) eine E-Mail an: nochristival2008@yahoo.de







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