„Grüne Energie" aus Massentierhaltung

29.12.07
TopNewsTopNews, Umwelt 

 

LichtBlicks Biogas-Nepp

Als Anbieter von „sauberem" oder „grünem" Strom ist die Hamburger Firma LichtBlick im deutschen alternativen Strommarkt schon seit längerem etabliert. Nun ist sie auch in das Gasgeschäft eingestiegen: Seit September 2007 bietet LichtBlick nach eigenen Angaben als erster Anbieter weltweit ein „klimafreundliches" Gasprodukt an. Es besteht aus einem Erdgas-Biogas-Gemisch.

Das Angebot sei besonders klimafreundlich, da es einen garantierten Biogasanteil von mindestens fünf Prozent enthält. Mehr sei derzeit noch nicht verfügbar. Der Biogasanteil soll aber kontinuierlich erhöht werden, langfristig strebt LichtBlick sogar den vollständigen Ersatz von Erdgas bei der Versorgung seiner Kunden an. Biogas verbrennt laut LichtBlick „klimaneutral", es werde also nur so viel CO2 verbrannt wie die Pflanzen der Luft zuvor entzogen haben.

Bei solchen Berechnungen wird aber regelmäßig die Art und Weise der  Produktion ausgeblendet. So bleibt der Landmaschineneinsatz auf der Strecke, genauso wie die Herstellung von Pestiziden und Düngemitteln. Bei der Verwendung von Kunstdünger werden noch dazu große Mengen Lachgas frei gesetzt, das als Treibhausgas 300-mal aggressiver wirkt als CO2. Biogasanlagen, die zum Beispiel mit Mais betrieben werden, der in Monokulturen angebaut wird, sind aus Umweltsicht nicht zu verantworten.

Warme Wohnung dank Schweinemast

LichtBlick bezieht sein Biogas vor allem aus einer Großanlage im brandenburgischen Jüterbog. Laut Unternehmensangaben werden darin „Maissilage und Gülle von den landwirtschaftlichen Betrieben aus der Umgebung" vergoren. Über dem Pressetext verströmt eine treu blickende Kuh vor grüner Wiese Naturnähe, Freilandhaltung und gutes Gewissen für den potenziellen Kunden. Sauberer Strom aus umweltfreundlichen Kraftwerken wird suggeriert, bezogen von bäuerlichen Betrieben und aus nachhaltiger Produktion.

Leider sieht die Realität anders aus. Die Biogasanlage Jüterbog ist mit einer Kapazität von 1,7 Megawatt eine der größten Anlagen dieser Art in Brandenburg. Um die Dimensionen deutlich zu machen: Insgesamt sollen rund 24.500 Tonnen Schweinegülle und 31.500 Tonnen Maissilage jährlich vergoren werden. Laut Angabe der Epuron GmbH, der die Anlage gehört, werden Gülle und Maissilage „von einem angrenzenden Schweinemastbetrieb sowie der Agrargenossenschaft Jüterbog geliefert."

Konkret bedeutet dies zum Beispiel, dass die Ernte von etwa 2000 Hektar Mais in die Anlage gekippt wird. Diesen Mais bezieht Epuron von der Jüterboger Agrargenossenschaft, einem agroindustriellen Großbetrieb. Statt naturnahem Anbau ist damit der Einsatz von Agro-Chemikalien wie Kunstdünger und Pestiziden garantiert. Auch der Schweinemastbetrieb ist mit 10.000 Mastplätzen das Gegenteil von dem, was der ökologisch bewusste Kunde erwartet. Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) kritisierte im Rahmen des Genehmigungsverfahrens bereits das negative Image für die gesamte Region durch die Schweinemastanlage. Von bäuerlicher Landwirtschaft ist also weit und breit keine Spur. Auch beim Betreiber der Anlage handelt es sich keineswegs um einen mittelständischen Betrieb. Die Epuron GmbH ist eine Tochter der Conergy AG, laut eigenen Angaben „der europaweit führende Systemanbieter im Bereich der regenerativen Energien". In den Gremien von Conergy tummeln sich Namen, die man im Bereich der Erneuerbaren Energien nicht vermutet hätte. Neben Bankern findet sich eine illustre Runde von Aufsichtsratsvorsitzenden der Kosmetikindustrie, Handyanbietern und zu guter Letzt auch Andreas Büchting, Mehrheitsaktionär des deutschen Saatgutkonzerns KWS.

Surfen auf der Ökostrom-Welle

Das Beispiel LichtBlick macht eines deutlich: Auch bei den Erneuerbaren Energien ist ein kritischer Blick nötig. Ob „Bio"-Diesel oder „Bio"-Gas - zunehmend entdecken Unternehmen die Strahlkraft der angeblich „grünen" Energie für den Kunden. Doch hier ist bei weitem nicht alles Gold, was dem wohlmeinenden Verbraucher von den Hochglanzbroschüren entgegenglänzt. Wie viele Stromkunden wären schon begeistert, wenn sie wüssten, dass Palmöl von ehemaligen Regenwaldflächen in deutschen Kraftwerken verheizt wird - und wie viele LichtBlick-Kunden würden sich mit tierquälerischer Massentierhaltung solidarisieren, die ihnen nun über das „klimafreundliche" Biogasangebot von LichtBlick ins Haus kommt?

Worum geht es also wirklich? „Große Biogasanlagen wie hier in Jüterbog harmonieren mit den landwirtschaftlichen Strukturen im Osten Deutschlands. Durch große Ackerflächen und einen hohen Anteil Viehzucht ist die langfristige Versorgung der Anlagen mit Inputstoffen gesichert - und somit auch die Renditen für unsere Investoren", so die Epuron GmbH.

Christina Hacker, Andreas Bauer







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