WSI zieht Tarifbilanz 2007


12.12.07
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Tarifabschlüsse verbessert - Streiks um Tarifstandards und verschärfte Gewerkschaftskonkurrenz
 
Die Tarifabschlüsse des Jahres 2007 sind in vielen Branchen deutlich höher ausgefallen als 2006. Eine Tarifwende auf breiter Front ist allerdings noch nicht zu beobachten. Zudem zehren die überraschend stark steigenden Preise an den Tarifsteigerungen. "Die Konflikte in der Tarifpolitik haben an Schärfe zugenommen", konstatiert Dr. Reinhard Bispinck, Tarifexperte des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) in der Hans-Böckler-Stiftung. "Das zeigen der Abwehrstreik bei der Deutschen Telekom und auch der Arbeitskampf im Baugewerbe." Der Konflikt bei den Lokführern hat das Problem der Gewerkschaftskonkurrenz erneut zutage treten lassen, und für die großen DGB-Gewerkschaften Fragen einer differenzierten Lohnpolitik aufgeworfen. "Ungelöst ist, trotz kleiner Erfolge bei der Ausweitung des Arbeitnehmerentsendegesetzes, nach wie vor die Sicherung ausreichender Mindestlöhne in den Niedriglohnbranchen", sagt Bispinck.
Wichtige Tarifabschlüsse des Jahres 2007 (eine ausführlichere Übersicht in der pdf-Version dieser PM; Link dorthin am Fuß dieses Textes):
* In der Metallindustrie gab es eine Pauschalzahlung von insgesamt 400 € für April und Mai sowie eine Tariferhöhung von 4,1 Prozent ab Juni 2007. Ein Jahr später folgt eine Stufenerhöhung von 1,7 Prozent mit einer Laufzeit bis Ende Oktober 2008. Zusätzlich gibt es für Juni bis Oktober 2008 eine Einmalzahlung von jeweils 0,7 Prozent eines Monatsentgelts.
* In der chemischen Industrie folgte auf eine Pauschalzahlung von 70 € eine Tarifanhebung um 3,6 Prozent sowie eine zusätzliche Einmalzahlung von 0,7 Prozent eines Monatsentgelts jeweils für 13 Monate.
* Im Bauhauptgewerbe sah der Abschluss nach 2 Nullmonaten (April, Mai) eine Tariferhöhung von 3,1 Prozent ab Juni 2007, 1,5 Prozent Stufenerhöhung ab April 2008, 1,6 Prozent weitere Stufenerhöhung ab September 2008 sowie zusätzliche Einmalzahlungen vor.
* Im Versicherungsgewerbe erhalten die Beschäftigten nach einer Pauschale von 300 € für September bis Dezember 2007 eine Tarifanhebung von 3,0 Prozent ab Januar 2008, 1,6 Prozent Stufenerhöhung ab Januar 2009 sowie eine zusätzliche Einmalzahlung im Juli 2008.
Weitere tarifpolitische Stationen des Jahres 2007: Bei der Deutschen Telekom AG musste ver.di deutliche Verschlechterungen bei den Arbeitsbedingungen für die Beschäftigten in dem neu gegründeten Bereich T-Service akzeptieren, konnte allerdings nach elf Wochen (Warn-)Streiks weit reichende finanzielle Absicherungen und einen Kündigungsschutz bis zum Jahr 2012 durchsetzen.
Im Einzelhandel konnte nach mehr als sechsmonatigen Verhandlungen und trotz zahlreicher Streikaktionen kein Tarifabschluss durchgesetzt werden.
Die geplante Ausweitung des Arbeitnehmer-Entsendegesetzes (AEntG) hat bislang lediglich zur Aufnahme des Gebäudereinigerhandwerks geführt.
Die vorliegenden Tarifverträge über Mindestlöhne für Zeitarbeit (seit Mai 2006), Postdienste (seit September 2007) und industrielle textile Dienste (Oktober 2007) wurden noch nicht über das AEntG für allgemeinverbindlich erklärt.
Die Tarifrunde 2008 startet mit den Verhandlungen für den öffentlichen Dienst (Bund, Gemeinden), die Stahlindustrie und die chemische Industrie.
Kontakt:
Dr. Reinhard-Bispinck@boeckler.de







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