Die GDL macht ernst und die Verhandlungen gehen weiter


Streikende Lokführer: Die einzige Sprache, die die Bahn AG versteht.

21.12.07
TopNewsTopNews, Wirtschaft 

 

Kommentar von Joga Twickel

Es reichte. Das erneute Falschspiel von DB-Chef Mehdorn war auch für den immer wieder verhandlungsbereiten Manfred Schell nicht länger erträglich, als er am Mittwoch die Verhandlungsrunde verließ.

Was die GDLer schon vor dieser Verhandlungsrunde gesagt hatten, der vom Arbeitgeber angebotene "Eigene Tarifvertrag" für die Lokführergewerkschaft sei eine Mogelpackung, das hat sich auf der ganzen Linie als zutreffend herausgestellt. Auf der GDL website heißt es dazu: Der Arbeitgeber bestand darauf "erhebliche Entgelt-, Zulagen- und Arbeitszeitbedingungen aus dem GDL-Tarifvertrag herauszulösen und künftig der Abstimmung mit der TG (Tarifgemeinschaft, J.T.) zu unterwerfen. So soll die GDL beispielsweise weder die Berechnung des Entgelts und die Grundsätze der Eingruppierung in das Entgeltsystem noch die Bewertung der Arbeitszeit in ihrem originären Tarifvertrag eigenständig verhandeln dürfen." Eigenständiger Tarifvertrag ?

Da fasst man sich an den Kopf ob solch unverfrorener Lügen und Taktiererei von Seiten der Bahn AG. Bereits im Mediationsverfahren im August war von Mehdorn unterschrieben worden, daß die Gewerkschaft der Lokführer den eigenständigen Tarifvertrag bekommen sollen. Erneut wurde das in einem Verhandlungsmarathon am 3.und 4. Dezember bestätigt. Scheinbestätigt, wie man jetzt weiß - um die Gewerkschafter am Verhandlungstisch weich zu reden.

Gewichtiger weiterer Teil der Mogelpackung: die Bahn AG wollte einen Teil der Lokführer  glatt ausschließen, wie man aus der Pressemitteilung der GDL zum Abbruch der Verhandlungen erfährt: " Auch die Feststellung, wer bei der DB überhaupt Lokomotivführer ist, konnte nicht geklärt werden. Dem Bahnvorstand bereitet die Definition "Lokomotivführer" wohl große Schwierigkeiten. "Während die Lufthansa genau weiß, wer in ihrem Unternehmen Pilot ist, ist die Bahn bei ihren Lokomotivführern dazu nicht in der Lage", so Schell. So sind beispielsweise Rangierlokführer und Lokrangierführer für den Bahnvorstand keine Lokomotivführer und sollen somit auch nicht unter den GDL-Tarifvertrag fallen."

Nachdem so Schritt für Schritt die DB Verhandlungsführung gegebene Zusagen zurück gezogen hatte, ließ die Führung der GDL den Verhandlungsfaden reißen. Sie weiß inzwischen  offenbar, welche Sprache die Gegenseite tatsächlich versteht und hat ab 7. Januar 2008 unbefristete Streiks im Güter- und Personenverkehr angekündigt, die auch bei Verhandlungen nicht eher unterbrochen werden sollen als bis "sich ein tragfähiges Tarifergebnis abzeichnet".

Diese Ankündigung eines unbefristeten Arbeitskampfes bis zum Erfolg zeitigte umgehend Wirkung. Die GDL hat mit diesem Schritt entschlossen die Initiative ergriffen und hektische Reaktionen der Gegenseite ausgelöst.

Umgehend wurden von der Bahn alle in den Verhandlungen gemachten Zusagen, so auch die Zahlung von 800 Euro noch zu Weihnachten an die Streikenden, zurückgenommen. Sie forderte ein Schlichtungsverfahren. Das lehnte die GDL umgehend ab. Bundesverkehrsminister Tiefensee kritisierte sofort den Abbruch der Verhandlungen. Noch heute, am Freitag, setzte er ein Treffen mit Mehdorn und Schell durch und erreichte die Wiederaufnahme der Verhandlungen. Er hatte dabei die Unterstützung der Bundesregierung, die - erforderlichenfalls - weitere Ministerien einschalten wollte. Denkbar wäre z.B., daß Kanzleramtsminister Thomas de Maiziere dazustoße, da es gute Tradition sei, dass sich in einem solchen Fall Fachminister und Kanzleramt eng abstimmen. Erforderlichenfalls werde man auch über die Feiertage verhandeln.
Die GDL hat die Puppen mächtig zum Tanzen gebracht.

Wie bisher während des ganzen Arbeitskampfes ist die Mainstreampresse auch bei diesen Ereignissen die servile Unterstützerin von Mehdorn, Tiefensee, Merkel & Co. Detlef Esslinger kommentiert in der Süddeutschen Zeitung vom 21.12. unter der Überschrift: "Verzweiflungsschlag der Lokführer": "Aus einer Notsituation heraus flüchtet sich die Führung der Lokführergesellschaft GDL in den unbefristeten Streik: Ihr ist die Sache über den Kopf gewachsen." Während der Verfasser nicht umhin kann, zuzugestehen " Die Argumente der Gewerkschaft sind nicht einmal abwegig" und er einige davon berichtet, besteht die Botschaft des Artikels darin, deutlich zu machen, daß die GDL Verhandlungsführung alles immer nur vermasselt. Bisher sei sie zu zögerlich gewesen mit dem Streiken - nun sei sie aber zu plötzlich mit dem Abbruch der Verhandlungen und der Streikankündigung. Denn das sei der verkehrte Zeitpunkt: "unmittelbar vor Weihnachten..., wenn das Publikum auf Frieden und Ruhe gestimmt ist und Lokführer-Streiks nur noch nerven." Sowas aber auch, Mehdorn & Co. das Fest zu vermasseln !

Für viele Linke, Gewerkschafter, Millionen Lohnabhängige aber ist diese Ankündigung massiver Streiks für überfällige Verbesserungen beim Lohn und den Arbeitsbedingungen der GDLer ein Mut machendes und höchst erfreuliches Weihnachtsgeschenk.

Winfried Wolf schreibt dazu http://www.bahnstreik-soli.de/index.php?page=print&id=1080 :
"Ein Erfolg der Lokführer würde flächendeckende Austrahlungen auf alle gesellschaftlichen Bereiche haben, und allüberall die Positionen von Gewerkschaften und Globalisierungskritik stärken.
Im diesem Sinn rufen wir als Initiative "Bahnstreik Solidarität" dazu auf: Jetzt die Position der Lokführer zu unterstützen. Jetzt die Solidarität mit der GDL wieder zu aktivieren. Sich darauf vorzubereiten, dass es nun bald auch der praktischen Solidarität mit den Triebfahrzeugführern bedarf."
Dem Aufruf  schließen wir uns vorbehaltlos an !







<< Zurck
Diese Webseite verwendet keine Cookies. Hier erfahrt ihr alles zum Datenschutz