Der Schmerz der Opfer in Kolumbien darf nicht politisch instrumentalisiert werden - von keiner Seite


Kolumbiens Präsident Uribe

04.02.08
TopNewsTopNews, Internationales 

 

Demonstrationen könnten zu einer weiteren Polarisierung der kolumbianischen Gesellschaft beitragen

Berlin (sk) - Am 04. Februar fanden in Kolumbien und weltweit Demonstrationen gegen die Guerillagruppe FARC ( Fuerzas Armadas Revolucionarias de Colombia – Revolutionäre Streitkräfte Kolumbiens) statt. Die Initiatoren beziehen explizit keine Stellung zum Vorschlag eines humanitären Austausches von Geiseln gegen inhaftierte FARC-Guerilleros. Zahlreiche Menschenrechts- und soziale Organisationen in Kolumbien haben sich kritisch zu den Demonstrationen geäußert. Sie lehnen die Verbrechen der FARC entschieden ab, erinnern aber auch an die Opfer des Paramilitarismus in Kolumbien. Kritisiert wird auch die Rolle der Presse, die seit Tagen in den größten Medien wie den Sendern Caracol, RCN und El Tiempo für die Demonstrationen mobilisiert, während die Verbrechen der Paramilitärs dort häufig nur rudimentär und konfus dargestellt werden.

Präsident Uribe hat am 26. Januar erklärt, dass die Gefangenenlager mit weiteren Geiseln durch die Streitkräfte aufzuspüren und zu umstellen seien. Dies hat Vermittler der Kirche und den französischen Präsidenten Sarkozy alarmiert. Die FARC haben schon lange angekündigt, im Falle von Befreiungsversuchen alle Geiseln zu erschießen und diese Drohung bisher wahr gemacht. Die Demonstrationen könnten zu einer weiteren Polarisierung der kolumbianischen Gesellschaft beitragen. Die Freilassung zweier Geiseln am 10. Januar hatte neue Hoffnungen für eine humanitäre Lösung genährt. Wir verurteilen die schweren und permanenten Verletzungen des Humanitären Völkerrechts durch alle bewaffneten Akteure Guerilla, Armee und Paramilitärs," erklärt Alexandra Huck von kolko e.V. "als Konfliktparteien sind die Guerillagruppen zur Respektierung des Humanitären Völkerrechtes verpflichtet, für dessen Verletzungen müssen sie mit aller Härte zur Rechenschaft gezogen werden. Alle von den Guerillagruppen entführten Zivilisten müssen sofort und bedingungslos freigelassen werden."

Um eine humanitäre Lösung des Geiseldramas voranzubringen, müssen die FARC klare und konstruktive Schritte machen, und auch die kolumbianische Regierung muss sich bewegen. "Die jüngsten Ankündigungen von Präsident Uribe zur militärischen Umstellung der Lager erfüllen uns mit großer Sorge, weil sie das Leben der Geiseln in Gefahr bringen in einem Moment, in dem viele Menschen auf Vermittlungsbemühungen hoffen. Die Situation der Opfer des bewaffneten internen Konfliktes in Kolumbien ist dramatisch, die Situation der Geiseln ist ein wichtiger Teil davon. Der Schmerz der Opfer darf nicht für politische Zwecke instrumentalisiert werden von keiner Seite." erklärt Alexandra Huck von kolko e.V. Die Konsequenzen des internen bewaffneten Konfliktes für die Zivilbevölkerung sind verheerend. Kolumbien zählt vier Millionen interne Vertriebene und eine erschreckend hohe Zahl von außerhalb von Kampfhandlungen Getöteten. Seit Ende der achtziger Jahre wurden in Kolumbien mehr als 30.000 Menschen Opfer von gewaltsamem Verschwindenlassen. In den ersten vier Jahren der Regierung Uribe waren die Guerillagruppen für 25% der Morde außerhalb von Kampfhandlungen verantwortlich. Die Paramilitärs für 61% und die staatlichen Sicherheitskräfte für 14% der Opfer. Auf die enge Zusammenarbeit zwischen Paramilitärs und Streitkräften wird von Menschenrechtsgruppen seit vielen Jahren hingewiesen.

Im Januar haben paramilitärische Gruppen die laut Präsident Uribe gar nicht mehr existieren innerhalb von 15 Tagen zwei Massaker verübt und neun Personen gewaltsam verschleppt. In einem Brief an den Präsidenten schreibt der Menschenrechtsaktivist Ivan Cepeda: "Es scheint, als ob diese Opfer nicht existieren. Von ihnen wird es keine Überlebenszeichen geben. Ihre sterblichen Reste werden in Massengräbern enden oder in die Flüsse geworfen werden. Weder die Unternehmerverbände noch die Kirche, die Bürgermeister oder die Gouverneure oder die großen Massenmedien werden die Bevölkerung dazu aufrufen, in Demonstrationen ihrer Ablehnung dieser Verbrechen Ausdruck zu verleihen." In Kolumbien herrscht nahezu hundertprozentige Straffreiheit für Menschenrechtsverbrechen, die von staatlichen Sicherheitskräften und Paramilitärs verübt werden. Die Stimmen der Opfer von Menschenrechtsverletzungen verhallen seit vielen Jahren ungehört. Die Gewalt auf Seiten aller Konfliktparteien muss beendet werden. Damit die Vermittlungsbemühungen der Schweiz, Frankreichs, Spaniens und der katholischen Kirche erfolgreich sein können, ist eine konstruktive Kooperation mit den Vermittlern, und zwar sowohl seitens der FARC als auch der Regierung, unabdingbar.







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