Menschenrechtler im Tschad in akuter Lebensgefahr


07.02.08
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"Brot für die Welt" bittet Bundesregierung aktiv zu werden

Stuttgart (sk) - "Brot für die Welt" bittet die Bundesregierung, sich aktiv für eine friedliche Lösung des Konflikts im Tschad einzusetzen. "Kein militärischer Sieg wird die Probleme lösen können", betont Ulrich Gundert, Kontinentalleiter Afrika bei "Brot für die Welt". Nur ein Waffenstillstand mit anschließenden Verhandlungen, bei denen alle Gruppen einbezogen sind, könne die Lage entspannen. Dafür müsse sich Deutschland auch im Rahmen der Europäischen Union stark machen. In diesem Zusammenhang müsse auch die Rolle Frankreichs hinterfragt werden, die bisher nur militärische Gesichtspunkte zu berücksichtigen scheine. Die sehr aktiven zivilgesellschaftlichen Gruppen des Tschad würden dagegen nicht in die Überlegungen mit einbezogen.

"Unsere Partner im Tschad setzen sich schon seit Jahren für eine friedliche Lösung der Konflikte im Land ein", so Gundert weiter. "Die Verhaftung von vier Oppositionspolitikern und die Meldungen unserer Partner, dass die tschadischen Sicherheitskräfte nach ihnen suchen, deutet darauf hin, dass Präsident Déby die aktuelle politische Lage dazu nutzen könnte, sich unliebsamer Regierungskritiker zu entledigen." Aber auch von Seiten der Rebellen bestehe akute Gefahr für die Menschenrechtsaktivisten, die sich zum Teil an unbekannten Orten verstecken und aus Sicherheitsgründen jede Nacht ihr Lager wechseln.

"Wir stehen in engem Kontakt zu einigen Partnern, die nach Kamerun flüchten konnten. Viele versuchen wir nach wie vor zu finden", so Michael Windfuhr, Leiter des Menschenrechtsreferates von "Brot für die Welt". Besonders Besorgnis erregend sei die Situation der beiden tschadischen Anwältinnen und Menschenrechtlerinnen Delphine Djiraibé und Jaqueline Moudeina. "Frau Djiraibé hat sich auf die französische Militärbasis Kosei in N'Djaména geflüchtet", erläutert Windfuhr. Jacqueline Moudeina verstecke sich nach neuesten Nachrichten in N'Djaména und benötige dringend Unterstützung, um aus der Stadt in Sicherheit gebracht zu werden. Das Leben der beiden im ganzen Land bekannten Menschrechtlerinnen sei in akuter Gefahr. Beide haben sich in den vergangenen Jahren für die Einhaltung der Menschrechte und besonders gegen die verbreitete Straflosigkeit eingesetzt und wurden für ihr Engagement mit Menschrechtspreisen ausgezeichnet. Frau Moudeina ist eine der führenden Anwälte, die die Opfer der Menschenrechtsverletzungen der Habré-Diktatur unterstützen. In dieser Zeit hatte der heute amtierende Präsident Déby eine führende Rolle an der Seite des damaligen Präsidenten und somit ein Interesse daran, dass die Fälle nicht aufgeklärt werden.

"Deutschland hat sich im Juni 2004 mit der Anerkennung der EU-Leitlinie für Menschenrechtsverteidiger zu einem aktiven Schutz dieser Personen bekannt", so Windfuhr weiter. Nun müsse die Regierung sich mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln auf deutscher und europäischer Ebene für deren Schutz, aber auch für den Schutz ihrer Familien und für die Einhaltung rechtsstaatlicher Prinzipien im Tschad einsetzen.







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