Sozialistische Akzente in Berlin: 70.000 gedenken Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht

14.01.08
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LL-Demo zieht 10.000 Menschen an. Mehr als 2000 TeilnehmerInnen auf der Rosa-Luxemburg-Konferenz der Jungen Welt

Von Edith Bartelmus-Scholich

Bei klaren, milden Wetter besuchten am gestrigen Sonntag ca. 70.000 Menschen die Grabstätte der Mitte Januar 1919 ermordeten Revolutionäre Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht auf dem sogenannten Sozialistenfriedhof in Berlin-Friedrichsfelde. Die meisten von ihnen kamen in kleinen Gruppen um still zu gedenken und die Gräber der SozialistInnen mit roten Nelken zu schmücken. Einen kämpferischen Akzent setzte dagegen die LL-Demonstration, die auf 10.000 TeilnehmerInnen geschätzt wurde. Zu dem befürchteten Zusammenstoß mit Nazis kam es - vielleicht wegen der Stärke der Bewegung - nicht.

Überraschend gut besucht war bereits am Vortag, dem 12.1.08, die Rosa-Luxemburg-Konferenz der Tageszeitung Junge Welt gewesen. Die Urania vermochte die mehr als 2000 TeilnehmerInnen kaum zu fassen und die OrganisatorInnen waren durch den Andrang teilweise überfordert. Für die Podiumsdiskussion wurden so mehr Karten verkauft, als der Saal Sitzplätze hatte. Das gestiegene Interesse deutet auf ein neues Selbstbewusstsein der Linken hin.

Die unter dem Motto "Klasse für sich. Partei für alle?" stehende Konferenz bot ein dichtgedrängtes internationales  Programm. Die Beiträge versuchten die Trias von Medien, Kultur und Politik aus der Klasse und für die Klasse auszuloten. Leider wollten die Organisatoren dabei zu viel auf einmal.  Kulturbeiträge, Referate, internationale Grußworte und die  abendliche Podiumsdiskussion "Partei für alle? Brauchen wir neben der LINKEN noch eine marxistische Partei?" reihten sich übergangslos aneinander. Auf der Strecke dabei blieb die Debatte - und die Vertiefung des Leitthemas. Die Teilnehmenden wurden nicht zur Debatte zugelassen. Ihnen wurde zugemutet, diszipliniert Stunde um Stunde, Beitrag um Beitrag immer nur zuzuhören. Selbst für Fragen aus dem Auditorium blieb kaum Zeit.  Der eigene Anspruch, durch Information Debatte und Emanzipation zu befördern, wurde dabei gründlich verfehlt. Es bleibt zu hoffen, dass die OrganisatorInnen im kommenden Jahr das Programm entzerren und Angebote machen, um die Teilnehmenden wenigstens annähernd gleichberechtigt einzubeziehen.

 


VON: EDITH BARTELMUS-SCHOLICH

ebs@scharf-links.de




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