Die Aktion `Wahlabsage´ will verkannten Modernisierern der Demokratie den Rücken stärken


10.01.08
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Von Hartmut Lühr

BERLIN (08. Januar 2008) - Nur weil sich ein unheilvoller Vorgang in regelmäßigen Abständen wiederholt, verliert er nicht an Gefährlichkeit: Gewohnheitswähler schädigen aus vordergründig ehrenhaften Motiven die Demokratie. Dagegen leisten bewusste Nichtwähler einen völlig verkannten Beitrag zur Modernisierung. Wir müssen ihnen moralisch den Rücken stärken.

Alle vier Jahre verfallen moderne Individualisten für kurze Zeit dem Herdentrieb - bei anstehenden Wahlen. Wider bessere Einsicht beteiligen sie sich an der erneuten Legitimation überholter und schädlicher politischer Strukturen. Die Vernunft scheint außer Kraft gesetzt, längst erlangte Gewissheiten dem vorübergehenden Vergessen preisgegeben.

Vor allem die Massenmedien, die ansonsten sämtliche Mängel des politischen Systems aufdecken, setzen die Bürger unter großen normativen Druck, einem überholten Ritual zu folgen. Dieser moralische Zwang ist allerdings kaum mehr mit rationalen Argumenten begründbar und dient lediglich der Wahrung von Besitzständen. Aus Sicht der Betroffenen verständlich - für eine funktionierende Zivilgesellschaft jedoch nicht hinnehmbar.

Das schlechte Image der Nichtwähler führt zu einer bedenklichen Zunahme des Protestwählens. Statt destruktive radikale Parteien zu unterstützen, obwohl man sich eigentlich nur eine verantwortliche und vernunftgeleitete Politik wünscht, ist es erheblich sinnvoller, ein Zeichen durch Wahlboykott zu setzen.

Es ist keineswegs vermessen zu unterstellen, dass die Väter und Mütter des Grundgesetzes in Kenntnis der heutigen politischen Glaubwürdigkeitskrise ebenfalls anraten würden, mit symbolträchtigen Maßnahmen wie Wahlverzicht die demokratische Idee gegen die Allmacht von Lobbygruppen, politischen Parteien und Medienkartellen zu verteidigen.

Natürlich entspricht nicht jeder unbenutzte Wahlzettel einer bewussten Wahlverweigerung, sondern hat vielfach ganz banale Ursachen. Dennoch möchte die freie Berliner Politik- und Kunstplattform moderne21den Engagierten unter den Nichtwählerngegen den Vorwurf, sie seien schlechte Demokraten, moralisch den Rücken stärken. Hierzu wurde die offene Aktion `Wahlabsage´ ins Leben gerufen.

Am 26.01.2008 findet am Vorabend der Landtagswahlen in Niedersachsen und Hessen um 20 Uhr in der Oranienburgerstr. 54-56a in 10117 Berlin mit Unterstützung des `Kunsthauses Tacheles´ eine Informationsveranstaltung unter Leitung von Hartmut Lühr (Soziologe) statt.

Hartmut Lühr, Sensburger Allee 17e, 14055 Berlin, 0163-6544447, www.wahlabsage.de  







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