Revolutionärin Rosa Luxemburg zu Gewalt und Gesetzmäßigkeit


13.01.09
TopNewsTopNews, Theorie, Arbeiterbewegung 

 

zusammengestellt von Reinhold Schramm

>Was uns vor allem an dem festen Entschluss, jeden Gebrauch der Gewalt im proletarischem Kampf durch die parlamentarische Aktion zu ersetzen, merkwürdig erscheint, ist die Vorstellung von einer willkürlichen Revolutionsmacherei. Nach dieser Auffassung werden Revolutionen offenbar, je nachdem sie als nützlich oder als überflüssig und schädlich erkannt sind, gemacht oder unterlassen, vorbereitet oder ad acta gelegt, und es kommt nur darauf an, welche Überzeugung jetzt in der Sozialdemokratie die Oberhand gewinnt, damit Revolutionen in kapitalistischen Ländern fernerhin zustande kommen oder nicht.<

>Die Gewalt hat nicht nur mit dem Aufkommen der bürgerlichen "Gesetzmäßigkeit", des Parlamentarismus, nicht aufgehört, eine geschichtliche Rolle zu spielen, sondern sie ist heute genauso gut wie in allen früheren Epochen die Basis der bestehenden Ordnung. Der ganze kapitalistische Staat beruht auf der Gewalt, und seine militärische Organisation ist an sich ein genügender, faustdicker Beweis dafür, den zu übersehen ein wahres Kunststück des opportunistischen Doktrinarismus ist.<

>Mit einem Worte: Was sich uns als bürgerliche Gesetzmäßigkeit präsentiert, ist nichts anderes als die von vornherein zur verpflichtenden Norm erhobene Gewalt der herrschenden Klasse. Ist diese Festlegung der einzelnen Gewaltakte zur obligatorischen Norm einmal geschehen, dann mag die Sache sich im bürgerlichen Juristenhirn und nicht minder im sozialistischen Opportunistenhirn auf den Kopf gestellt bespiegeln: die "gesetzliche Ordnung" als eine selbständige Schöpfung der "Gerechtigkeit" und die Zwangsgewalt des Staates bloß als eine Konsequenz, eine "Sanktion" der Gesetze. In Wirklichkeit ist umgekehrt die bürgerliche Gesetzlichkeit (und der Parlamentarismus als die Gesetzlichkeit im Werden) selbst nur eine bestimmte gesellschaftliche Erscheinungsform der aus der ökonomischen Basis emporgewachsenen politischen Gewalt der Bourgeoisie.< 

(Bitte den gesamten Text der Genossin Luxemburg im Kontext lesen.)

Quelle: Rosa Luxemburg, Gesammelte Werke, Band 1 - 1893 bis 1905; Zweiter Halbband, Gewalt und Gesetzlichkeit, S. 240-242. Dietz Verlag Berlin 1974.







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