Zur Vorgeschichte der IV. Internationale


14.09.08
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Von B. B. in Avanti, September 08, www.scharf-links.de
 
Am 27.-28. September feiert der RSB die Gründung der IV. Internationale vor 70 Jahren. Das ist Anlass genug, um auf ihre Vorgeschichte besonders in Deutschland zurückzublicken.
Die Internationale Linke Opposition, die Vorläuferin der IV. Internationale, wurde am 6. April 1930 gegründet, aber die regelmäßige Arbeit auf internationaler Ebene hatte bereits mit dem 6. Weltkongress der III. (Kommunistischen) Internationale, der von Juli bis September 1928 in Moskau tagte, begonnen. Ohne ein persönliches Treffen - ihre LeiterInnen waren bereits verbannt - gelang es der Linken Opposition der Sowjetunion, eine Übereinkunft mit Linksoppositionellen der CPUSA um James P. Cannon und Maurice Spector auf Grundlage der Kritik Trotzkis an Bucharins Programmentwurf der Kommunistischen Internationale zu erzielen.

Linke Opposition gegen Linke Opposition

Eigentlich waren es verschiedene "linke Oppositionen", die in den jeweiligen kommunistischen Parteien entstanden und die erst zusammenfinden mussten. Die Linke Opposition in der KPD um Ruth Fischer, Arkadi Maslow und Werner Scholem kam bereits 1922 gegen die "rechte" Parteimehrheit auf, der sie später die Verantwortung für die "Oktoberniederlage" 1923 in Deutschland vorhielt. Während diese die Linke Opposition in Deutschland an die Parteiführung brachte, verdammten die internationalen Auswirkungen der Niederlage die Linke Opposition in der Sowjetunion zur Existenz als Minderheitsströmung.
Zunächst fanden beide nicht zueinander, u. a. weil Karl Radek als Emissär der Kommunistischen Internationale 1923 die "rechte" KPD-Zentrale beraten hatte, in der Sowjetunion aber zum Leitungskreis der Linken Opposition Trotzkis gehörte. Damit galten Trotzki, Radek und die ganze LO der SU in "linken" Parteikreisen der KPD ebenfalls als "rechts". Deshalb nahmen viele "Linke" der KPD zwischen 1923-26 Stellung gegen Trotzki. Erst mit der Ausschaltung des linken Vorsitzenden der Kommunistischen Internationale, Sinowjew, durch Stalins Apparat, wurde den "Linken" in der KPD klar, dass Sinowjew, Kamenjew im Bündnis mit Trotzki als Vereinigte Linke Opposition zu unterstützen sind. Zu diesem Zeitpunkt (1925) hatte Sinowjew beim vergeblichen Versuch seine Position zu retten, Stalin geholfen, erst die Ultralinken um Scholem, Rosenberg, Katz und dann die Linken um Fischer, Maslow, Urbahns aus der KPD-Parteiführung auszuschalten. Auch Trotzki und seine engsten AnhängerInnen hatten sich von der KPdSU-Führung zu Distanzierungen von den Linken in der KPD missbrauchen lassen, obwohl sie nur unzureichende Informationen über die Geschehnisse in der KPD hatten.

Die Rolle Trotzkis

Nachdem Trotzki Anfang 1929 in die Türkei ausgewiesen wurde, konnte er mit großen Mühen erhebliche Teile der "Linken Oppositionen" sammeln. Ein zentrales Element, was sie gemeinsam verteidigten, war die Perspektive der Weltrevolution und damit die Ablehnung der Sackgasse des Aufbaus des Sozialismus in einem Land sowie die Verteidigung eines Verständnisses von demokratischem Zentralismus, das innerparteiliche Demokratie nicht erstickt, sondern überhaupt erst ermöglicht. Mit Trotzki arbeiteten u. a. James P. Cannon (LO der CPUSA), Chen Duxiu (Gründer der KP Chinas), Amadeo Bordiga (Gründer der PC Italiens), Hugo Urbahns (angeklagt wegen des Hamburger Aufstands 1923), Andrés Nin (stellv. Leiter der RGI) zusammen. Aber es bedurfte schon der revolutionären Erfahrungen und der theoretischen Einsichten eines Leo Trotzki, um aus den verschiedenen linksoppositionellen Strömungen, geprägt von den Besonderheiten ihres Landes, eine wirkliche Internationale Linksopposition zu schaffen, die sich erst 1932 eine wirkliche internationale Plattform gab.

Revolutionäre Avantgarde

In der KPD hatten "linke" und "ultralinke" Opposition 1925-27 großen Einfluss. An der Ruhr waren es Berg- und Hüttenarbeiter, die sich 1926 in der "Erklärung der 700" mit der Linken Opposition in der Sowjetunion und in der "Erklärung der 1000" mit den ausgeschlossenen linken ZK-Mitgliedern Werner Scholem, Hugo Urbahns und Wilhelm Schwan und später mit Eugen Eppstein solidarisierten. Sie hatten sich in der Novemberrevolution 1918, beim Kapp-Putsch und den Kämpfen der Roten Ruhrarmee 1920, während Ruhrbesetzung und dem "deutschen Oktober" 1923 radikalisiert. Dabei hatten sie die Machenschaften der SPD- und Gewerkschaftsbürokratie mit der Reaktion zu teuer bezahlt, um nun innerhalb der KPD Mitte der 20er Jahre der sich herausbildenden Parteibürokratie um Ernst Thälmann und ihrem Gegenstück in der KPdSU unter Stalin freiwillig das Feld zu überlassen. Der bürokratisierte KPD-Parteiapparat mit dem Prestige der stalinschen Sowjetunion im Rücken schränkte daraufhin die Mitgliedsrechte drastisch ein und schloss die Links oppositionellen aus. Danach war die nun stalinistische KPD ein gut funktionierendes, aber innerlich leeres Räderwerk, von angepassten Apparatschicks kommandiert, das wenige Jahre später nicht eine einzige Streikaktion gegen die Machtübergabe an Hitler zustande bekommen sollte. Aber letztendlich siegte nicht die Moskauer Direktive, sondern die offene linke Debatte. Auch daran sollten wir uns zum 70. Jahrestag der Gründung der IV. Internationale erinnern.
Mehr Infos zu Konferenz "70 Jahre IV.Internatioanle" unter:  www.rsb4.de/konferenz

 







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