Interview und Offener Brief: Zum Thema Tibet nur noch Mainstream ?

13.04.08
TopNewsTopNews, Debatte 

 

Politische Zensur gegen den SALZ-Bildungskreis Köln

Frage: Euch ist für eine Tibet-Veranstaltung der bereits zugesagte Veranstaltungssaal kurz vor dem Termin wieder entzogen worden, mit welcher Begründung ?

SALZ: Man hat uns vergeworfen, in unserem Einladungsflugblatt einseitig für die Chinesen Stellung zu beziehen und das reichte dem Vorstand der Alten Feuerwache für diesen Entzug.
Das ist gleich zweifach skandalös. Erstens haben wir darauf hingewiesen, dass in den Medien vieles verschwiegen wird einseitig zu Ungunsten der chinesischen Seite und dass hier ein gefährlicher Brandherd zu entstehen droht, wenn die Einmischung von außen weiter fortgeführt wird. Zweitens hat man im Vorfeld mit uns noch nicht einmal den Dialog gesucht, sondern nur abstruse Mutmaßungen über unseren Referenten, Dr. Ingo Nentwig, angestellt. Der ist nun wirklich ein weithin anerkannter China-Experte und ausserdem wissenschaftlicher Beirat von SALZ e.V. Jeder und jede kann sich z.B. über unsere website überzeugen, dass diese Vorwürfe haltlos und töricht sind, nur weil wir dem mainstream entgegentreten und damit der Mystifizierung der angeblich vollkommen gewaltlosen Tibeter befördern wollen.

Frage: Gilt denn die Alte Feuerwache in Köln nicht quasi als Restbestand links-alternativen Milieus gerade ohne Neigung zu solcherart Zensur ?

SALZ: Das dachten wir auch bisher. Wir wissen noch nicht genau, mit welcher Begründung man uns den Raum entzog, Schriftliches hat man uns nicht ausgehändigt. Das kam ja alles telefonisch, zwei Werktage vor der geplanten Veranstaltung. Sehr unfein. Wir kennen Vorstand und Verwaltung bisher nicht als undemokratische Hardliner. Aber man hat ja auch im Fall Jugoslawien oder aktuell Im Fall des Kriegs gegen den Irak gesehen, dass aus so mancher grünen-alternativen Seele über die Jahre eine olivgrüne geworden ist... Das wird sich hoffentlich aber noch konkret zeigen. Der Raumentzug ist formell, so hat man es uns gesagt, vom Vereinsvorstand der Alten Feuerwache e.V. ausgesprochen worden. Vielleicht sind einer oder einem Einzelnen die Pferde durchgegangen und der Vorstand hat aus einer Loyalitätshaltung heraus gehandelt. Aber das ist nicht akzeptabel, politische Zensur kann nicht hingenommen werden...

Frage: Was wollt ihr jetzt unternehmen ?

SALZ: Wir haben in unserem Offenen Brief dem Vorstand der Alten Feuerwache angeboten, eine gemeinsame Veranstaltung zum Thema Tibet zu machen, das öffentliche Interesse ist ja wirklich groß. Wir haben auch vorgeschlagen, uns und unsere Aufassungen einmal persönlich vorzustellen. Wir wollen nicht hinnehmen, dass der Anspruch dieses Bürgerzentrums für Emanzipation und demokratischer Kommunikation im Viertel und in der Stadt vor die Hunde geht. Die öffentlichen Räume, wo freimütige Debatten stattfinden können, sind ja nicht zuletzt durch neoliberale Kommunalpolitik ohnehin immer weiter eingeschränkt worden.

Das Interview führte Edith Bartelmus-Scholich für 'scharf-links'. Für den Bildungskreis Köln von Soziales, Arbeit, Leben, Zukunft (SALZ) e.V. antwortete Frank Braun vom dortigen Vorstand auf ihre Fragen. Näheres unter www.salz-köln.de.

Nachstehend dokumentieren wir zusätzlich einen Offenen Brief des SALZ Bildungskreis Köln zu dem Vorgang:

Für Informationen zu Tibet in der Alten Feuerwache kein Platz?

Offener Brief an die Mitgliederinnen und Mitglieder des Vorstands von Alte Feuerwache Köln e.V.:

Liebe Mitgliederinnen und Mitglieder des Vorstands,
am Do., den 10.04., hat der Vorstand von Alte Feuerwache Köln e.V. unserem
Bildungskreis den bereits zugesagten und bezahlten Raum für eine Informations-und Diskussionsveranstaltung zu Tibet wieder entzogen. Man begründete dies mit einem angeblich tendenziösen Text in unserem Einladungsflugblatt -zwei Werktage vor dem geplanten Veranstaltungstag!
Einmal abgesehen davon, dass man mit dieser kurzfristigen Absage uns und unserem auswärtigen Referenten einen ganz schönen materiellen Schaden zufügt -der Sinologe Dr. Ingo Nentwig als Referent des Abends hat ja schließlich Anfahrts-und wir haben Werbungskosten, wurde politisch genau das verhindert, was der Vorstand der Feuerwache zu wahren vorgibt: Eine objektive Information und eine freimütige Aussprache zum Thema Tibet.
Denn zur objektiven Information gehört natürlich auch all das, was in den Medien gegenwärtig überhaupt nicht gesagt wird. Man kann nämlich über eine verfehlte Nationalitätenpolitik der chinesischen Regierung u.a. auch in Tibet nicht reden und gleichzeitig die mächtigen Interessen anderer an einem Brandherd Tibet außer acht lassen. Diese Interessen spielen aktuell unseres Erachtens aber eine sehr große Rolle. U.a dies zu sagen und zu belegen – auch unter Verweis auf die Geschichte -war Inhalt und Ziel der Veranstaltung und im Einladungsflugblatt so auch angekündigt.
Das Verständnis von Bildungsarbeit der bundesweit arbeitenden Bildungsgemeinschaft SALZ e.V. und auch ihres Kölner Bildungskeises ist eines, was immer auch auf die Gegenwart bezogen ist. Der aktuelle mainstream der den Markt beherrschenden Medien in der Tibetfrage legt eben tatsächlich eine einseitige Sichtweise auf die Verhältnisse in Tibet nahe.
Wer dies nicht akzeptiert, soll nicht Räume in der Alten Feuerwache nutzen dürfen ? Hat der mainstream im Vorstand von Alte Feuerwache e.V. alle Objektivität hinter sich gelassen ?
Wir haben keinerlei Interesse daran, in dieser Angelegenheit mit dem Vorstand eine verschärfte Auseinandersetzung zu führen – trotz der geschilderten politischen Zensur: Die Alte Feuerwache muß ein der Emanzipation und Kommunikation verpflichtetes Veranstaltungs-und Begegnungszentrum bleiben.
Es war in der Werbung für die Veranstaltung zu bemerken, dass zum Thema Tibet ein sehr großes öffentliches Interesse vorhanden ist. Daher bieten wir dem Vorstand von Alte Feuerwache Köln e.V. an, gemeinsam mit uns eine Informations-und Diskussionsveranstaltung zu Thema durchzuführen. Darüber hinaus bieten wir den Mitgliedern und Mitgliederinnen des Vorstands an, uns und unsere Bildungsarbeit einmal in einem persönlichen Gespräch vorzustellen.
Mit freundlichen Grüßen

Frank Braun (frank.braun@netcologne.de), Horst Hilse (h.j.hilse@web.de)
(Mitglieder des Vorstandes des Bildungskreises Köln von SALZ e.V)
Vgl. auchwww.salz-köln.de sowiewww.bildungsgemeinschaft-salz.de

 

 







<< Zurck
Diese Webseite verwendet keine Cookies. Hier erfahrt ihr alles zum Datenschutz