Kommentar zur Kursänderung in der Redaktion der Linken Zeitung


Bildmontage: Herbert Friedl

15.11.07
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Von Karl Ludwig Ostermann

Auf der Barrikade
 
Die Entscheidungsschlacht tobt. Die revolutionären Arbeiter von Altenloh, Brinck und Co haben die Produktion der Spax - Schrauben eingestellt und die Belegschaft von Dorma läßt Türschließer Türschließer sein und sich auch von der  IG - Metall Ikone Otto König, der seine Maske als Versöhnler endgültig hat fallen lassen, nicht von der Massenaktion abhalten. Der Kruiner Tunnel der B 7 zwischen Ennepetal und Gevelsberg ist abgeriegelt, die Machtergreifung und die Ausrufung Räteherrschaft zwischen Hasper Bach und  Schwelme steht kurz bevor, daß Modell der roten Kommune in EN führt bereits zu mutigen Bewegungen in Krähwinkel und Kleinkleckersdorf.
 
Die Mobilisierung der werktätigen Massen stand lange auf der Kippe. Rückständige Elemente wie die Intellektuelle E.B. aus Krefeld wollten das Zentralorgan der Massenbewegung, unsere Linke Zeitung, zu einem Blättchen des Nachtrabs hinter Attac, DKP, Linkspartei und anderen Reformisten machen und das Netzwerk NLO seiner Schlagkraft berauben.
 
Genug der Satire
 
"Während ein Teil um die Ratsmehrheit im NLO dafür eintrat und tritt, das Netzwerk zu einer aktiven, kämpferischen Kraft zu machen und die Diskussion über eine sozialistische und revolutionäre Programmatik zu beginnen, will der andere Teil des Netzwerks das NLO auf eine unverbindliche "Vernetzung" von "Anti-Kapitalisten" bis links-bürgerlichen Reformisten fixieren.
Dieser reformistische und kleinbürgerliche Flügel des NLO, der von Teilen der isl bis zu hart gesottenen Reformisten reicht, hat nicht nur ein Problem mit dem revolutionären Marxismus, sondern auch mit elementaren demokratischen Normen, sobald er selbst in der Minderheit bleibt."
 
"Der Kapitalismus ist inzwischen derart verrottet, dass er nur noch Finanzkrisen, Sozialraub und Kriege hervorbringt. In der Geschichte der Klassenherrschaft verliefen die Veränderungen der Gesellschaftsformen immer abrupt. Es könnte also gerade jetzt jederzeit zu einer heftigen antikapitalistischen basisdemokratischen Bewegung kommen, die ein Orientierungspunkt auch im Internet benötigt. Diese Aufgabe hat sich heute schon die Linke Zeitung vorgenommen. Sie will heute bereits in die Klassenauseinandersetzungen orientierend eingreifen und auch rechtzeitig entwickelt sein, wenn die eruptive antiparlamentarische soziale Bewegung die Bühne der Geschichte betritt."
 
Ja, und wenn es nun nicht "zu der (abrupten) heftigen antikapitalistischen basisdemokratischen Bewegung" kommt? Warum sind denn Ansätze wie die Sozialproteste aus 2004 schnell wieder abgebbt und können nur mit äußerster Mühe organisiert am Leben gehalten und weiter entwickelt werden? Warum sind denn die hoffnungsvollen selbständigen Streikbewegungen bei Daimler und Opel, auch im Jahr 2004, dann doch Einzelerscheinungen geblieben? Muß denn nicht zuerst diese Frage gestellt und in den Vordergrund aller Überlegungen die Analyse gestellt werden, warum das so ist?
 
Statt von einer "eruptiven Bewegung" zu träumen, ist nüchterne Analyse de Lage angesagt und eine linke Pressearbeit, die jede soziale und gesellschaftliche Vorwärtsentwicklung fördert, auch wenn sie zunächst noch klein, unbeholfen und "reformistisch" zu sein scheint. Hier ist Bündnisarbeit gefragt. Ergänzt werden muß dies durch eine offene analytische und programmatische Publizistik, die nach den Irrungen der Sowjetunion und der DDR, der letztendlichen Enttäuschung des chinesischen Versuchs einer kulturrevolutionären Antwort auf diese Irrungen,  der vollständigen Integration der Sozialdemokratie in das kapitalistische System und der absoluten Minderheitsposition emanzipatorischer sozialistischer Kräfte völlig neu die Frage zu stellen hat, wie eine grundsätzliche Änderung von Gesellschaft und Ökonomie zu bewerkstelligen und politisch und demokratisch abzusichern ist. Eine solche Fragestellung ist im besten Sinne revolutionär. Dafür steht die Linke Zeitung offensichtlich nicht mehr. Dies ist zu bedauern.

 


VON: KARL LUDWIG OSTERMANN






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