Krefelder Polizei: Erst Desinformationspolitik zu Nazi-Aufmarsch, nun willkürliche Verhaftung von AntifaschistInnen

19.07.08
TopNewsTopNews, Antifaschismus, NRW 

 

Fast 500 Menschen demonstrieren friedlich gegen Nazi-Kundgebung. Polizei verschleppt drei junge Leute, die sich den Nazis in den Weg gestellt hatten.

Von Edith Bartelmus-Scholich

Das Krefelder Bündnis für Toleranz und Demokratie kann die heutige Demonstration gegen die fünf genehmigten Nazi-Veranstaltungen als großen Erfolg verbuchen. Die Polizei ist mit der Taktik die antifaschistischen Proteste durch Verschweigen der Genehmigungen für vier Infostände und eine Kundgebung der NPD klein zu halten, vollständig gescheitert. Das Bündnis konnte in nur 36 Stunden mitten in der Ferienzeit fast 500 GegendemonstrantInnen mobilisieren. Die unerwartet große Anzahl der TeilnehmernInnen, der störungsfreie und friedliche Verlauf der Demonstration, die engagierten Wortbeiträge vieler TeilnehmerInnen und nicht zuletzt die schwungvolle Moderation von Albert Koolen sorgten für gute Stimmung  und brachten das Anliegen der AntifaschistInnen wirkungsvoll rüber. Teilweise waren die TeilnehmerInnen von weit her angereist, und auch ca. 50 Autonome Antifas fügten  sich problemlos in den Demonstrationszug ein. Mehrere Redner machten klar, dass sie, wenn nötig, auch nächstes Wochenende wieder zur Stelle sein würden.

Demgegenüber war der Auftritt der Nazis kläglich. Sie konnten in der Stadt  nur zwei Stände besetzen, und auf dem Theaterplatz wurden 16 Nazis  gezählt. Zu einer Kundgebung ist es dort erst gar nicht gekommen. Kurz  nach halb drei brach die NPD ihre Veranstaltung ab. Die Nazis trollten sich unter dem Gelächter vieler Umstehender.

Es hätte ein perfekter Tag werden können. Aber dann kamen die abziehenden 
Antifas den sich trollenden Nazis auf der Königstraße zu nahe, und die Polizei reagierte mit unverständlicher Rigorosität. Obwohl nach Beobachtung der noch anwesenden Vertreter des Bündnisses nichts passiert war, wurden  die Antifas von der Polizei eingekesselt und man begann mit der  Durchsuchung und Feststellung der Personalien. Es handelte sich nach Angaben der Umstehenden dabei fast  ausschließlich um sehr junge Leute, zum Teil Kinder, und es wurde alles eingekesselt, was sich zu dieser Zeit auf der Straße aufhielt.

Vertreter des Bündnisses für Toleranz und Demokratie sind über dieses Vorgehen empört. "Genau so eine Situation hatten wir beim Kooperationsgespräch am Freitag  noch angesprochen. Wir hatten vereinbart, dass wir für einen friedlichen  Verlauf der Demo die Verantwortung übernehmen, und dass die Polizei  gegenüber den Antifas eine deeskalierende Strategie fährt. Genau das  Gegenteil war nun der Fall, so wie wir es auch früher schon, z.B. an der  Josefskirche, erlebt haben.", heißt es in einer Stellungnahme des Bündnisses.

Die Vertreter des Bündnisses stellten fest, dass der Einsatzleiter der Polizei nichts vom Inhalt des  Kooperationsgesprächs wusste, keinen der Teilnehmer seitens der Polizei erreichen konnte und sich auf seine Anweisungen zurückzog. Beendet wurde der  Kessel wahrscheinlich durch das Wetter, denn als ein Wolkenbruch seinen  Höhepunkt erreichte, spurteten die im Regen stehenden Polizisten plötzlich  zu ihren Fahrzeugen und fuhren ab. Dabei nahmen  sie drei Antifas mit. Über deren Verbleib verweigert die Polizei jede Auskunft.

Das Krefelder Bündnis für Toleranz und Demokratie kündigte an, die Polizei wegen ihrer verschleiernden Informationspolitik vorher und der unangemessenen Eskalation nach der Demonstration zur Rede stellen zu wollen.

Edith Bartelmus-Scholich, 19.7.08







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