Krise ad hoc?

02.02.09
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Investoren berufen sich auf "sichere Prognosen" in der Vergangenheit und wollen sich „restrukturieren" – linke Prognosen gelten trotz jüngsten Beweises noch immer nicht als relevant.

Kommentar von Ingo Groepler-Roeser

Man hätte es kaum für möglich gehalten, aber die Zahl der Unternehmen, die jetzt die Pleitewelle auf der Schaumkrone erleben steigt, von Tag zu Tag. Das Interessante dabei ist, dass viele von ihnen, insbesondere Investoren, die sich jetzt einer „Restrukturierungsphase" unterziehen wollen, sich darauf berufen, andere Prognosen zum Zeitpunkt der Investition vorliegen gehabt zu haben.

Das ist falsch. Richtig ist, dass sie beim Einsatz des nun verbrannten Geldes auf die falschen Fachleute gehört haben – jene nämlich, die sich am stabilen Finanzsystem unter amerikanischer Blasenhoheit gerade in Deutschland in die Ränge der Wirtschafts- und Regierungsmacht nach oben gehangelt haben. Nun wird klar, dass sie unter Missachtung weithin gekannter Absturzsignale trotzdem positive Aussichten vermittelt haben. Der drohende finanzielle Rollback (besser: Blackout) war aber schon vor wenigstens zwei Jahren sichtbar und die Politik tat trotz aller Warnungen aus der linken Opposition heraus nicht, was sie hätte tun müssen. Sie hätte viele der sogenannten Gewinnwarnungen herausgeben müssen und, um dem falschen Boom entgegenzuwirken nicht zuletzt die grassierenden neuen globalen Player, die außer Geld nichts mehr kauften und weitere verwerteten, scharf regulieren müssen. Und zwar so scharf, dass damit den „richtigen Prognosen" – nämlich denen einer rapide vernetzten Absturzwelle vielleicht noch frühzeitig hätte vorgegriffen werden können.

Doch nicht nur der Steuerzahler haftet sondern die Bevölkerung bis hinein in sozial schwächere Schichten hat massiv darunter zu leiden, dass Steinbrück & Co. nun nachbessern, weil ihnen eine Wirtschaftspolitik fremd ist, die allerneuestens die Bundeskanzlerin mit Davos zur internationalen Heilswirtschaft erklärt – die soziale Marktwirtschaft à la Deutschland.

Doch nicht erst seit Müller-Armack wissen wir, dass nicht erst der Output der sozialen Marktwirtschaft, sondern um sie praktisch zu vollziehen, auch die ihr vorangehenden Prozesse notwendig sind, um das gesamte Umfeld aller „Politiken" im Staate so umzustellen und so zu gestalten, dass es auf den sozialen Output hinwirkt. Im Gefüge einer so sozial strukturierten Herangehensweise oder trivialer: indem man einfach wirklich an die Menschen denkt, könnte man solche Fehler gar nicht (unbewusst) machen und mit optimistischen Prognosen auf die Medien gewissermaßen einprügeln, um den Investitionsglauben mit angenommenem Konsum zu schüren.

Indem Bundeskanzlerin Merkel nun der internationalen Gilde von Wirtschaftsfachleuten die soziale Marktwirtschaft nach deutschem Modell aufzudrücken versucht, begeht sie den gleichen Fehler noch einmal – sie verkennt die Realität und bildet nun die deutsche Sozialblase - plus Gehirnwäsche.

Die prophetischen Kräfte der Konservativen haben im Innern die falsche Wirkung gezeigt und nun schwingt sich Deutschland an die Spitze einer weltweiten pseudosozialistischen Bewegung auf einer erneut fundamental falschen Erkenntniswelle mit splitterfasernacktem mea culpa? Selbstverständlich ist die kleine deutsche CDU nicht für eine globale Wirtschaftskrise verantwortlich. Nur wäre es in der Talsohle überaus anständig, einen umfassenderen politischen Integrationsbegriff zu entwickeln, der auch Fachleute zulässt – und gerade diese – die seit Jahren das schlimme Richtige prognostiziert haben. Immerhin scheinen deren Kriterien zur Bemessung einer mittel- bis langfristigen Entwicklung von Wirtschaft in internationalen Zusammenhängen realistischer zu sein und damit auch ihr Handwerkszeug ausgesuchter, solchen Einschlägen zu begegnen.

Vielleicht wird die Bundesregierung ja noch demokratisch und schafft es, über bloße Personalpolitik und Deutungsgroßmacht hinaus, die zwar deutlich minderheitlichen aber ebenso deutlich richtigen Positionen in ihre Zukunftsplanung einzubeziehen.







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