Ein Schande für die Stadt Kaiserslautern

02.05.08
TopNewsTopNews, Antifaschismus, Rheinland-Pfalz 

 

Keine offizielle Teilnahme und kein Gruß der Stadt an ihre antifaschistischen Bürger

Kaiserslautern (sg) - Am vergangenen Maifeiertag versammelten sich über 800 Bürgerinnen und Bürger der westpfälzischen Stadt und aus dem gesamten Umland, auf dem Philipp-Mees-Platz in Kaiserslautern, um gegen einen geplanten Naziaufmarsch in ihrer Stadt zu demonstrieren. Ein grosser Erfolg für die Veranstalter vom „Bündnis gegen Rechts", dass trotz des Verhaltens der örtlichen Presse, der Stadt und der gleichzeitigen DGB Maifeier auf dem Gelände der Gartenschau so viele Menschen kamen. Gleichzeitig aber auch eine Blamage für den Kaiserslauterrer Stadtrat samt Oberbürgermeister.

Es ist beschämend, dass von den sozialdemokratischen Organisationen nur die Hochschulgruppe der Jungsozialisten den Protestaufruf gegen den Auflauf des braunen Mobs unterschrieben hat. Lediglich ein Vertreter der rheinland-pfälzischen Jungsozialisten (Jusos) ergriff das Wort. Den übrigen Sozialdemokraten muss es offenbar gleichgültig gewesen sein, ob Nazis durch eine Strasse die nach ihrem verjagten und in Buchenwald geschundenen Genossen Rudolf Breitscheid benannt ist, ziehen dürfen oder nicht. Nach der Befreiung war der Dachau-Häftling Philipp Mees Frakionsvorsitzender der Sozialdemokraten im Lautrer Stadtrat. Der gegenwärtige Fraktionsvorsitzende der SPD im Kaiserslauterer Stadtrat hielt es noch nicht einmal für nötig in einer Grußadresse seine Solidarität mit den Bürgern, die sich auf dem Philipp-Mees-Platz versammelten, auszudrücken. Bezeichnend für den Zustand des Stadtrates ist, dass die Vorsitzende Jugendparlamentes sprechen musste, weil ausser den Bündnisgrünen kein einziger Stadtrat anwesend war.

Einer Ordensfrau der Franziskanerinnen war es vorbehalten, die katholischen Blutzeugen des Widerstandes zu ehren, weil auch kein offizieller Vertreter der CDU bereit war auf dem Philipp-Mees-Platz in Kaiserslautern seinen Protest gegen die Nazikundgebung in ein paar Worte zu fassen.

Für die Linkspartei, die nicht im Stadtrat vertreten ist, sprachen James Herrmann und der Bundestagsabgeordnete Alexander Ulrich. Barbara Metzger von den Grünen überbrachte die Grüsse ihres Landesverbandes. Die Schülervertretung des Burggymnasiums protestierte mit selbstgefertigten Transparenten.

Ein Sprecher der VVN-BdA (Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschisten) erinnerte an die aus historischen Gründen bewusst gewählte Proteststrecke. Sie führte durch die Eisenbahnstrasse vorbei an Mac Donalds. Hier stand bis 1938 das Kaufhaus Schweriner, das die Nazis während der Reichsprogromnacht plünderten. Am Synagogenplatz rief ein Vertreter des „Bündnisses gegen Rechts" ins Gedächtnis, dass dieses Mahnmal den städtischen Behörden regelrecht abgetrotzt werden musste. Die Demonstration endete wieder am Philipp-Mees-Platz. Hier bestand die Möglichkeit, wie von der Gartenschau aus, mit einem von der VVN-BdA zur Verfügung gestellten Bus nach Neustadt zu fahren.

Eine ausführliche Nachbetrachtung der Demonstration findet sich unter: http://klgegennazis.blogsport.de/







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