Weltwirtschaftskrise: Angst, Wut, Enttäuschung - "Aufruhr im Osten"

01.03.09
TopNewsTopNews, Wirtschaft, Internationales 

 

Von Reinhold Schramm

In Litauen, Bulgarien und Lettland kam es zu Straßenschlachten zwischen der Polizei und Demonstranten. "Das war nur der Anfang", sagt der Osteuropaexperte des "Peterson Institute for International Economy" in Washington, Anders Aslund. "Wie müssen auch in anderen Ländern mit Massenunruhen rechnen", so Anders Aslund.
Die Arbeitslosigkeit explodiert. In Polen wurden im Januar 160.000 Menschen entlassen, die Arbeitslosenquote liegt (offiziell) bei 10,5 Prozent. In Lettland könnte die Arbeitslosigkeit auf 20 Prozent steigen. Löhne und Gehälter werden radikal gekürzt. In Lettland und Estland kürzte der Staat die Angestelltenbezüge um 10 bis 15 Prozent.
Laut Analyse der "Swedbank": "Die Wirtschaft der baltischen Länder befindet sich in der schwierigsten Situation seit 1991". Und: "Der Tiefpunkt ist noch nicht erreicht."
Nach dem Bericht von Andrzej Rybak in der "FTD", ist die Lage nirgends so explosiv wie in der Ukraine. Die Industrieproduktion ist im Vergleich zum Vorjahr um 34,1 Prozent eingebrochen. Die ukrainische Währung hat seit dem Sommer 2008 rund 46 Prozent an Wert verloren. Die Inflationsrate liegt bei 25 Prozent. Rund zwei Millionen Menschen sind von Entlassungen bedroht. Der Politologe Konstantin Bondarenko sagt: "Wir müssen mit Massenprotesten rechnen, wie sie Anfang der 90er-Jahre in Russland stattgefunden haben". Der Präsident Viktor Juschtschenko warnt: "Das alles kann in einer sozialen Katastrophe enden." [1]

Die Schlagzeile der "Frankfurter Rundschau" zum "Sondergipfel" am 1. März 2009: "Warnung vor Spaltung der EU". Im Text: "Die Staats- und Regierungschefs der 27 EU-Staaten wollen ihre milliardenschweren Konjunkturprogramme abstimmen ...". Die Kritik aus Osteuropa lautet: kleinere Mitgliedstaaten könnten mit den Milliarden-Hilfspaketen der größeren EU-Länder nicht mithalten. [2]

Die "Zeit-Online" berichtet: "Thomas Mirow sagte der französischen Zeitung Le Figaro, die Banken Osteuropas bräuchten möglicherweise bis zu 150 Milliarden Dollar zusätzliches Kapital. Im schlechtesten Fall könnten weiter 200 Milliarden Dollar zur Refinanzierung benötigt werden, um das Risiko eines Bankenzusammenbruchs in der Region abzuwehren." - Und: "Mirow nannte für den schlimmsten Fall eine Summe von mehr als 275 Milliarden Euro". [3]


Quellen: [1] "Financial Times Deutschland (FTD)" vom 27.02.2009: "Aufruhr im Osten" von Andrzej Rybak. Im Internet:
http://www.ftd.de/politik/europa/:Angst-Wut-Entt%E4uschung-Aufruhr-im-Osten/480087.html?p=1
[2] "Frankfurter Rundschau" am 27.02.2009. "Sondergipfel" - Warnung vor Spaltung der EU". Im Internet: http://www.fr-online.de/in_und_ausland/politik/aktuell/?em_cnt=1682700&
[3] "Zeit-Online" am 27.02.2009: "Banken starten Rettungsakt für Osteuropa". Im Internet: http://www.zeit.de/online/2009/10/banken-rettungspaket-osteuropa







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