Abwrackprämie für alle! Nicht nur für Besserverdienende und Autofahrer!

02.03.09
TopNewsTopNews, Umwelt, NRW 

 

Von Wolfgang Huste, Pressesprecher der Ökologischen Plattform NRW

Auch für die Verschrottung von Fahrrädern ist eine staatliche Abwrackprämie zu gewähren, meinetwegen kann der Zuschuss hier auch ein wenig niedriger ausfallen. Andererseits: es werden durchaus auch hochwertige Fahrräder verkauft, die mehr als 2500 Euro kosten. Der ADFC (= Allgemeiner Deutscher Fahrrad Club) hat schon letzte Woche diesen Aspekt aufgegriffen. Nun wird das entsrpechende Ministerium mit Massenmails von Fahrradbesitzern bombardiert, die ihr altes Rad verschrotten lassen wollen, um ein neues kaufen zu können- mittels der Prämie. Das entspricht ja auch der Logik des Gleichheitsgrundsatzes: warum sollen Fahrradfahrer gegenüber den Autofahrern schlechter gestellt werden- obwohl das faktisch seit 1945 die offizielle Politik in Deutschland bzw. in Europa ist (der Individualverkehr wird gegenüber dem Öffentlichen Verkehr eindeutig bevorzugt)? Die Behörde will nun Strafanzeige gegen diejenigen Personen stellen, die für diese e-mail Aktion zuständig sind. Begründung der Behörde: Die e-mail Flut behindert die Arbeit der Beamten, die "wichtigeres" zu tun haben.
Was kann aber in unserer Zeit wichtiger sein, als unsere Lebensgrundlage zu schützen, die Natur, die Gesundheit der Menschen? Profitinteressen dürfen keinesfalls höher angesiedelt werden als die Rettung des ökologischen Geleichgewichtets; beides könnte im Einklang sein- nur nicht innerhalb des Kapitalismus.
Wie ist es mit den Menschen, die ihr Auto verschrotten lassen und sich verpflichten, ein Elektroauto zu kaufen, oder ein Auto, was deutlich weniger als 6 Liter verbraucht, oder ein Hybridfahrzeug? Oder eben- ein Fahrrad? Wie wird es gehandhabt, wenn ich mein Auto verschrotte und nachweislich zukünftig nur noch den öffentlichen Nahverkehr und/oder die Deutsche Bundesbahn benutze (man kann ja die entsprechende Jahreskarte den Ämtern vorlegen)? Die Abwrackprämie ist ein Signal in die völlig falsche Richtung!
Und: Menschen, die in Armut oder an der Armutsgrenze leben, können sich finanziell keinen Neuwagen leisten- mit oder ohne Prämie. Es ist viel sinnvoller, Fahrzeuge zu bauen (falls überhaupt), die sehr langfristig zu fahren sind. Energiefressende Metalle wie Aluminium oder Kunststoffe, die bei der Herstellung als auch bei der Verbrennung toxische Gase in die Umwelt abgeben, dürfen im Autobau nicht mehr verwendet werden - und woanders auch nicht!

Ausserdem wird die Abwrackprämie nur sehr kurzfristig einen positiven (?) Effekt zu Gunsten der Autoindustrie haben- langfristig liegt das Grundübel ganz schlicht an der Tatsache, dass der Markt weitestgehend gesättigt ist und auch nur eine begrenzte Nachfrage nach spritfressenden Neuwagen vorliegt. Neuwagen sind eben zu teuer- und das sollte auch so bleiben, damit die Menschen eher bereit sind, auf den öffentlichen Verkehr umzusteigen. Wenn wir eine Kosten - Nutzen - Analyse bzw. eine Gesamtbilanzierung innerhalb der Autoindustrie vornehmen, dann ist das Ergebnis eindeutig: Wir können uns langfristig den "Dinosausaurier Autoverkehr" ökonomisch als auch ökologisch nicht mehr leisten, er ist weltweit zu einem gefährlichen Luxus geworden. Die hauptsächlich durch den Autoverkehr verursachte Klimakatastrophe und auch die zahlreichen, durch Autoabgase verursachten Krankheiten - manche davon verlaufen sogar tödlich - stellt schon heute eine globalisierte Gefahr ungeheuren Ausmasses dar. Demnach müsste es eine Selbstverständlichkeit sein, dass der öffentliche Verkehr staatlich "gesponsert" und auch weiter ausgebaut wird, statt wie bisher der Individualverkehr. Oder anders: Nehmen wir an, man könnte in Dosen verpackte Hundescheiße aus Vietnam bestens in Deutschland verkaufen und mehrere Tausend Arbeitsplätze wären gefährdet, wenn da die Nachfrage mal einbrechen würde. Tja, Hundescheiße stinkt nur und ist sicherlich so überflüssig wie ein Kropf. Autoabgase sind aber auf Dauer - wie schon gesagt -krankmachend, wenn nicht gar tödlich. Ganz abgesehen von der weltweiten Klimaerwärmung, die bekanntermaßen durch Autoabgase forciert wird und ebenfalls Folgeschäden in Höhe von mehreren Billionen Euro verursacht.

Noch eine kleine Anmerkung zu Opel Deutschland: Der Konzern könnte sich europaweit profilieren, in dem er sich auf langlebige, hochwertige Elektrofahrzeuge und umweltfreundliche Kleinwagen verlegt- in einem Teil der vorhandenen Werkhallen können auch hochwertige Fahrräder mit Elektoantrieb produziert werden (ein Subunternehmer könnte letzteren Part übernehmen, zum Beispiel Bike System in Nordhausen, Thüringen). Auch diese Gedanken und Alternativen sollten wir in den öffentlichen Diskurs einbringen.







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