14. Friedenspolitischer Ratschlag tagt in Kassel


27.11.07
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"Die Neuvermessung der Welt: Rohstoffkriege - Gewalt - Alternativen"

Am kommenden Wochenende (1./2. Dezember) treffen sich Hunderte von Menschen zum jährlichen "Friedenspolitischen Ratschlag", der von der AG Friedensforschung an der Uni Kassel veranstaltet wird. Unterstützt wird die Veranstaltung vom Kasseler Friedensforum und dem "Bundesausschuss Friedensratschlag". Hier treffen sich Aktivistinnen und Aktivisten der Friedensbewegung und anderer sozialer Bewegungen, Friedensforscher/innen und Politiker/innen, um zwei Tage lang über die brennendsten Fragen der Internationalen Beziehungen und der Sicherheitspolitik zu beraten. Worum geht es?

Gegen den Willen der Bevölkerungsmehrheit hat der Deutsche Bundestag vor kurzem die Verlängerung der Bundeswehreinsätze in Afghanistan beschlossen. Der Krieg droht weiter zu eskalieren. Viele fürchten bereits die "Irakisierung" Afghanistans, während in Bezug auf den Irak von dessen "Vietnamisierung" gesprochen wird. Der Nahe Osten, Zentralasien und Afrika sind zum Spielball der USA und der westlichen Großmächte (Japan, "altes Europa") geworden; Russland, China und Indien bringen sich selbst (wieder) als wichtige Akteure der internationalen Politik ins Spiel. Der lateinamerikanische Halbkontinent wehrt sich mit zunehmender Kraft gegen neoliberale Bevormundung. Die Welt scheint neu vermessen zu werden. Aufrüstung, Kriege, Militärinterventionen, Stützpunkte und die Weltraummilitarisierung sind die bedrohliche Begleitmusik dieser Entwicklung.

In vier Plenarveranstaltungen und rund 30 Arbeitsgruppen werden zentrale Aspekte der Weltpolitik, der europäischen und deutschen Außen- undSicherheitspolitik sowie friedenspolitische Alternativen diskutiert. Einen besonderen Raum nehmen die kriegerischen Konflikte in Afghanistan, Irak und im Nahen Osten ein; Vorträge und Workshops über China, Indien, Russland, USA, EU-Europa und Lateinamerika sollen einen Überblick über die widersprüchlichen Interessen und Politikansätze wichtiger weltpolitischer Akteure geben.

Den Auftakt des Friedenspolitischen Ratschlags bilden Vorträge und anschließende Diskussion mit zwei Politikern, die sich zuletzt im Bundestag und in der Partei der Grünen als Gegner des Afghanistan-Einsatzes profiliert haben. Der Hamburger Völkerrechtler Prof. Dr. Norman Paech, der für die LINKE im Bundestag sitzt, und Robert Zion, der die Afghanistan-Debatte auf dem Sonderparteitag der Grünen maßgeblich beeinflusst hat, werden ihre Sicht erläutern und sich gemeinsam der Diskussion über Perspektiven der friedenspolitischer Arbeit innerhalb und außerhalb des Parlaments stellen. Das Afghanistanthema wird am Sonntagvormittag noch einmal im Plenum aufgenommen, wenn der Exil-Afghane Dr. Matin Baraki (Marburg) über sein Land als "Spielball geostrategischer Interessen" referiert.

In einem weiteren Plenarvortrag am Samstagnachmittag spricht Prof. Dr. Jörg Huffschmid (Bremen) über "Die Aggressivität der Finanzmärkte und ihre Bedeutung für die Militarisierung der internationalen Beziehungen", eine Fragestellung, die von der Friedenswissenschaft bislang nicht thematisiert wurde.

Wie aktuell der "Friedensratschlag" auch diesmal ist, zeigt sich an den vielen Arbeitsgruppen vom Samstag und Sonntag. Ausgewiesene Experten befassen sich mit gegenwärtigen Krisenregionen bzw. Kriegsschauplätzen (z.B. Irak, Sudan, israelisch-palästinensischer Konflik) oder vom Krieg bedrohten Regionen (türkisch-kurdischer Konflikt, Iran, Tschad) sowie mit anderen Problemen, die den internationalen Frieden gefährden (Atomwaffen, Raketenrüstung, Militärstützpunke, Klimakatastrophe u.v.a.m.).

Die von der AG Friedensforschung organisierten "Friedensratschläge" haben sich nie als rein akademische Veranstaltungen verstanden. Friedensforschung und Friedenswissenschaft ist nicht wertfrei, sondern bezieht begründet Stellung und versucht Einfluss auf die Politik zu nehmen. Dies verbindet die Wissenschaftler/innen mit den vielen Tagungsteilnehmer/innen, die aus Friedensinitiativen aus dem ganzen Land nach Kassel kommen. "Wissensvermittlung und sich mit den neuesten weltpolitischen Entwicklungen vertraut machen, ist das eine; das andere ist, aus dem Wissen Konsequenzen zu ziehen und sich friedenspolitisch zu engagieren", sagt Kongressorganisator Dr. Peter Strutynski. So kommt es auch nicht von ungefähr, dass von den Kasseler "Ratschlägen" immer wieder wichtige Impulse für die Friedensbewegung ausgegangen sind.

Ein "Schmankerl" besonderer Art hat der Kongress diesmal anzubieten: Für alle Teilnehmer/innen, die bereits am Freitag (30. November) nach Kassel kommen, und für die Kasseler Öffentlichkeit gibt es am Abend (20 Uhr, Aula der eh. Ingenieurschule) eine Kabarettveranstaltung mit der Gruppe "Jontef". "Weiber, Wahnsinn und Dämonen" heißt die musikalisch literarische Revue zum 100. Geburtstag von Literaturnobelpreisträger Isaac B. Singer. Eine Auswahl seiner Texte steht im Mittelpunkt des Programms von Michael Chaim Langer, Schauspieler, Sänger und Pantomime, und Joachim Günther am Klavier. Jiddischer Swing, jüdische Evergreens aus dem New York der 20er und 30er Jahre und Lieder von Georg Kreisler geben dem Programm die besondere Note.

Das aktualisierte Programm zum "Ratschlag" erhalten sie auf der Website der AG Friedensforschung:

http://www.uni-kassel.de/fb5/frieden/rat/2007/programm2007.html

Wir würden uns freuen, wenn Sie über den Kongress berichten und ihn besuchen würden.

Für die AG Friedensforschung:

Peter Strutynski

Kassel, 27. November 2007

Bei Rückfragen:

Tel. 0561/804-2314; mobil: 0160-976 28 972

Veranstalter:

AG Friedensforschung an der Uni Kassel

P. Strutynski, Uni, FB 5, Nora-Platiel-Str. 5, 34109 Kassel;

Tel. 0561/804-2314 (oder 804–2875), FAX 0561/804-3738

E-mail: strutype@uni-kassel.de

www.uni-kassel.de/fb5/frieden


VON: PETER STRUTYNSKI






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