Schulstreik ein voller Erfolg: Mehr als 100.000 auf der Straße


In Hannover ging die Polizei hart gegen SchülerInnen vor; Bild: Indymedia

12.11.08
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Polizei prügelt in Hannover auf Schülerinnen und Schüler ein

Von Edith Bartelmus-Scholich

In 40 deutschen Städten sind mehr als hunderttausend Schülerinnen und Schüler für ein besseres Bildungssystem während der Unterrichtszeit auf die Straße gegangen. Zu dem Schulstreik hatte das Bündnis "schulaction" aufgerufen.   Nach Angaben der Organisatoren beteiligten sich bundesweit rund 125.000 Jugendliche an den Protestaktionen. So demonstrierten etwa in Braunschweig, Bremen und Hannover jeweils rund 8500 Schüler, in Hamburg 6000. In Frankfurt am Main, Kassel und Gießen gingen insgesamt knapp 9000 Schüler auf die Straße, in Stuttgart, München und Kiel jeweils rund 5000.

Mit Blick auf den Bildungsgipfel von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) im Oktober erklärte Niklas Wuchenauer von der Landesschülervertretung Berlin: "Die Politiker haben wieder einmal über die Köpfe von uns Betroffenen hinweg diskutiert." Nun müssten die Schüler ihre Probleme selbst in die Hand nehmen.

Allein in Berlin protestierten rund 10.000 Schüler gegen überfüllte Klassen. In Berliner Gymnasien sind laut der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) im Durchschnitt 28 Schüler in einer Klasse. An Realschulen sind es 27, an den Grundschulen durchschnittlich 24 Kinder pro Klasse. Die Schülerinnen und Schüler fordern Klassengrößen von maximal 20 Schülern, die Abschaffung des Notendrucks und mehr Geld für Lehrmittel  sowie die Abschaffung des dreigliedrigen Schulsystems, das sie für die soziale Spaltung mitverantwortlich machen. Die Polizei sprach von rund 8000 Demonstranten. Tausend Schülerinnen und Schüler stürmten kurzzeitig die Berliner Humboldt-Universität und warfen Bücher und Toilettenpapier aus den Fenstern. Sie verließen das Universitätsgebäude nach rund 20 Minuten wieder.

Auch in Hamburg und in Hannover kam es zu spontanen Abweichungen vom geplanten Demonstrationsablauf. Am Landtag in Hannover zeigten die Demonstrierenden  wie gut sie sich in der Stadt auskennen und umgingen einfach die Bannmeile, um der sichtlich verblüfften Polizei "in den Rücken zu fallen". Leider verhielt sich die Polizei nicht kooperativ und verprügelte nach mehrmaligen Aufforderungen den Platz vor dem Landtag zu räumen minderjährige Schülerinnen und Schüler mit Schlagstöcken. Es gab mehrere Verletzte. Kurz danach wurden Hunderte von Schülerinnen und Schülern, darunter zehnjährige Kinder, zwei Stunden auf dem Opernplatz eingekesselt.

Der bildungspolitische Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion, Patrick Meinhardt, begrüßte die Proteste. Auch die Linke im Bundestag unterstützt den Protest. Es müsse für die Schüler "wie ein Schlag ins Gesicht wirken", wenn Bund und Länder mehrere hundert Milliarden Euro für die Rettung der Banken habe, für kleinere Klassen, mehr Lehrer und den kostenlosen Zugang zu Bildung jedoch kein Geld da sei, erklärte die bildungspolitische Sprecherin der Linksfraktion, Nele Hirsch.

Edith Bartelmus-Scholich, 12.11.08







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