Kohlgraf: Das Gedenken mahnt uns zur aktiven Friedensgestaltung

26.02.20
Rheinland-PfalzRheinland-Pfalz, News 

 

Von pax christi

Stellungnahme des Mainzer Bischofs zum 75. Jahrestag der Zerstörung der Stadt Mainz

Mainz. Der Mainzer Bischof Peter Kohlgraf, der auch Präsident von pax christi Deutschland ist, äußert sich in einer Stellungnahme zum 75. Jahrestag der Zerstörung der Stadt Mainz am 27. Februar 1945. Im Folgenden dokumentieren wir die Stellungnahme im Wortlaut:

„Am 27. Februar jährt sich zum 75. Mal das Gedenken an die Zerstörung der Stadt Mainz im Jahr 1945. In wenigen Minuten sind große Teile der Stadt vernichtet worden, tausende Menschen umgekommen. In den letzten Wochen des Krieges erlebten Menschen in anderen Städten das Gleiche. Im vergangenen Jahr gedachte Darmstadt der Zerstörung, vor kurzem Worms, und es gäbe auch in unserem Bistum Mainz weitere Beispiele zu nennen.

Die Deutschen tragen die Verantwortung für den Ausbruch des Krieges und millionenfachen Mord, die Bombardierung der genannten Städte zeigt aber auch, dass das Böse immer anderes Böses hervorbringt. Krieg ist immer die Ursache von weiterer Gewalt, von Tod, Vertreibung, Armut und Krankheit. Die Folgen des Krieges waren mit dem Ende des Zweiten Weltkrieges nicht abgeschlossen. Die Überlebenden überall waren nicht selten traumatisiert, gezeichnet von Gewalterfahrungen und Leid. Wir wissen heute, dass auch die nachfolgenden Generationen von diesen Erfahrungen beeinflusst wurden: der Frage nach der Schuld, der Tabuisierung vieler Themen in der eigenen Familie, einer Grundtrauer im persönlichen Umfeld. Die Wunden des Krieges sieht man schließlich auch im Stadtbild nicht nur von Mainz.

Das Gedenken mahnt uns zur aktiven Friedensgestaltung. Wir erleben eine wieder zunehmende Aufrüstung weltweit auch mit Hilfe deutscher Waffen. Wir spüren eine wachsende Gewaltbereitschaft, im Denken, Reden und Tun. Jesus erinnert uns daran, dass die Sünde der Gewalt bereits im Denken beginnt, nicht erst im aktiven Schlag gegen einen anderen Menschen. Es gilt also heute, das Christsein auch darin zu zeigen, die Hassparolen und Verachtung bestimmter Gruppen nicht anzunehmen und sich aktiv gegen sie zu stellen. Eine Erziehung zum Frieden muss unsere Familien, Kitas, Schulen und kirchliche Verbände und Vereine auszeichnen. Ein Gedenken zu diesem Jahrestag muss eine Saat des Guten säen helfen. Wie aus Tod und Leid Leben erwachsen kann, macht Jesus am Beispiel des Weizenkorns deutlich, das in die Erde sinken muss, um Frucht zu bringen (vgl. Joh 12,24).

In der Stadt Mainz gibt es einen Ort, an dem mir dies immer wieder deutlich wird Das Kloster der Klarissen-Kapuzinerinnen von der Ewigen Anbetung wurde ebenfalls am 27. Februar 1945 zerstört. Dabei kamen 41 Schwestern ums Leben, betend hatten sie sich in den Gewölbekeller zurückgezogen. Schwester Konrade überlebte als einzige und baute nach dem Krieg das Kloster in der Gymnasiumstraße wieder auf. Bis heute leben und beten die Schwestern dort für den Frieden. Diese Gemeinschaft des Gebets ist für mich bis heute ein Beweis für die Richtigkeit der Worte Jesu: Aus dem Tod entsteht neues Leben, aus der Erfahrung des Krieges entsteht nicht zwangsläufig Rache, sondern das liebende Gebet. So ist das Kloster bis heute eine Ermutigung für uns alle, dem Frieden Raum zu geben. Ich bin allen Menschen dankbar, die sich heute aktiv für den Frieden einsetzen, in Gedanken, Worten und Werken.“

 







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