Replik von Hans-Dieter Wege zum Artikel 'Bedingungsloses Grundeinkommen: Eine notwendige Utopie'

19.07.09
Sozialstaatsdebatte 

 

In sehr vielen Punkten kann man ja dem Verfasser fast uneingeschränkt beitreten, doch enttäuscht mich wieder einmal der nachfolgende Begriff:

UTOPIE?

Sicherlich, der hier vorgeschlagene Betrag eines monatlichen Existenzgeldes ist ganz bestimmt zu hoch gegriffen, zumindest für den Anfang. Außerdem würde dieser Betrag vollkommen außer acht lassen, dass viele Betroffene, die zu Zeit überschuldet sind, aus welchen Gründen auch immer, dann von den Gläubigern zur Kasse gebeten werden können.
Ich würde es allerdings nicht für richtig halten, wenn sich dann Banken o. ä. Unternehmen auf Kosten der Allgemeinheit nochmals ihre Außenstände zurückholen. Und genau das wäre die Folge eines zu hohen Grundeinkommen, welches erheblich über der Pfändungsfreigrenze liegt.

Ein einheitliches Grundeinkommen für jung und alt, welches sich für jede Person individuell an der derzeitigen Pfändungs-Freigrenze orientiert, halte ich für die beste Lösung.

Auch halte ich es nicht für richtig, einfach die 30 Stundenwoche zu fordern oder ja besser gesagt zu empfehlen, da wir ja hier von einem Bedingungslosen Grundeinkommen sprechen. Erst einmal muss die vorhandene Lohnarbeit auf alle erwerbsfähigen und erwerbswilligen Menschen gerecht verteilt werden. Und in dem Moment, wo keine überflüssigen und unnützen Waren mehr produziert werden, dürfte die jährlich notwendige Gesamtlohnarbeit noch einmal ganz gewaltig sinken.
Man sollte daher vorerst nur einmal von notwendigen radikalen Verkürzungen der Lohnarbeit sprechen.

Weiterhin muss der Begriff Arbeit in unserer Gesellschaft anscheinend ganz neu definiert werden. Denn der Mehrwert, den eine Gesellschaft im Jahr durch Lohnarbeit in der Produktion erfolgreich erwirtschaftet, ist ohne die erforderlichen Arbeiten hinsichtlich der Reproduktion, die ja auch das Überleben einer Gesellschaft erst sichert, unmöglich.
Ohne eine erfolgreiche Reproduktion gibt es für die Bevölkerung eines Staates keine Zukunft. Das kann man sich schon allein bei einem Ameisenstaat abschauen.

Richtig finde ich es, wenn der Verfasser auch zusätzliche Mindestlöhne fordert, wobei ich im Zusammenhang mit einem linken BGE nicht die Höhe dieses "Anfangsmindestlohnes" für entscheidend halte, da er ja zusätzlich zum Grundeinkommen in Teilen netto gezahlt werden müßte.
Hier dürfte dann die Nachfrage nach Lohnarbeit von ganz allein die Höhe regulieren. Es dürfte dann im Interesse der Arbeitgeber liegen auch angemessene Löhne zu zahlen um auch gute Arbeitskräfte zu gewinnen.
Auch Kleinstunternehmer u. ä. würden letztendlich durch die eigene Absicherung und die Absicherung eventueller Familienangehöriger gerade über ein BGE dann in die Lage versetzt gute löhne zu zahlen.

Das Bedingungslose Grundeinkommen eine Utopie?

Wenn heute, in einer 38,5 Stundenwoche, ein allein verdienender Familienvater oder auch Mutter von 2 Kindern einen Stundenlohn von über 30 Euro in der Stunde erzielen müßte, selbst bei gezahlten Transferleistungen wie ein zusätzliches Kindergeld usw., würde wohl kaum jemand in diesem Land der Meinung sein, dass eine solche notwendige Bezahlung für die Produktions- und Reproduktionsleistung eine Utopie wäre.

Aber im Prinzip müßte jeder/jede Familie oder Lebensgemeinschaft mit Kindern unabhängig von der Qualifikation einen solchen Lohn erzielen, um die eigene Existenz und damit die erfolgreiche Reproduktion und Zukunft einiger Maßen zu sichern.

Zu dieser dann notwendigen allgemein erforderlichen Lohnhöhe würde dann wohl kaum ein Mensch in Deutschland von einer Utopie reden.

Aber wie hoch müßte dieser Lohn dann mit tatsächlich notwendigen Erwerbsarbeitszeitverkürzungen sein?

Utopisch?

Und wenn man wie der Meinung des Verfassers sein sollte, dass es jede Menge unnütze Güter gibt, die weltweit produziert werden, und auch hier stimme ich mit ihm überein, dann muss man aber auch gleichzeitig eigentlich feststellen, dass es auch viele unnütze ( nur in diesem derzeitigen System) Aufgaben und Verrichtungen gibt, die ausschließlich oftmals unnötiger bürokratischer Natur sind und sogar oftmals zu regelrechten bürokratischen Monstern ausufern. (Viele Ämter und Behörden)
Auch hier könnte man mit einem BGE vieles vereinfachen und unsinnige Erwerbsarbeitsplätze einsparen.

Ich bin daher abschließend der Meinung, dass wenn man von einer Utopie redet, es immer nur darauf ankommt, womit man es überhaupt vergleicht.

Oder soll auch eine erforderliche Realität in Deutschland zur erforderlichen Lohnhöhe auch zur Utopie verkommen?

Mit den asozialen Hartz-Gesetzen sind wir da ja auf dem "besten" Weg!

Deshalb: "Her mit dem Bedingungslosen Grundeinkommen!"


Hans-Dieter Wege


VON: HANS-DIETER WEGE


Bedingungsloses Grundeinkommen: Eine notwendige Utopie - 18-07-09 21:47




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