Die Partei, die Partei, die hat immer recht …

12.09.21
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Von Knarx

Oder: Wie eine Parteiführung, im Verein mit Fraktionskumpels und Apparat, den „Demokratie – Houdini" gibt

Leute, ihr wisst schon, wenn hier Knarx schreibt, biegen sich die Balken vor humorvollen Darstellungen von Sachen, die eigentlich zum Weinen sind. Im weiteren Verlauf hagelt es Analogien, die richtig schlecht sind (biegende Balken als Ausdruck für die Ironie des, als Humor verkleideten Klagens, ist bannig schlecht!) und die Belastbarkeit der Erträglichkeitsgrenze zu akrobatischer Schwerwortartistik wird gnadenlos beansprucht.

Nach dieser Vorbereitung, die eine presserechtliche Jugendschutzerklärung ersetzen soll, nun zur Sache:

Es herrscht Wahlkampf. Das ist eine Tatsache, die sich auf Faktenebene belegen lässt. Aber woran merken das die LINKEN?
Genau: an den, im Zeitablauf sich häufenden Erklärungen anderer Parteien, dass sie nicht regierungsfähig seien. Des Weiteren noch daran, dass ihre Spitzenkandidat:innen sich unverblümt die Sachen aus einem, meistens mit viel Blut, Schweiß und Tränen zusammengerauften Wahlprogramm heraussuchen, die ihren ganz persönlichen Vorstellungen entsprechen – und alles weglassen, was da sonst noch so steht. Manche finden da gar nichts für sich und treten direkt mit einem Gegenprogramm an. Das führte in der Vergangenheit schon mal dazu, dass sich die Gruppe der Angesprochenen verbreiterte. Ist klar, oder? Das ist einerseits gar nicht dumm, andererseits strapaziert es auf die Dauer die Glaubwürdigkeit. Spätestens, wenn die Parolen widersprüchlich werden, zum Beispiel zum Thema Migration, Leitkultur, Nato gut oder Nato böse, oder beides – ihr wisst schon. Ist auch klar.
Und nun ist den Weisen in der Partei endlich eine geniale Lösung eingefallen!

Im Hinterzimmer für wahlkampfstrategische Entscheidungen fand eine Besprechung statt. Da konnten alle teilnehmen, die eingeladen waren. Und die Lösung lautet: Wir reden nur noch über Sachen, in denen wir völlig einig sind!
Das war genial. Gutbürgerlich nennt man sowas Minimalkonsens. Endlich werden wir mal geschlossen wirken. Ein lang gehegter Traum schien kurz vor seiner Verwirklichung zu stehen. Fast! Bevor alle Beteiligten zu einem glücklichen Gesichtsausdruck kamen, gabs jedoch einen schwerwiegenden Einwand einer hier nicht genannten Genoss:in (wann wäre bei LINKEN auch schon mal was schnell gegangen?):
Was ist denn mit den Sachen, wo wir uns einig sind, die aber sPD und GRÜNE für nicht regierungsfähig erklären?“ Und wie das bei LINKEN so ist, kaum sagt jefrau etwas, was gegen eine Einigung sprechen könnte, entsteht im Gehirn der Beteiligten die unzügelbare Lust, sich ausschließlich damit zu befassen. Nach viel Geraune gabs dann doch einen weiterführenden Vorschlag: „Wir werden einfach aus dem, vom Parteitag beschlossenen Wahlprogramm, zur rechten Zeit ein Sofortprogramm machen, in dem die anstößigen Punkte nicht mehr vorkommen.“ Der Genossin, die diesen Vorschlag machte, wurde stürmisch applaudiert. Das fand allgemeine Zustimmung und darauf wurde ein Gläschen Sekt gemeinsam getrunken (auf Wodka wird schon seit geraumer Zeit aus bekannten Gründen verzichtet). Danach verständigte sich die Runde über die Kandidat:innen für mögliche Ministerämter.

Nach dem dritten Gläschen merkte ein Genosse (nix gendern, weil definitiv männlich) an, dass es geschehen könnte, dass die vielen tausend Parteimitglieder, die sich wochenlang am Wahlprogramm zu schaffen gemacht haben, vielleicht nicht so amüsiert über dieses Verfahren zeigen könnten, von den Parteitagsdelegierten ganz zu schweigen. Dieses Problem wurde an die Geschäftsführung überwiesen. Dort entstand die rechte Parole dafür:

„Wir müssen die Polarisierung überwinden“.

Das Zauberwort ist Kooperation. Alle kooperieren mit allen, zum Wohle der Regierungsbeteiligung.

Vorher hatte die Geschäftsführung, im Bemühen um eine gute Lösung, noch extra ein Fachbuch über Kooperation gelesen, in dem folgende Geschichte stand:

Ein Huhn schlug dem Schwein auf seinem Hof ein gemeinsames Geschäft vor. „Was meinst du mit Geschäft?“ fragte das Schwein. Daraufhin das Huhn: „Ganz einfach, wir machen eine Kooperation. Wir eröffnen eine Frühstücksbude, da vorne an der Hauptstraße. Das wird ein Riesengeschäft.“ „Wie meinste das?“ fragte das Schwein (es war etwas schwer von Begriff).

„Na, ganz einfach“ erklärte das Huhn. „Ich liefere die Eier und du den Speck.“ Das Schwein überlegte eine Weile und sagte dann empört: „Aber da gehe ich doch bei drauf!“
„Sag ich doch“, antwortete das Huhn – „Kooperation“.

(ACHTUNG: NÄCHSTER ABSATZ NICHT JUGENDFREI)

Was das Schwein in dem Moment übersah, war die unleugbare Tatsache, dass das Huhn seine eigenen Kinder verhökerte. Letzteres war dem schlauen Huhn klar. Es setzte darauf, dass der Hahn, doof wie er war, schon für Nachschub sorgen würde. Und dem Huhn würde, als kleiner Preis, auf die Dauer nur der Arsch ausleiern.

Ich höre schon die Frage, was das denn mit Demokratie und dem Entfesselungskünstler Houdini zu tun hat?

Leude!!!

Knarx sagt: Das Leben ist trivialer als ihr denkt ????.

 

https://de.wikipedia.org/wiki/Harry_Houdini









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