Es gibt kein "linkes Lager" mit SPD und Grünen

02.04.12
LinksparteidebatteLinksparteidebatte, Saarland, TopNews 

 

von Thies Gleiss via antikapitalistische-linke

in einem Leserbrief an die Junge Welt, dort abgedruckt am 31.3.2012

Nachbetrachtung der Landtagswahl im Saarland

Das ist schon eine bemerkenswerte Analyse zur Saarland-Wahl, »eine Mehrheit links von der Mitte« hätte sich herausgestellt. Die SPD hat im Saarland zum ersten Mal in ihrer Geschichte einen Wahlkampf ausdrücklich mit dem Ziel einer »großen Koalition« mit der CDU geführt.

Laut Umfragen soll eine sehr große Mehrheit der Wähler und Mitglieder der SPD dies gutheißen. Und ein Blick in das Wahlprogramm der SPD bestätigt schließlich: Diese Partei ist nicht links! Wo ist da die Mehrheit »links von der Mitte«?

Ist es nicht eher so, daß die Saarland-Wahl genau wie alle anderen Wahlen der letzten Jahre, und diesmal besonders, aufgezeigt hat, was für ein vom Wunschdenken einer bestimmten Art von Wahlforschern gelenkter Schwachsinn die »Lagertheorie« ist, nach der SPD, Grüne und Linke in einer Art von privilegiertem Block wären, der über den Tag und Wahltag hinaus Bestand hätte?

SPD und Grüne wechseln ihre Regierungsoptionen und »Lager« nach tages- und machtpolitischen Opportunitäten. Keine Spur von einem Lager. Gemeinsamer Gegner und lustvoll Ausgegrenzte ist allein die Linke. Wahlpolitisch bedeutet dies, die Linke gewinnt auf Kosten der SPD. Auch das zeigen die Zahlen aus Saarbrücken. Will die Linke wieder Oberwasser und Ausstrahlung erhalten, dann muß sie sich dieser Tatsache bewußt sein – und die SPD wird noch viel mehr bluten.

Letztlich zeigt das überdurchschnittliche Ergebnis der Saar-Linken, daß die besondere Note der »Oskar-Wahl« zwei Ursachen hat:
Erstens verfügt Oskar offensichtlich noch immer über eine ansehnliche Schar von 'Königstreuen' (von denen die Rest-Linke nicht viel haben wird) und zweitens, und viel wichtiger, wird Oskar gewählt, weil er mehr als jeder andere Linke als Person gerade für den Bruch mit der unsäglichen Sozialdemokratie steht.

Am besonderen Fleiß und Charakter des saarländischen Linke-Landesverbandes liegt es nicht (Insider würden sagen: daran schon gar nicht) und an einem saarländischen Lager links von irgendwas auch nicht.

Es gibt ja demnächst noch weitere Wahlen, und die Linke wäre gut beraten – will sie nicht an Langweiligkeit sterben –, sich überall schnellstens von den Resten dieser Lagertheorie zu verabschieden.

http://www.antikapitalistische-linke.de/article/481.saar.html

 


VON: THIES GLEISS






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