Wir schreiben den 22. Mai. Ein historisches Datum? Wer weiß…

22.05.12
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von Dirk Scholl

An jenem Tag des Jahres 1809 ereignete sich jedenfalls folgende interessante Randnotiz der Geschichte: „In der zweitägigen Schlacht bei Aspern nahe Wien sinkt Napoleon Bonapartes Nimbus der Unüberwindbarkeit seiner Truppen dahin. Die Österreicher unter Erzherzog Karl gewinnen die Schlacht des Fünften Koalitionskrieges…“
(Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/22._Mai)

An jenem Tag des Jahres 2012 ereignete sich sodann folgende nicht minder interessante Randnotiz der Geschichte: „In einer einwöchigen Schlacht rund um Berlin sinkt der Unüberwindbarkeitsnimbus des „Saar-Napoleons“. Die Ossis unter Dietmar Bartsch gewinnen die Schlacht um den Parteivorsitz…“ Oder doch nur vorläufig!?

Lafontaines persönliche Erklärung im Wortlaut:


„Nachdem ich seit über einem Jahr von vielen immer wieder öffentlich aufgefordert worden bin, noch einmal für Spitzenfunktionen der Partei Die Linke zu kandidieren, habe ich am vergangenen Montag dem geschäftsführenden Parteivorstand und den Landesvorsitzenden meine Bereitschaft erklärt, wieder die Aufgabe des Parteivorsitzenden und des Spitzenkandidaten für die Bundestagswahl zu übernehmen.
Mein Beweggrund war, Die Linke in einer für sie sehr schwierigen Situation nicht im Stich zu lassen. Ich habe für dieses Angebot aus Ost und West sehr viel Unterstützung erhalten, für die ich dankbar bin. Ich habe allerdings zur Kenntnis nehmen müssen, dass meine Bereitschaft nicht zu einer Befriedung der innerparteilichen Auseinandersetzung geführt hat, sondern dass die Konflikte weiter eskaliert sind.

Das ist kein Umfeld, in dem ich mich in der Lage sehe dazu beizutragen, dass Die Linke wieder eine starke bundespolitische Kraft wird. Daher bin ich zu dem Schluss gekommen, dass nur ein passender Neuanfang jenseits der bisherigen Konfrontationslinien die derzeitige festgefahrene Situation überwinden kann. Ich ziehe daher mein Angebot, wieder bundespolitische Aufgaben zu übernehmen, zurück, um einen solchen Neuanfang zu ermöglichen.“
(Quelle: http://www.focus.de/politik/deutschland/linkspartei-oskar-lafontaine-verzichtet-auf-kandidatur-fuer-vorsitz_aid_756653.html)

Das klingt doch nach dem Rückzieher einer beleidigten Leberwurst. So verhält sich manches Kindergartenkind, wenn es ein Spielzeug nicht ohne Gegenwehr bekommt. Aber diese „persönliche Erklärung“ ist doch noch eine Spur perfider. Hier schwingt ein unerträgliches Pathos mit, das sich ein selbsternannter Heilsbringer immer wieder gerne selbst zubilligt. Da ist der „selbstlose Helfer“, der sich „bereit erklärt, Die Linke in einer für sie sehr schwierigen Situation nicht im Stich zu lassen.“ Wie edel! Weil der „böse Dietmar“ auch gerne das Spielzeug hätte und er sich „eine Kampfkandidatur nicht mehr antun möchte“, will der „rote“ Unschuldsengel jetzt natürlich aus purer Uneigennützigkeit „einen Neuanfang ermöglichen“. Wie geht es Ihnen dabei? Kommt Ihnen da nicht auch postkarnevalistisch der Sahnehering vom Aschermittwoch hoch?

Und wie sagte einst doch so selbstentlarvend und gleichermaßen treffend Konrad Adenauer: „Was interessiert mich mein Geschwätz von gestern.“ Wir blicken einmal zurück in die jüngere Geschichte, genauer gesagt in den November des Jahres 1995: „Die SPD hat in einer dramatischen Kampfabstimmung einen neuen Parteivorsitzenden gewählt. Auf dem Mannheimer Bundesparteitag unterlag der bisherige Amtsinhaber Rudolf Scharping gestern seinem Stellvertreter Oskar Lafontaine. Für Scharping stimmten 190 Delegierte, Lafontaine erhielt 321 Stimmen, zwei Delegierte enthielten sich. Lafontaine nahm die Wahl an.“

(Quelle: http://www.welt.de/print-welt/article663950/Oskar-Lafontaine-stuerzt-Scharping.html)

Wen würde es angesichts derartig imponierender Erfahrungen im Konkurrenten-Dashing wirklich wundern, wenn wir am 01./02. Juni 2012 Ähnliches in der Göttinger Lokhalle erleben dürften. Das „Zugpferd“ und Bundesdelegierte Oskar käme plötzlich dampfschnaubend wieder in Fahrt und schwups: „Was interessiert mich mein Geschwätz von gestern.“ Fraglich jedoch, ob Dietmar Bartsch oder gar ein Dritter gleichermaßen abfallen würde wie der „Radfahrer“ Scharping.

Wir werden sehen, ob Oskar tatsächlich „verzichtet“. Schließlich war er ja schon des Öfteren für eine Überraschung gut. Nur leider waren diese Überraschungen sehr selten gut…

Auch zu lesen unter
www.dierotesaar.12see.de





VON: DIRK SCHOLL






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