An "Bremer" zu "Warum DIE LINKE scheitern muss"

19.10.12
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von Anton Holberg

Hallo "Bremer",

1. ich habe nicht auf Deinen Beitrag geant- wortet, sondern auf den von Klaus Horn, oder - um es genauer zu sagen: ich habe den Beitrag von Klaus Horn nur am Rand beantwortet und ihn stattdessen nur als Aufhänger für einen eigenen Beitrag genommen.

2. Ich glaube nicht, dass es viel Sinn macht, im Sinne meiner Thesen einen grund- legenden Unterschied zwischen der Behandlung der im Kern linkssozialdemokratischen PDL und "revolutionärer Massenparteien" zu machen. Eine "revolutionäre Massenpartei" gibt es zumindest in der BRD nicht und nicht einmal die einer solchen notwendigerweise vorausgehenden Kaderpartei, die diesen Namen verdiente.

Der Hauptgrund dafür ist m.E. nicht etwa die programmatische Unzulänglichkeit oder gar der "Verrat" bestehender linker Gruppen, sondern die Situation des Klassenkampfes. Die hat natürlich auch mit der historischer Erfahrung der Klasse mit ihren wirklichen oder auch nur selbsternannten Avantgarden zu tun. Aber diese historischen Erfahrungen sind allemal durch das aus den Gesetzen der Produktionsweise abgeleitete "notwendige falsche Bewusstsein" gebrochen, das in der Arbeiterklasse normalerweise vorherrscht.

3. Selbstredend ist der Marxismus kein "Revolutionskochbuch". In diesem Sinn ist z.B. auch der Begriff "orthodoxer" Marxismus ein Widerspruch in sich selbst. Der Marxismus erhebt, m.E. zu Recht, den Anspruch, das Handwerkszeug in die Hand zu geben, um im Interesse der ausgebeuteten und unterdrückten Klassen der kapitalistischen Gesell- schaft und schließlich der Menschheit insgesamt diese Gesellschaft in ihrer jeweiligen Verfassung zu analysieren, die Voraussetzung dafür, dass man sie grundlegend verändern kann. Dass sich Marx notwendigerweise auf Erfahrungen des 19. Jahr- hunderts bezog, ist ebenso offensichtlich wie unvermeidlich aber durchaus kein Grund, den Marxismus für das 21. Jahrhundert nicht zu nutzen.

4. Wenn die PDL, wie Du richtig betonst, keine revolutionäre (im Sinne der prole- tarischen Revolution aber auch jeder anderen abstrakt vorstellbaren) Partei ist, stellt sich die Frage, welche Bedeutung sie in einer Welt haben kann, die unbedingt des revolutionären Bruchs bedarf, um nicht überhaupt in Barbarei zu versinken. Ich muss gestehen, dass ich mir da noch recht unschlüssig bin. In der Vergangenheit habe ich die These vertreten, dass der Reformismus kein "unzureichender" Schritt auf dem Weg zum revolutionären Denken sei, sondern eine Barriere.

Das ist abstrakt immer noch richtig, aber was bedeutet es, wenn es de facto gar keine revolutionäre Alternative gibt, also keine revolutionäre Organisation, die in relevanten Teilen der - potentiell - revolutionären (Arbeiter-)Klasse verankert ist?

Grob gesagt: soll man lieber einstweilen den Spatz in der Hand behalten statt mit leeren Händen auf die Taube zu warten, die auf dem Dach sitzt - wohl wissend, dass die Botschaft der Revolution nur von der Taube transportiert werden kann?

5. "Stalinismus" bedeutet für mich im Trotzkischen Sinn nicht nur eine undemokratische und repressive Herrschaftsform auf der Basis verstaatlichen Eigentums, sondern die Ideologie eines nationalen "Sozialismus", der folglich keiner sein kann, auf der Basis des konservativen Herrschaftsanspruchs der aus einer proletarischen Revolution (der Oktoberrevevolution) hervorgegangen, diese aber in ihrem Kern negierenden bürokra- tischen Kaste (aus der für mich in den späten 30er Jahren schließlich eine staatskapital- istische Klasse wurde). Da ich die Ideologie meine, fällt unter den Begriff "stalinistisch" auch der politische Horizont der Kräfte, die diese Ideologie teilen, ohne ihrerseits sozial auf einer einstmals erfolgreichen proletarischen Revolution zu fußen.

Dazu gehören ebenso die herrschenden Parteien in Ländern wie China, Vietnam, oder den im Zuge des Sieges der Roten Armee errichteten ost- und mitteleuropäischen "Volksdemokratien" wie die entsprechenden Parteien im privatkapitalistischen Westen.

Gruß  Anton

https://de.wikipedia.org/wiki/Anarchist_Cookbook
http://www.anarchistcookbook.com

 

 


VON: ANTON HOLBERG






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