An den Verfasser von „Warum DIE LINKE scheitern muß“

14.10.12
LinksparteidebatteLinksparteidebatte, Sozialismusdebatte, TopNews 

 

von Klaus Horn

Obwohl ich mich deutlich und inhaltlich über- einstimmend mit dem Verfasser zum Beitrag in aller Kürze geäußert hatte, habe ich im Nach- hinein eine Frage an ihn.
Diese berührt etwas Grundsätzliches. Nämlich:
Hatte und hat eine linke Partei – beginnend mit Spartakus 1916  - jemals in Deutschland die Aussicht, vom Volk getragen zu werden und damit beauftragt zur Führung einer sozial- istischen, oder demokratisch sozialistischen Gesellschaft?

Denn das ist doch das Ziel, welches auch „scharf -links“ verfolgt. Oder etwa nicht? Damit spitzt sich meine Frage zu auf, ob linke Fehler in der Vergangenheit sehr ausschlaggebend waren für gesellschaftliche Mißerfolge:

(a) u.a. Sozialfaschismus, letzte und einzige Wahlen 1946 zu den Landtagen in der SBZ, Partei neuen Typus und ihre Alleinherrschaft bis 1989, 1952 Aufbau des Sozialismus ohne das Volk zu befragen, Republikflucht...etc. ...Herbst 89 und

b) die im Beitrag Angemerkten und scharf Kritisierten von etwas Geschichte über Pfründewirtschaft und mangelnde Transparenz bis Fazit ).

Ein Anliegen

Mich würde interessieren, wie sich der Verfasser des ernst zu nehmenden „Untergangsbeitrags“ dazu äußern würde. Mit dem Sozialismus scheint irgendetwas nicht zu stimmen. Über ihn sollte man nicht den Menschen vergessen. Der ist, laut Mark Twain „eine interessante und seltsame Erfindung“. Das sollte aber dann ausdrücklich keine Entschuldigung für schlechte Wahlergebnisse und das nichtzufriedenstellende Ankommen oder Echo im Volk durch das „Wirken“ der DIE LINKE sein!

Los geht´s.

Bleiben wir nur in Deutschland, dann erkennt man durchaus Grenzen für die Nichtaufnahme linken Gedankenguts durch den deutschen Bürger. Dazu gehören kurzgefasst:

  • Die Seele des Michel´, von Sebastian Franck 1542 entdeckt als ein sich veränderndes Symbol durch die Jahrhunderte bis hin zum Untertan, Oberlehrer, Radfahrer, preußischer Leutnant, Goldfasan, Blockflöte, Betonkopf, Wendehals...(In anderen Ländern gibt es den 'uncle sam', die 'Marianne', den 'John Bull').

Für eine Konsultation eignen sich auch Heinrich Heine, Wilhelm Busch, Erich Mühsam, Kurt Tucholsky, Erich Kästner...  

  • Eine nicht unbedeutende Rolle spielt auch der Gartenzwerg (2003 gab es in Chemnitz einen Gartenzwerg-Kongreß) und überhaupt die „20 Heiligen Kühe der Deutschen“. Vom deutschen Wald über die Rindsroulade und das Wort zum Sonntag bis zu den Hummelfiguren.       
  • Das sich nach dem 18. Januar 1871 entwickelnde Deutschtum, begleitet von saftigen Sprüchen eines Wilhelm II; Lassalle, Arbeiteraristokratie, der Burgfrieden der Sozialdemokratie nach Bebels Tod; der Prolet zog mit Blumen am Gewehr für 4 Jahre in den Tod...“Jeder Stoß ein Franzos!“;
  • Der Umgang von Noske und Ebert mit der Novemberrevolution; misslungene Aufstände im Ruhrgebiet, Bayern, Mitteldeutschland, Hamburg;
  • keine Aktionseinheit trotz „Wer Hindenburg wählt Hitler, wer...“, Überlaufen ganzer 'Rot-Front'-Bataillone in die SA;  
  • „Ein Volk - ein Reich - ein Führer"; Volkswagen, KDF, Autobahn, BDM, HJ, Kristallnacht, Wehrhoheit!, „Heim ins Reich“, Blitzsiege...
  • Denunziantentum, durchhalten um jeden Preis, Wehrwolf, Volkssturm...trotz leider begrenzt bleibender antifaschistischer Aktivitäten „Rote Kapelle“ etc. und vieler mahnender Worte von Deutschen aus dem Exil über BBC: Thomas Mann;
  • und danach gab es 1945 plötzlich keine Nazis mehr. Auch Jürgen Kuczynski in seinen  „Memoiren“ über seine Fahrt durch Deutschland...      

Es begann die bekannte unterschiedliche Entwicklung in West- und Ostdeutschland...

Ostdeutschland, wirtschaftlich im Nachteil, musste außerdem Fertigwerden mit einer maßlose Hetze gegen die Zone, die Russen!, Spalterflagge und -hymne, der Anziehungskraft des Wirtschaftswunders, KPD-Verbot, mit Verwandten Hüben und Drüben, Landsmannschaften, Brüdern und Schwestern, „Macht das Tor auf!“...

Ähnlichkeit mit einer Komödie oder den inneren Zustand der Partei hatte, dass die Entwicklung in der DDR letztendlich dazu führte, dass Erich und Margot mit ihren zwei Koffern kein Wohnungsangebot erhielten von ihren Mitgliedern des Politbüros, des ZK, des Staatsrates, von der Generalität der NVA, von den Mitarbeitern des Volksbildungsministeriums... Eine Pfarrersfamilie nahm sie auf. Danach schloß sich für einen „Helden der Sowjetunion“ an das Trauerspiel mit zwei ´Kommunisten´: Gorbatschov und Jelzin...

Das alles und der Zusammenbruch des sozialistischen Lagers samt Warschauer Vertrag und RGW, fast gleichzeitig von der Elbe bis nach Wladiwostok, die Auflösung der UdSSR, das Verbot der KPdSU...die Wiedervereinnahmung der DDR mit des Ostvolkes Ruf „Helmut, nimm uns an die Hand“ musste tiefe Spuren bei den Linken im Herbst 1989 und danach in den neuen Ländern hinterlassen. Das mussten sie erst verkraften.      

Ebenso, dass die Regierungen von Kohl, Schröder und Merkel nahezu alle ihre politischen Ziele und Anliegen bis heute durchsetzen konnten und diese von den Bürgern geschluckt wurden. Vom „Volks“benzin bis zu den Schirmen und dem Fiskalpakt mit der Aussicht auf eine Rentnerarmut. Rund um die Uhr begleitet von TV-Historys über Eva Braun, die Gustlow, Vertriebene, Adolfs Kriege - bei denen nur unklar bleibt, wer die Waffen wohl herstellte und dann natürlich die 60-jährige BILD.

Zurück zum Michel.

Der Heutige fühlt sich wohl beim Musikantenstadl, der „Goldenen Henne“, Formel 1, Bundesliga, Ballermann, im Traumschiff und -hotel, längst des roten Promiteppichs für Bambis, die Goldene Kamera, das Echo...zu stehen; die x-te Auflage von James Bond zu betrachten. Warum auch nicht? Schließlich ist er Weltmeister, Pabst, Lena und seit kurzem Friedensnobelpreisträger! Er steht an bei Sex- und Bestattungsmessen unter „Urne to go!“.

Uns Michel nimmt inzwischen am siebten Nationalfeiertag mit fünf Nationalhymnen teil: Sedantag, Wilhelm II Geburtstag, Tag der Verfassung ab 1919, Tag der nationalen Arbeit, 17. Juni, 7.Oktober und 3. Oktober. Das macht dem Michel so schnell keine andere Nation nach. Die größte Ehre erwies am 3.Oktober in München Horst Seehofer dem ostdeutschen Michel, den er rückwirkend als sehr mutig einschätzte und sich dafür bei ihm im Namen der ganzen Nation artig bedankte. Bald hat uns Michel ein Einheitsdenkmal in Berlin, die Obstschale, oder Wippe, oder Schaukel.   

Bei der letzten Bundestagswahl im Herbst 2009 hielten sich von 62,2 Mio gleich 18,16 Mio fern der Wahl. „Seid einig, einig, einig“ übten gleich 23 Parteien und im Ergebnis werden wir regiert von 20,975 Mio Bürgern, die die Koalition von CDU, CSU und FDP wählten.

Bert Brecht : „Aber da hatte ich doch schon wieder richtig getippt. Erst kommt das Fressen und dann die Moral!“  Und Erich Mühsam steuert dazu bei das von „War einmal ein Revoluzzer...“

Unter dem Strich:

Ein Linker hatte es im Herbst gar nicht leicht und 23 Jahre danach immer noch nicht. Zum einen befindet sich in ihm ein Stückchen von der deutschen Seele, das ist die seit 1542...Dann muß er immer fast die gleichen Fragen beantworten, nämlich die über das Böse bis zum 9.November. Schwerer hat er es nur, wenn er sein Programm erklären möchte und wie man mit NICHTDIELINKEN zum demokratischen Sozialismus gelangt.

Ganz besonders schwer hat unser Linker es dann, wenn er das beantworten muß, was der / die der Redaktion Bekannte über die Gründe geschrieben hat „Warum DIE LINKE scheitern muß“.

Denn das darf nun mal und in diesem Umfang nach den Ereignissen und Lehren aus der Vergangenheit wirklich der DIE LINKE  nicht mehr passieren.

Mit solidarischem Gruß
Klaus Horn

P.S.: Ich blieb weit unter den 6 Seiten zur Linksparteidebatte von dem Bekannten und bremste mich ab...

https://de.wikipedia.org/wiki/Deutscher_Michel
http://www.listenlittleman.com
https://satyamnitya.wordpress.com/2011/04/13/wilhelm-reich-hor-zu-kleiner-mann
http://www.orgon.de/kap19.htm
http://www.scharf-links.de/266.0.html?&tx_ttnews[tt_news]=24486&cHash=8b4223d2a0

 


VON: KLAUS HORN


An den Verfasser Klaus Horn zur Replik von "Warum DIE LINKE scheitern muß" - 18-10-12 21:48
An den Verfasser Klaus Horn zur Replik von „Warum DIE LINKE scheitern muß“  - 17-10-12 20:54
Replik auf den Beitrag von Klaus Horn zu "Warum Die Linke scheitern muss" - 15-10-12 20:19
Warum DIE LINKE scheitern muss  - 12-10-12 22:56




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