Völlig falsch verstandener Laizismus

09.11.13
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Von Ralf Michalowski

Gerade hatte der Himmel uns den Limburger Bischof geschickt, da betritt ein Elefant den säkularen Porzellanladen und haut sprichwörtlich mit dem A... alles wieder um, was mühsam hergerichtet war. Der Landessprecher der NRW-Linken hat dem linken Laizismus einen Bärendienst erwiesen. In der Vergangenheit wurde häufig versucht laizistische Anträge abzublocken und nun wird die Umbenennung des St. Martin-Festes verlangt. Als ich im Urlaub über Facebook davon erfuhr, dachte ich mich tritt ein Esel. Begründet wurde das dann auch noch mit den laizistischen Positionen der Partei DIE LINKE. Falscher kann man Beschlüsse - absichtlich oder versehentlich - nun wirklich nicht auslegen.

Dass es viel zu wenige religionsfreie Räume gibt ist unbestritten. Eltern, die mit Religion nichts am Hut haben und diese Position in die nächste Generation tradieren wollen, müssen Gelegenheit dazu haben. Es muss für alle die Möglichkeit bestehen, Kinder in KITAs zu schicken in denen keine religiösen Unterweisungen stattfinden. Genau so, wie religiöse Eltern ein passendes Angebot für ihre Kinder finden können müssen. Das ist besonders bei nichtreligiösen Menschen nicht immer der Fall und daran muss sich etwas ändern.

Warum man aber gleich religiöse Feiern, wie St. Martin umbenennen will, bleibt ein Rätsel. Viele katholische Symbole haben einen germanischen Hintergrund und wurden christianisiert um Akzeptanz für das Christentum zu fördern. Der Weihnachtsbaum und der Osterhase gehören auch dazu. Das war schon damals eine clevere Verfahrensweise. Doch 1.500 Jahre später scheint es einen Rückschritt im taktisch richtigen Verhalten zu geben.

Richtig ist, dass wir staatliche KITAs und Schulen wollen, in denen über Religionen informiert wird, aber keine religiöse Unterweisung (Beten) stattfindet. Auch wollen wir Auswüchse wie das "Einsegnen" öffentlicher Gebäude (z.B. das Gladbecker Rathaus) verhindern. Wir wollen nicht, dass der Finanzmoloch Kirche überall seine staatlich finanzierten Finger rein steckt.
Beispiel: Militärseelsorge! Dafür zahlt der Staat jährlich mindestens 30 Mio. Euro. Das wollen wir ändern! Militärseelsorge ja, aber aus Kirchensteuermitteln finanziert. Dann wird die Kirche keinen Cent dafür investieren, denn nach eine Studie der Bundeswehr nehmen nur 1 % der Soldaten mit Gesprächbedarf dieses staatlich finanzierte "Seelsorgerische Angebot" in Anspruch.

Es gibt zig gut nachvollziehbare laizistische Forderungen, die wie die Abschaffung der staatlich finanzierten Militärseelsorge auch Unterstützung von Mitgliedern der christlichen Kirchen finden. Es gibt dazu sogar innerkirchliche Initiativen. Die öffentliche Meinung bewegt sich weg von der Sympathiehoheit für die Kirchen. Das wurde jetzt ohne Not in Gefahr gebracht. Ich hoffe, dass dieser "Ausrutscher" bei vielen das Bewußtsein für den Laizismus und die Trennung von Kirche und Staat geschärft hat.

Für alle, die sich (noch)einmal mit unseren Forderungen auseinandersetzen wollen hier der Link zu den laizistischen Forderungen im Bundestagswahlprogramm der LINKEN: http://miniurl.com/ikWK



Sagels Desaster - 07-11-13 21:05




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