Lieber Jakob Reis, was glaubst Du denn, wo wir leben?

23.08.10
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von Caspar - B. Wolff

Nun zeihst Du mich eines „als Briefchen getarnten Referates“, das dazu auch noch „einseitig“ und „lobhudelnd“ für den K.E. ist. Dabei hatte ich mich doch so klar ausgedrückt.

Ich wiederhole also, bevor ich einer vorsätzlichen Uneinsichtigkeit zum Opfer falle.

1. Du verlangtest Position,
    ich beziehe sie.

2. Weder Ernst noch Voß liegen mir „persönlich“
    (als lobhudelnd) am Herzen.

3. Freilich ist das Briefchen einseitig, wären wir einer Meinung,
    bedürfte es 'Scharf-Links' nicht.

4. Eine Linksentwicklung der Gesellschaft ist, soweit
    sie wünschenswert ist, nicht zwangsläufig an eine
    Meinungsvereinheitlichung gebunden.

Die Frage zu Drittens und Letztens wäre nun, ob es so schön wäre, wenn die Einheit herrschte und die Medien lediglich Vermittler der zentral vereinheitlichten Meinung wären. Ich kenne das zur Genüge und möchte auch in Zukunft darauf verzichten. Nichts desto trotz abverlangt man mir (und sicher auch uns) diese Gesellschaftsform gehörige Bekundungen ab, um das alles zu verkraften, was hier gespielt wird.

Kommen wir zum wichtigsten Teil der Kritik – dem „Knüller“.

Indem Du den als solchen ausgemacht hast, und er stand ja am Ende des Briefleins, könntest Du da gar nicht so falsch liegen. Ich möchte Dir dazu ein paar Dinge darlegen, die mich so umtreiben und die, wie ich weiß, auch Eure Spitzenkräfte bewegen. Nur darauf möchte vorher ich noch hinweisen:

Ich meine es wirklich ernst und bitte daher auch darum, nicht deswegen projizierend verurteilt zu werden, weil Du allerbeste Satire lieferst.
Wenn Du glaubst, ich mache Witze, dann irrst Du. Ich will es verkürzen, um nicht allzu viel Datenmenge im Sparzeitalter zu verbrauchen.

Die Sauberkeit von Geld

Also reduziere ich meine Ansicht darauf, dass es sauberes Geld und nicht sauberes Geld gibt. Das gegenwärtig irgendwo verschluderte Geld in der Wirtschaft ist selten richtig sauber, aber die Bemühungen der weißen Ritter nehmen zu, wie auch die Entwicklung der ökologischen Banken in den vergangenen Monaten zeigt. Es wird an dieser Stelle selten hinterfragt, ob so ein sauberer Bankmanager nun ein angemessenes Gehalt bekommt oder nicht. Jedenfalls werden deren Boni von hier aus wenig ins Visier genommen.

Ebenso verhält es sich mit Parteien, nehme ich an. Die Gehälter der SPD, der Grünen stehen nicht im Lichte der Öffentlichkeit und nicht wenige Grüne sitzen in trächtigen Räten. Ich nenne das aber nicht mehr „abkassieren“, weil mir bewusst ist, dass auch in zwanzig Jahren das Geld nicht abgeschafft ist. Ich nehme daher weiter an, dass wir damit leben müssen, dass der Schmierstoff bleibt – man kann ihn nur veredeln und aus der öligen Tunke ein etwas klareres Mittel gewinnen. Mancher versucht es mit Regionalwährung, andere wiederum „ökologisieren“ Fonds und nicht zuletzt wäre es – bei anhaltender Existenz von Geld – gar nicht so falsch, dem Geklimper eine Ideologie zu verpassen.

Damit wären wir näher dran. Ernst ist ein Linker, was nun zu bestreiten recht schwer fallen dürfte, da ich mir hier jede Menge Zitate ersparen kann, die daraufhin deuten, dass es so ist. Gysi, Lafontaine, dein Kreisvorsitzender, mein (ehemaliger) Kreisvorsitzender, die Landesgranden – alle bekommen für ihr Tun eine Aufwandsentschädigung und völlig berechtigt fordern Niedriglöhner höhere Löhne, Aufstocker mehr Hartz oder Lohn und Arbeitslose mehr Hartz IV.
Über das Verhältnis untereinander und die Diskussion übereinander wäre an anderer Stelle zu sprechen und das geschieht auch. Nun wären wir doch aber Narren, wenn wir die höheren Einkünfte drosseln und an die niedrigen Einkünfte anpassen würden. Für so etwas gibt es Steuern. Verteilung hin, Verteilung her – auch das wird zu diskutieren sein.
Das lenkt aber nicht davon ab, dass ein Linker (Ernst) einen Linken (Voß) qua Macht und Einfluss protegieren kann.
Und nicht nur das! Es sollte eine völlig offene Kultur auch in der Linken geben, sich nach oben zu bewegen und die ökonomischen Weihen der Steigrate mitzunehmen.
Gute Arbeit – guter Lohn. Ausgezeichnete Arbeit – ausgezeichneter Lohn.
Wie blöd sieht denn das aus, wenn alle Menschen im Kapitalismus (eine Mehrheit garantiere ich) nach Geld streben und nur DIE LINKE. splittet sich in welche, die es nehmen und welche, die es nicht nehmen "dürfen".
Nur wenige Jahre bräuchte es, bis wieder ein paar aus dem Nest fallen, abgeschlafft, geschunden, resigniert – müde vom herumamteln in irgendwelchen Hamsterrädern, die Familie weg gerannt und so weiter und so weiter.

Du kennst das sicher. Für nichts und wieder nichts. Denen „unten“ erzählt man, sie seien gierig und die „oben“ sind selig. Das ist es nicht. Voß, so wie viele Andere in Eurem Laden haben etwas zu bieten und sie bieten es teils kostenlos, teils zu niedrigem Honorar oder gegen Entschädigung an.
Der Hebel setzt dort an, wo man seine Arbeit als ehrbar auffasst, sie als ehrlich und nutzbringend versteht. Bei all dem, was ich hier und anderswo darüber lese, kann ich doch zu keiner anderen Auffassung kommen, als dass der linke und ökologische Bereich gerade sehr „ehrbar“ ist, weil er für Aufklärung sorgt und einen Wandel zum Menschlichen verlangt. Ich stimme dem, soweit öffentlich sichtbar, zu.

Aber es wird noch unkomplizierter. Wenn das alles so ist, dann stellt sich doch weder „oben“ noch „unten“ die Frage nach Korruption oder „Kauf“ des Betreffenden. Das gälte nur für den Fall, dass er etwas zu vertuschen hätte oder Teil einer größeren Verschwörung wäre. Diese „Verschwörung“ aber schließt den Kreis, dem wir alle selbst angehören, indem wir die Binnenwirtschaft ankurbeln oder eben „kaufen“.
Da nun wieder ist es nicht korrupt?

Ich schließe damit, dass hier nochmals verstetige, dass Ulrich Voß nun Klaus Ernst die Tür öffnen sollte, wenn er klopft. Ob er es nun tut, bleibt seiner Weisheit als Parteichef überlassen. Ein weiterer Kleinkrieg der Parteispitze gegen Voß, wie ebenso der Mantel der Ignoranz mit kleinsten Messerstichen gegen Klaus Ernst im „Oben“ könnten einen dramatischen Ausgang nehmen und das gesellschaftstypisch errichtete Kartenhaus neben vielen anderen Kartenhäusern stehend zum Einsturz bringen. Dann können die Programme in die Archive und sich zahlreiche Linke unter wenigstens vier Parteien eine aussuchen.

Prost mit Muckefuck


VON: CASPAR - B. WOLFF


Er meint es offenbar wirklich ERNST! - 22-08-10 23:43




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