Sozialismus-Konferenz in Münster -
Linke diskutieren Perspektiven


14.01.11
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von SozialismusKonferenzMünster

Gibt es Alternativen zum Kapitalismus – und wie können sie aussehen? Die Sozialismus-Kommunismus-Debatte, die vor einigen Tagen um einen Zeitungsbeitrag der LINKEN-Vorsitzenden Gesine Lötzsch entbrannte, wird auch in Münster mit einer umfangreichen Konferenz stattfinden.

Vertreter verschiedener linker Gruppen treffen sich am 29. Januar und am 12. Februar im Bennohaus in Münster zu einer Sozialismus-Konferenz unter dem Titel „Eine andere Welt ist nötig – und möglich?“ Veranstalter sind die Marx-Engels-Gesellschaft Münster, die Bildungsgemeinschaft SALZ und der Landesvorstand der LINKEN NRW.

Dabei geht es keineswegs um eine Selbstversicherung, sondern um eine Suche nach neuen Antworten auf die Probleme unserer Zeit. Die vier Podiumsveranstaltungen werden von Fragen getrieben wie: Auf welche Konzeptionen für eine alternative Gesellschaft können wir uns einigen? Oder: Auf welchen – politischen – Wegen kann eine Gesellschaft erreicht werden, die den Kapitalismus nachhaltig überwindet?

Über solche und weitere Themen debattieren im Rahmen dieser Konferenz Vertreter der LINKEN, von Attac, der DKP und unabhängige Linke wie Dr. Sabine Kebir und Michael Ramminger. Das komplette Programm ist verfügbar unter

Programm:
Samstag, 29.01.2011

I. Schlussfolgerungen aus der Systemkrise des Kapitalismus und der Niederlage des Sozialismus - 11:00 Uhr

Die kapitalistische Gesellschaft kann soziale Sicherheit, nachhaltiges Wirtschaften und eine friedliche Weltordnung nicht gewährleisten. Wenn wir eine andere Gesellschaft erreichen wollen, brauchen wir eine präzise Analyse der grundlegenden wie auch der aktuellen Widersprüche und Bruchstellen des Kapitalismus.

Kein Denken in die Zukunft ohne Erinnerung an die Vergangenheit. Wie eine alternative Gesellschaft in Zukunft aussehen kann, ist nicht zu beantwor­ten, wenn wir uns nicht der Frage stellen, ob und in welchem Maße die früheren sozialistischen Länder den Anspruch auf Sozialismus eingelöst haben.

Weder die Selbstbestätigung wohlfeiler, aber nicht mehr wirksamer Kritikmechanismen noch das unreflektierte Verwerfen bisheriger Projekte einer an­deren Gesellschaft bringen uns weiter. Auf welche Lehren und auf welche Herausforderungen für eine alternative Gesellschaft können wir uns einigen?

Referenten: Dr. Ludwig Elm (Historiker, ehem. MdB und Volkskammerabgeordneter), Dr. Manuel Kellner (Pädagogischer Leiter Bildungsgemein­schaft SALZ e.V.), Dr. Herta Kuhrig (ehem. Akademie der Wissenschaften der DDR, Forschungsgruppe „Die Frau in der sozialistischen Gesell­schaft“) Hans-Gerd Öfinger (Journalist, SALZ – Arbeitskreis Ökologie und Sozialismus)

II. Die Kräfte des Widerstands: Ihr Gesicht, ihr Potential, ihre Schwächen - 15:00 Uhr

In vielen einzelnen Bereichen – in Gewerkschaften, Initiativen, globalisierungs-kritischen Kampagnen – wehren sich Menschen in unserem Land gegen Neoliberalismus, Umweltzerstörung und Rechtsentwicklung. In anderen Ländern stehen die gleichen oder andere Themen im Mittelpunkt des Widerstands.

Wie vielfältig die Bewegungen auch sind: Gemeinsam ist ihnen gegenwärtig, dass ein von allen zu akzeptierender Gegenentwurf zur herrschen­den Weltordnung und damit ein zentraler Bezugspunkt für die Zukunftsfähigkeit ihrer Forderungen fehlt. Allerdings gibt es – z.B. in Südamerika – spannende Debatten darüber, wie dieses Defizit beseitigt werden kann.

Gibt es eine Summe der Forderungen und der Durchsetzungskraft aktueller Bewegungen, die mehr ist als ihre Teile, und aus der das Bild einer alternativen Gesellschaft und eine Bewegung dafür entstehen kann?

Referenten: Michael Gerber (ehem. Betriebsrat BenQ, DKP-Fraktion Bottrop), Joachim Gogoll (Volkswirt, ATTAC), Axel Köhler-Schnura (Coordina­tion gegen Bayer-Gefahren), Michael Ramminger (Institut für Theologie und Politik, Münster), Christiane Reymann (Europäische Linke)
Samstag, 12.02.2011

III. Der Aufbau einer solidarischen Gesellschaft jenseits des Kapitalismus - 11.00 Uhr

Auch im Rahmen der kapitalistischen Gesellschaft bestehen erhebliche Potentiale für eine Wende zu einer sozialeren, ökologischeren und friedli­cheren Gesellschaft. Allerdings bestehen offensichtlich auch Grenzen für diese Weiterentwicklung, wie die verschiedenen Formen der Entmachtung von Gegenentwürfen – durch Vereinnahmung, Bestechung oder gewaltsame Unterdrückung – zeigen.

In den vergangenen 150 Jahren hat es verschiedenste Ansätze gegeben, Reformen des Kapitalismus mit einer über ihn hinausreichenden Perspek­tive zu verbinden. Dazu zählen z.B. Konzepte der Wirtschaftsdemokratie und des Genossenschaftswesens, aber auch die Rätebewegung, aus der die heutigen Betriebsräte in Deutschland hervorgegangen sind. Seit fast 100 Jahren spielen dabei auch internationale Organisationen eine Rolle, die Vereinten Nationen, internationale Sozialforen und international agierende NGOs.

Auf welchen – politischen – Wegen kann eine Gesellschaft erreicht werden, die den Kapitalismus nachhaltig überwindet?

Referenten: Dr. Detlef Bimboes (Diplombiologe, DIE LINKE), Dr. Hans-Peter Brenner (Autor „Marxistische Persönlichkeitstheorie“, Parteivorstand der DKP), Dr. Sabine Kebir (Feminismustheoretikerin), Bruno Kern (Initiative Ökosozialismus), Katharina Schwabedissen (Landessprecherin DIE LINKE.NRW)

IV. Sozialismus-Konzeptionen und Sozialismus-Herausforderungen - 15.00 Uhr

Die sozialistischen und kommunistischen Parteien in Deutschland definieren sich selbst dadurch, dass sie eine sozialistische Gesellschaft anstreben. Das unterscheidet sie grundlegend von anderen Parteien.

Die Tatsache, dass die Agenda der sozialistischen Bewegung in diesem Land bereits tiefe Spuren hinterlassen hat und dabei verallgemeinert und auch verwässert wurde, wirkt dabei zum Teil auf diese Programme zurück. „Solidarität“ oder „Frieden“ sind Begriffe, bei denen nicht mehr um Akzeptanz, sondern um den Inhalt gestritten werden muss. Wenn diese Parteien Impulsgeber der Bewegungen für eine alternative Gesellschaft sein wollen, müssen sie auch begriffsscharfe, wirksame Programme bieten.

Die Tatsache, dass die Akteure der sozialistischen und kommunistischen Parteien den Gedankenaustausch über eine alternative Gesellschaft oft in ihren eigenen Kreisen und – gewollt oder ungewollt - zu wenig mit Menschen anderer Auffassungen pflegen, ist offensichtlich aber auch ein Grund dafür, dass eine verständliche Darlegung der Grundlagen und Möglichkeiten einer sozialistischen Gesellschaft meistens unterbleibt. Dies ist nicht nur ein Problem der Formulierungen, sondern gründet darin, dass die Linken über die Perspektive einer sozialistischen Gesellschaft für das 21. Jahrhundert inhaltlich unsicher sind.

Welche Eckpunkte einer sozialistischen Gesellschaft können wir heute als Grundbestand formulieren?

REFERENTENLISTE (alphabetisch):
Dr. Detlef Bimboes; Diplombiologe, DIE LINKE
Dr. Hans-Peter Brenner Autor, Parteivorstand der DKP
Dr. Bernd Drücke; Redaktion Graswurzelrevolution
Dr. Ludwig Elm; Historiker, ehem. MdB und Volkskammerabgeordneter
Michael Gerber; ehem. Betriebsrat BenQ, DKP-Fraktion Bottrop
Joachim Gogoll; Volkswirt, ATTAC
Inge Höger; MdB Die Linke, Schirmfrau SALZ e.V.
Bettina Jürgensen; Bundesvorsitzende der DKP
Dr. Sabine Kebir; Feminismustheoretikerin
Dr. Manuel Kellner; Pädagogischer Leiter Bildungsgemein­schaft SALZ e.V.
Bruno Kern; Initiative Ökosozialismus
Axel Köhler-Schnura; Coordination gegen Bayer-Gefahren
Dr. Herta Kuhrig; ehem.Akademie der Wissenschaften der DDR
Hans-Gerd Öfinger; Journalist, SALZ – Arbeitskreis Ökologie und Sozialismus
Michael Ramminger; Institut für Theologie und Politik, Münster
Christiane Reymann; Europäische Linke
Arnold Schölzel; Chefredakteur Tageszeitung junge Welt
Katharina Schwabedissen; Landessprecherin DIE LINKE.NRW
Dr. Robert Steigerwald; Philosoph, Vorsitzen­der Marx-Engels-Stiftung, Wissenschaftlicher
Katrin Vogler; MdB Die Linke

www.sozialismuskonferenzmünster.de

 

 

 

 







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