Darf DIE LINKE über Kommunismus reden?

15.02.11
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Redebeitrag von Inge Höger auf der Sozialismus-Konferenz,  Münster, 12.2.2011

Bis vor kurzem gab es noch zwei Wörter, die Mann und Frau angeblich nicht verwenden durften. Kapitalismus und Kommunismus sind angeblich überholt und dürfen deshalb auch nicht so genannt werden.
Im Zusammenhang mit der größten Krise seit den 20er Jahren des vorigen Jahrhunderts änderte sich dies und viele Medien benutzten auf einmal wieder das Wort Kapitalismus und kapitalistische Krise.
Wer A sagt muss auch B zulassen. Kommunismus ist das Gegenmodell zum Kapitalismus. Lasst uns über Kommunismus reden, ist angesichts der Krise des Kapitalismus durchaus legitim.
Umfragen haben ergeben, dass 88 % der Deutschen sich eine andere Wirtschaftsordnung wünschen, in der Umweltschutz, ein sorgsamer Umgang mit Ressourcen und sozialer Ausgleich berücksichtigt werden. 
Der aktuelle Zustand der Welt drängt eine Mehrheit der Menschen, die von diesem System bzw. der derzeitigen Wirtschaftsordnung NICHT profitieren, zur Suche nach Alternativen:
o Der sog. Dioxinskandal hat mal wieder ein Schlaglicht auf die nicht neue Erkenntnis geworfen, das Kapitalismus krank macht.
o Erwerbslosigkeit und Armut nehmen überall auf der Welt schneller zu als der Reichtum einiger weniger.
o Die kapitalistische Wachstumslogik ist in höchstem Maße klima- und umweltschädigend.
o Kapitalismus und Krieg gehören untrennbar zusammen. Krieg ist die größte Menschenrechtsverletzung. Krieg bedeutet Vernichtung von Menschen und Ressourcen.
o Der Weltmarkt und die Klimakatastrophe führen zu Hungersnöten, obwohl genug Nahrung vorhanden ist.

Wie kann man angesichts dieser Lage ernsthaft von den Menschen verlangen, dass sie keine AntikapitalistInnen sind bzw. dass sie nicht nach Wegen zum Kommunismus suchen?
Der Wunsch nach einer anderen Welt ist mehr als berechtigt.
Nun erleben wir eine Kampagne der Konzerne und ihrer Medien, die diesen Wunsch und die Diskussion darüber diskreditieren will.
Ulrich Maurer von der Linksfraktion hat den neoliberalen Parteien in der inszenierten Bundestagsdebatte zum Thema gesagt: "Sie sind prokapitalistische Parteien, die mit der Kommunismusdebatte nur von den eigentlichen Problemen  unserer Gesellschaft ablenken wollen."
Aus Vorsicht und auch aufgrund der historischen Erfahrungen mit den misslungenen Versuchen, eine sozialistische Gesellschaft aufzubauen,  haben viele Linke Hemmungen, die Wörter Sozialismus oder Kommunismus in den Mund zu nehmen. Es ist gut, dass Gesine Lötzsch hier keine Hemmungen hatte.
Eine solidarische, nichtkapitalistische Gesellschaft muss demokratisch sein. Unsere heutige Gesellschaft ist es nicht. Unsere Demokratie ist eine Farce - das kann ich jeden Tag aufs Neue im Bundestag erleben. Die Hauptentscheidungen werden in den Chefetagen der Konzerne getroffen, nicht im Parlament.
Das heißt aber nicht, dass wir uns hinter dem Begriff "demokratischer Sozialismus" verstecken müssen. Dieselben Debatten, die wir in der Linken und ihrem Umfeld heute führen, hat es bereits vor 100 Jahren in der damaligen SPD gegeben: Regierung oder Opposition, Kompromiss oder Entschiedenheit, etc.
Auch aus diesem Grunde sollten wir den Begriff "Kommunismus" heute in der Tradition der ArbeiterInnenbewegung verwenden. Wir dürfen den Herrschenden nicht die Deutungshoheit über diesen Begriff überlassen. Aber wir müssen die Begriffe, die wir verwenden, auch immer gut erklären.
Kommunismus bedeutet nicht Stasi oder Gulag, sondern eine klassenlose Gesellschaft, in der jeder nach seinen Fähigkeiten arbeiten und nach seinen Bedürfnissen leben kann.
Kommunismus ist nach der Definition von Karl Marx eine Gesellschaftsform, die erst nach einer langen Übergangszeit des Sozialismus erreichbar ist und deren konkrete Ausgestaltung wir uns heute kaum vorstellen können.







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