Kommentar von Wolfgang Huste zur Auswertung der Kommunalwahl in Köln

01.09.09
LinksparteidebatteLinksparteidebatte, NRW, Köln, TopNews 

 

Für mich wird's immer deutlicher: Wir müssen viel häufiger "auf der Straße" präsent sein - und das sehr deutlich, also unüberseh- und unüberhörbar, was den Einsatz von Lautsprecheranlagen zu einer Selbstverständlichkeit machen sollte; zumindest ein Megaphon sollte zur Grundausstattung einer jeden "Aktivistengruppe" gehören, wenn sie sich als solche versteht! Das "Palavern" in oftmals stark verräucherten Gaststätten ist kein Ersatz für gut fundierte Handlungen in der Öffentlichkeit! Der "Papiertiger" ist für mich die einzige Art, die möglichst schnell aussterben muss- bei uns steht sie wohl eher unter Naturschutz, leider!

"Gefährlich" sind auch ängstliche Gemüter (hier: Mitglieder unserer Partei), die ungern radikale Positionen einnehmen. An einem Infostand unserer Partei hörte ich mal folgenden Dialog: "Ich finde es  gut, dass ihr gegen Rechtsextremisten agitiert- aber was macht ihr gegen die Linksextremisten in eurer Partei?" Die Antwort eines Neumitgliedes: "Das finden wir auch nicht gut; wir sind gegen jeglichen Extremismus!" Mir blieb da die Spucke vor Schreck weg! Das Mitglied hat nicht begriffen, wem die "politische Mitte" für was dient (wer hat da die Definitionshoheit, was eine "politische Mitte" ausmacht?), was hinter der (auch ahistorischen, unwissenschaftlichen) Totalitarismustheorie steckt. Also: Die innerparteiliche Fort- und Weiterbildung muss "vor Ort" gefördert werden, und sehr massiv!

Sie befördern - wenn auch nicht bewusst - die Verwässerung unserer politischen Programmatik, die möglichst nicht nur "irgendwie links" daher kommen sollte, sondern radikal sozialistisch! Die Bevölkerung erwartet von uns klare, unzensierte Aussagen zu ganz konkreten Themen. Bei den Antworten sollten wir möglichst immer die Systemfrage im Hinterkopf haben- und sie auch in die entsprechenden Antworten einfließen lassen.

Die Linke ist eine kreuzbrave Partei- das kommt nicht nur bei der Jugend schlecht an, sondern bei allen, die von uns eine radikale Antwort und Alternative auf die Politik der bürgerlichen Politiker erwarten.

Wie wäre es mal, wenn wir in die Jugendzentren gehen, um dort entsprechende Flyer mit Jugendthemen zu verteilen? Und falls Jugendliche in Köln ein autonomes Jugendzentrum fordern und dementsprechend ein schon lange leerstehende Haus besetzen, dann müssen wir dabei sein, selbstverständlich!

Und wenn in Köln (und anderswo!)  eine mittelständische Firma (oder auch ein Konzern) schließt und die Belegschaft entlässt, dann sollten wir vor den Toren demonstrieren, auf dem Werksgelände- und nicht kreuzbrav davor.

Die Begrifflichkeit "Kümmererpartei" sollten wir ab sofort mit unseren Inhalten füllen, statt sie den Rechtsradikalen zu überlassen. Gehen wir in die "Wohnghettos" und versuchen, mit den dort Wohnenden Kontakt aufzunehmen, in Form einer "face- to - face- Diskussion". Auch eine Veranstaltung, direkt in den Zentren der "sozialen Brennpunkten", ist zukünftig ein "muß"! Mögliches Thema: "Was sie schon immer über die Kölner Linken wissen wollten. Sie fragen, wir antworten." Wie ihr wisst, bin ich ein "Gegner" simpler Infostände. Sie sind in der Regel recht langweilig und auch nicht "effektiv", was die Möglichkeit zu "Polylogen" angeht. Besser sind "Aktionsstände", an denen auch etwas passiert. Insbesondere Jugendliche fühlen sich eher durch Musik, dem Verteilen von CDs (mit den entsprechenden jugendgemäßen Inhalten) und durch "action" im allgemeinen angesprochen, nicht mit farblosen Infotischen. Und wenn wir die Zielgruppe "Jugend" hier ansprechen wollen, dann sieht's nicht gerade überzeugend aus, wenn hinter so einem Stand Mitlieder stehen, die weit über 50 sind. Hier ist unsere Jugendorganisation Solid gefragt! Ich verteilte letztes Wochenende in Bad Neuenahr mehr als 300 Kondome mit dem Aufdruck "Lustvoll DIE LINKE wählen!" nebst einem jugendgemäßen Flyer. Beides kam sehr gut an, und es entwickelten sich zahlreiche Gespräche. Auch das Thema "Ökologie" sollten wir zukünftig viel selbstbewusster in die Öffentlichkeit kommunizieren- auch dieses Politikfeld sollten wir keinesfalls nur den GRÜNEN überlassen.

Es ist beschämend, dass wir auf der Landes- und Bundesebene kein einziges Plakat hatten, dass das Politikfeld "Ökologie" angemessen und deutlich aufgriff. Offizielle Begründung der Bundesgeschäftsstelle in Berlin: "Wir hatten Angst, damit unfreiwillig Werbung für die GRÜNEN zu machen!" Was für eine Aussage.

Würden wir eine solche  Denke verinnerlichen, dürften wir auch nicht zum Thema "Alten- und Rentenpolitik" uns mittels Plakate äußern- zumindest damals nicht, als die "Grauen" noch existierten.

Oder anders: Eine innerparteiliche Selbstzensur ist nicht nur hier völlig absurd!



1. Interpretation Kölner Kommunalwahlergebnisse... - 01-09-09 22:57




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