Linke Meinungsvielfalt?


Bildmontage: HF

07.03.10
LinksparteidebatteLinksparteidebatte, Kultur, TopNews 

 

Von Detlef Obens

Die Öffentlichkeitsarbeit der Linkspartei wird stetig zunehmend von unabhängiger Seite vorgenommen. Unzählige linke Internetwebseiten, Blogs und Kommentare sind vielfach und immer mehr die Quelle an Informationen für das linke Mitglied, bzw., den links denkenden Menschen.

Die offiziellen Seiten der Linkspartei im Netz sind oftmals beherrscht von Meinungsmachern der Führungstrukturen in Bund und Ländern und bieten kaum Raum für kritische Auseinandersetzung mit der Partei. Als ein besonders negatives Beispiel sei das Forum der rheinland-pfälzischen Linke-Landesseite erwähnt, welches durch eine Hand gesteuert und gelenkt wird und erschwerte Zugangsmöglichkeiten aufweist, da quasi eine Personenkontrolle via Web erfolgt. Da befindet sich die Linke allerdings in guter Gesellschaft mit allen im Bundestag vertretenen Parteien. Nach dem Motto: „Lobt mich schon keiner-muss ich es selber tun!“ werden ausgewählte Berichte und Kommentare den geneigten LeserInnen ultimativ vorgesetzt.

Das Internet, das wichtigste Medium der Gegenwart für Information und Austausch, wird daher immer mehr zur Plattform der politischen Auseinandersetzung, auch und gerade, in der linken Szene. Tages-und Wochenzeitungen müssen sich diesem Trend anpassen und ihre News, Berichte und Meinungen oftmals zeitgleich im Internet und als Printmedium herausgeben. Dieser unvermeidbare, für viele Herausgeber allerdings auch oftmals unlukrative, Zeitgeist wird von der politisch interessierten Leserschaft erwartet. Der Zeitaufwand, Artikel im Internet zu lesen, ohne vorher das Haus verlassen zu müssen, um die entsprechende Lektüre zu kaufen, ist in der heutigen stressbeladenen Zeit für die meissten Menschen wesentlich geringer und somit bequemer.

Der Linkspartei stehen derzeit zwei überregionale Zeitungen nahe. Zum einen das NEUE DEUTSCHLAND, zum anderen die JUNGE WELT. Beide sind, nach umstrittener Meinung der Parteiführung, ideologisch der linken Partei am nächsten. Beide aber haben ihre Wurzeln in der ehemaligen DDR und kommen von diesem Klischee schwer weg. Zu sagen ist aber auch: sie tun zu wenig dafür, diese DDR-Nostalgie abzulegen, die gerade im Westen der Republik oft mit Unverständnis gesehen wird. Hinzu kommt aber auch, das beide Presseorgane ihren Ursprung im sozialistischen System der DDR erlebten und Heute in der kapitalistischen Welt angekommen sind. Eine Welt, die von den Machern der beiden Zeitungen kritisiert aber auch genutzt wird, wie ich später darstellen werde. Viele bezeichnen sie auch als die Sprachrohre der Linkspartei. Obgleich sie keine Parteizeitungen, wie etwa der SPD-VORWÄRTS, sind, werden sie aber von einer übergroßen Mehrheit der Bevölkerung so gesehen. Das hat Ursachen.

Beispielsweise die meinungsmachende Instrumentalisierung dieser Zeitungen durch die Parteiführungen in Bund und Ländern. Oder aber auch, wie erst jetzt wieder aktuell bei Katharina Schwabedissen-der NRW-Linke-Landeschefin, durch exclusive Interviews und Stellungnahmen der linken Politiker in diesen beiden Blättern. Das linke Mitglied hat den Eindruck, die Wahrheit komme aus Berlin und aus diesen zwei Tageszeitungen. Gerade aber diese beiden Medien setzen sich vom modernen Medienumgang mit dem Internet negativ ab. Viele Artikel sind erst im Internet lesbar, wenn vorher ein Monats-oder Schnupperabo abgeschlossen worden ist. Wer das nicht will oder nicht kann, bekommt auch nichts zu lesen. Selbst Mitglieder der Linkspartei, die oftmals mit großen finanziellen Problemen beladen sind, müssen zahlen. Obgleich sie ihre Parteibeiträge geleistet haben bleiben ihnen oftmals die Ein- und Aussichten der linken SpitzenpolitikernInnen verborgen.

Hier zeigt sich auch der Nutzen, den die Zeitungsmacher aus dem sicher zu kritisierenden Kapitalismus ziehen. Denn selbst die finanziell Kleinsten sollen zahlen um die Stimme ihrer Führungscrew vernehmen zu können. Hier MUSS die Linkspartei umgehend nachbessern, will sie nicht in den Ruf kommen, diese beiden Zeitungen bewusst zu unterstützen. Gleichzeitig aber wird gegen andere Medien gewettert. Mal sind sie neoliberal, oder aber schwarz, oder grün oder gelb oder sonst wie, nur eben nicht linientreu. Alle werden sie über einen Kamm geschoren. Warum? Sie verfolgen nicht die hausgemachte PR-Politik der linken Führungen. Und hier beginnt ein kapitaler Fehler der Linkspartei und ihrer Protagonisten! Niemals wieder soll es eine gleich geschaltete Presse, gleich welcher Couleur, geben. Die Vielfalt der Meinungen, auch wenn sie mir als Linker nicht gefällt, ist gut und sie regt gerade uns links denkende Menschen an, umso mehr unsere Ansichten und Überzeugungen kund zu tun. Im Streit der Meinungen entsteht oft so etwas wie eine neue Überzeugung. Und dies tut allen Seiten gut.

Aus dem Landesvorstand der NRW-Linken werden speziell Neues Deutschland und die Junge Welt als DIE Medien angesehen, die es allein sich lohnt, zu lesen.
Wer bestimmt das? Kann ich als mündiger Linker nicht selbst entscheiden, woher ich mir meine Informationen hole? Und wenn ich diese beiden Zeitungen nicht abonnieren will, trete ich dann automatisch einige Schritte weg von der linken Partei?

Hier zeigt sich mal wieder die teilweise Unfähigkeit der Parteispitzen im Umgang mit der modernen Pressewelt. Selbst hochfrequentierte linke Internetmedien wie z.B. „scharf-links“, werden kritisch beäugt und teilweise als „Bildzeitung der Linkspartei“ diffamiert. Gleichzeitig aber machen sich die Parteispitzen den „Bildzeitungseffekt“ zunutze und stellen in diese genannten Internetzeitungen ihre Meinungen den vielen tausend Usern zur Verfügung. Denn auch sie wissen es, obgleich sie es nie zu sagen wagten, die wahre linke Politik findet gegenwärtig im WWW statt.

Denn dort finden kritische Linke, neben Informationen und aktuellen Berichten, Foren sich auszutauschen, auch Meinungen entgegen der allgemeinen Parteivorgabe zu verfolgen und die Möglichkeit, ihre eigenen Ansichten von linker Politik darzustellen in eigenen Worten. Dies ist aber unbequem für die „Regierenden“ der Partei und gehört somit auch in deren Augen verurteilt.

Ich lasse mir die Vielfalt der Presse nicht entgehen. Ich lasse mir nicht sagen, wen oder was ich zu lesen habe. Und vor allem: ich entscheide ganz persönlich darüber, welche Presse in meinen Augen lesbar und wertvoll ist. Von diesem hohen Ross sollten gewisse Mitglieder der Partei mal wieder runter kommen.

Meine vielfältigen Ansichten der Welt vertritt sicher nicht allein ein linkes Pressehaus in Berlin. Nutzen wir alle, wir User und Blogger, die Möglichkeiten dieses weltumspannenden Mediums und sorgen wir damit für einen weiter anhaltenden Druck auf Partei, Parteiführung und althergebrachte Parteistrukturen. Lassen wir auch nicht zu, das Parteiobere uns vorgeben, was wir zu lesen und zu denken haben. Sehen wir eher zu, das umgedreht ein Schuh raus wird. Wir, die Basis, müssen endlich erwachsen werden und auf Augenhöhe mit denen reden, die meinen, derzeit die Führungskaste der Linkspartei zu sein. Wenn sie es sind, dann nur durch uns und unsere Unterstützung. Aber Unterstützung bedarf auch einer Gegenseitigkeit. In dieser recht jungen Partei scheinen bereits einige sehr alt zu sein!

Detlef Obens
7.März 2010



Leserbrief von Carsten Fiedler zum Artikel "Linke Meinungsvielfalt?"  - 09-03-10 14:39




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