Presserat zur Beschwerde von Hermann Dierkes

12.10.09
NRWNRW, Kultur, News 

 

Der Beschwerdeausschuss des Deutschen Presserats hat am 08.09.09 über die von Hermann Dierkes eingelegte Beschwerde befunden und gegen die WAZ einstimmig eine Missbilligung ausgesprochen.
Dierkes war im Frühjahr dieses Jahres Opfer einer großangelegten Rufmordkampagne in der WAZ und in weiteren Medien geworden. Er hatte sich angesichts des Überfalls der israelischen Armee im Januar ds. Js. auf den dicht besiedelten Gazastreifen und die anhaltende völkerrechtswidrige Besatzung und Besiedlung der Palästinensergebiete dem Aufruf der Abschlusskonferenz der sozialen Bewegungen des Weltsozialforums angeschlossen und den Boykott Israels für legitim erklärt.

Daraufhin war ihm zunächst von der WAZ Antisemitismus und die Anknüpfung an NS-Ideologien vorgeworfen worden. Die Argumentation von Dierkes in einem Telefoninterview mit einem Mitarbeiter der WAZ, dass es beim Aufruf des Weltsozialforums um die Durchsetzung von Menschen- und Völkerrecht gehe und nicht um eine rassistische Ausgrenzung von Juden bzw. von Firmen, die an Besatzung und Krieg verdienen, war von der WAZ unterschlagen worden. In der Begründung seines Spruchs führt der Beschwerdeausschuss u.a. aus:

„Die journalistische Sorgfaltspflicht hätte es erfordert, gerade die Distanzierung des Beschwerdeführers auch zu veröffentlichen, um Lesern die Haltung des Kritisierten zu verdeutlichen. Bei der Brisanz des Vorganges wäre es zwingend notwendig gewesen, darüber zu unterrichten, dass sich der Beschwerdeführer  von Neonazis abgrenzt.“

Im Ergebnis kommt der Beschwerdeausschuss zu folgender Entscheidung: „Presseethisch bewertet der Ausschuss den Verstoß gegen die publizistischen Grundsätze als so schwerwiegend, dass er gemäß § 12 Beschwerdeordnung eine Missbilligung ausspricht. Nach § 15 Beschwerdeordnung besteht zwar keine Pflicht, Missbilligungen zu veröffentlichen. Als Ausdruck fairer Berichterstattung empfiehlt der Beschwerdeausschuss jedoch eine solche redaktionelle Entscheidung.“                       

Kreisverbandsvorstand und Ratsfraktion der LINKEN Duisburg begrüßen die Entscheidung des Beschwerdeausschusses ausdrücklich.







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