Das System Tönnies endlich stoppen!

24.06.20
NRWNRW, OWL, News 

 

Von DIE LINKE. NRW

Nachdem inzwischen mehr als 1.500 Menschen an einem Standort des Fleischbetriebs Tönnies in Rheda-Wiedenbrück positiv auf das Coronavirus getestet wurden, hat die Landesregierung nicht nur Schulen und Kindergärten geschlossen, sondern für die Kreise Gütersloh und Warendorf Kontaktbeschränkungen verhängt, und für viele Menschen aus der Region steht zu Beginn der Sommerferien der Urlaub in Frage. „Spätestens seit den hohen Infektionsraten bei Westfleisch in Coesfeld und Oer-Erkenschwick sowie bei Müller-Fleisch in Pforzheim war eigentlich klar: Fleischarbeiter*innen sind eine hohe Risikogruppe. Trotzdem wurde weder von Bund, Land noch vom Kreis genauer hingeschaut, ob im Schlachthof Tönnies die Hygienevorschriften genau eingehalten wurden. Dabei hätte es Minister Laumann wissen müssen“, sagt Inge Höger, Landessprecherin von DIE LINKE NRW.

„Bei einer erstmaligen größeren Überprüfung durch das NRW-Arbeitsministerium im Jahr 2019 – ein halbes Jahr vor Corona – waren massive Rechtsbrüche festgestellt worden. Doch anstatt infolgedessen die Fleischindustrie und den Branchenführer Tönnies regelmäßig zu kontrollieren, wurde die Fleischproduktion für systemrelevant erklärt – damit die ausländischen Werkvertragsarbeiter weiterhin ungehindert einreisen und ausgetauscht werden können. Tönnies schob für die Produktion seines Billigfleischs noch mal 16-Stunden-Schichten für die Arbeiter*innen am Wochenende ein. Die sehr anstrengende und gesundheitsbelastende Arbeit wurde also noch einmal intensiviert. Hinzu kommen die unhaltbaren Wohnverhältnisse in Massenunterkünften, die sowohl Hygienemaßnahmen als auch schlicht mal Abschalten und Ausruhen unmöglich machen. Auch während der Fahrten von den Unterkünften zum Betrieb in Kleinbussen wurden weder Abstandsregelungen noch Maskenschutz eingehalten. Wie es im Schlachthof selber mit Hygienemaßnahmen aussah, will die Landesregierung erst jetzt durch einen Experten kontrollieren“, konstatiert Höger.

Und weiter: „Die Menschen in der Region müssen nun darunter leiden, dass der Tönnies-Konzern jahrelang ausländische Arbeiter*innen ohne Rücksicht auf Gesundheit und Arbeitsschutz für Billigfleisch ausbeutete. Eltern mit ihren Kindern standen sehr schnell nach dem Corona-Ausbruch vor dem Betrieb und auf der Straße und forderten: ‚Bildung statt Billigfleisch‘. Die Einwohner*innen wissen seit Jahren, dass die Massentierhaltung und Massenschlachtungen für Mensch und Tier unwürdig sind. Sie sehen Clemens Tönnies zu Recht in der Verantwortung für die Zustände in seinen Fabriken, für die Gesundheitsbelastung seiner Beschäftigten und die Corona-Infektionen. Herr Tönnies ist ertappt und tönt nun, er wolle die Verantwortung übernehmen und die Massentest bezahlen und auch das Werkvertragssystem ändern. Ändern wird sich nur etwas durch gesetzliche Vorschriften und häufige unangekündigte Kontrollen. Bis zur Sicherstellung eines sinnvollen Hygiene- und Gesundheitskonzeptes und Einhaltung aller Arbeitsschutzregelungen, muss der Schlachthof geschlossen bleiben. Die Beschäftigten und auch die Einwohner*innen der Region müssen für die fahrlässige Gefährdung ihrer Gesundheit angemessen entschädigt werden“, so Höger abschließend.

Aus dem Abschlussbericht der Überwachungsaktion „Faire Arbeit in der Fleischindustrie“ 29.01.2020: 5.800 Arbeitszeitverstöße, unangemessene Lohnabzüge, unwürdige Unterkünfte, mangelhafter Arbeitsschutz, Schichten mit über 16 Stunden, nicht eingehaltene Ruhepausen, lärmbedingte Hörschäden, entfernte Schutzeinrichtungen, abgeschlossene Notausgänge, gefährlicher Umgang mit Gefahrstoffen.







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