25 Jahre Völkermord in Ruanda: Familien versöhnen, Kinder stärken

03.04.19
NRWNRW, Köln, News 

 

Von medica mondiale

"Kinder des Feindes"

25 Jahre nach dem Genozid in Ruanda / Frauenrechtsaktivistin Godelieve Mukasarasi zu Gast in Köln / Kriegsvergewaltigungen wirken über Generationen hinweg

"Kinder der Täter" oder "Kinder des Feindes" -- auch 25 Jahre nach dem Völkermord in Ruanda werden die Kinder der während des Genozids vergewaltigten Frauen und Mädchen so genannt. Noch immer grenzen Familienmitglieder oder Nachbarn die heute jungen Erwachsenen und ihre Mütter aus. Dem setzt die Organisation SEVOTA Projekte für Versöhnung und Frieden entgegen. Die Kölner Frauenrechtsorganisation medica mondiale fördert seit mehr als zehn Jahren Projekte von SEVOTA ("Solidarité pour l'Epanouissement des Veuves et des Orphelins visant le travail et l'Auto promotion"). In Frauenforen lernen Überlebende sexualisierter Gewalt, mit ihren Kindern über das Erlebte zu sprechen. Im Jahr 2016 veranstalteten Godelieve Mukasarasi und ihre Kolleginnen von SEVOTA erstmals Jugendforen. Dort konnten sich junge Erwachsene über ihre Erfahrungen und die Beziehung zu ihren Müttern austauschen. "Niemand von uns hatte zuvor darüber geredet - auch wir untereinander nicht", berichtet eine Teilnehmerin. "Im Jugendforum konnten wir das zum ersten Mal ohne Scham tun."

In Ruanda wurden zwischen April und Juli 1994 über 250.000 Frauen und Mädchen vergewaltigt und zwei von drei Betroffenen mit HIV infiziert. Wie in allen Kriegen verübten Milizen sexualisierte Gewalt, um Angst zu verbreiten, Macht zu demonstrieren und den Gegner zu schwächen. "Die Herzen der Frauen wurden drei Mal gebrochen", berichtet Godelieve Mukasarasi, Gründerin von SEVOTA. "Durch den Genozid, durch Vergewaltigung und durch AIDS". Die Folgen: traumatischer Stress, gesundheitliche Probleme, Armut. "Auch in Ruanda ist Armut weiblich", stellt Mukasarasi fest. Zum 25. Jahrestag des Genozids und der Gründung von SEVOTA fordert sie, die ökonomische Situation von Frauen zu verbessern sowie Schulungen, die Geschlechterbilder verändern und Vorurteile abbauen. "Die Frauen wünschen sich ein sicheres Umfeld, eine gute Gesundheitsfürsorge und Bildung für ihre Kinder."

Godelieve Mukasarasi, Gründerin der ruandischen Hilfsorganisation SEVOTA, ist vom 8. bis 11. April 2019 zu Gast in Köln und steht für Interviews auf Französisch zur Verfügung.

Kriegsvergewaltigungen prägen die Gesellschaft
Seit 25 Jahren weist medica mondiale die Öffentlichkeit auf die Folgen nicht bearbeiteter Traumata durch Kriegsvergewaltigungen wie die während des Zweiten Weltkriegs hin. "Trauma-Symptome können innerhalb der Familie und in die nächsten Generationen übertragen werden, erklärt Monika Hauser, Gründerin von medica mondiale. "Töchter und Söhne übernehmen die oft unbewussten Traumata ihrer Mütter (und Väter)." Es sei wichtig, so Hauser weiter, eigene Erfahrungen und die Verletzungen unserer Vorfahren zu reflektieren und zu bearbeiten. Das könne entlasten und zu persönlichem Wachstum anregen.

Veranstaltungshinweis:
"Vererbte Geschichte(n) - Kriegsvergewaltigungen und transgenerationale Traumatisierung" 
4. April 2019 ab 19 Uhr im Literaturhaus Köln

Seit über 25 Jahren setzt sich medica mondiale für Frauen und Mädchen in Kriegs- und Krisengebieten ein. Dabei versteht sich die Organisation als Anwältin für die Rechte und Interessen von Frauen, die sexualisierte Kriegsgewalt überlebt haben. Neben medizinischer, psychosozialer und rechtlicher Unterstützung bietet medica mondiale Programme zur Existenzsicherung und leistet politische Menschenrechtsarbeit. 2008 wurde die Gründerin der Organisation, Monika Hauser, mit dem Right Livelihood Award, dem so genannten Alternativen Nobelpreis, ausgezeichnet. www.medicamondiale.org







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