Info-Serie Atomenergie - Folge 7: Die Geschichte der Atom-Unfälle

23.09.08
ÖkologiedebatteÖkologiedebatte, TopNews, Umwelt 

 

Von Netzwerk Regenbogen

Durch die Fokussierung der Mainstream-Medien auf die Reaktor-Katastrophe von Tschernobyl im Jahr 1986 wird der Eindruck erweckt, dies wäre der einzige gravierende Unfall in der Geschichte der "zivilen" Nutzung der Atomenergie gewesen. So ist der Atom-Unfall von Lucens selbst vielen SchweizerInnen heute nicht mehr bekannt.

Nach einer Zählung des französischen Instituts für Nuklearsicherheit gab es zwischen 1945 und 1999 weltweit 60 "schwere Vorfälle", von denen allein 33 in den USA stattfanden.

7. Oktober 1957 * (nach neueren britischen Angaben: 10. Oktober 1957)

Ein Feuer im britischen Atomkomplex Windscale (später in Sellafield umbenannt) zerstörte einen Plutonium produzierenden Reaktor mit 1000 Tonnen Graphit und zehn Tonnen Uran in Brennelementen. Radioaktive Gase und Partikel entwichen in die Atmosphäre. Daraus resultierende radioaktive Niederschläge konnten in England und großen Teilen Nordeuropas gemessen werden.

Erst 2007 wurde veröffentlicht, daß der radioaktive Fallout ungefähr doppelt so groß war wie bis dahin bekannt. Auch die Zahl der Krebsfälle, die das Unglück auslöste, sei deutlich höher als angenommen (Atmospheric Environment, Bd.41, S.3904, 2007). Der überwiegende Teil der radioaktiven Wolke bestand nach den 2007 vorgenommenen Ermittlungen aus Jod-, Tellur- und Xenon-Isotopen, die nach wenigen Wochen weitgehend zerfallen gewesen seien. Laut den vorliegenden Angaben wurden bei der Reaktor-Katastrophe von Windscale radioaktive Stoffe in der Größenordnung von 20.000 Curie über Europa freigesetzt. Auf der siebenstufigen "Störfall"-Skala der Internationalen Atomenergieorganisation IAEA wurde der Brand in Windscale auf Stufe fünf eingeordnet.

Obwohl die britische Regierung den Unfall 1957 zu verheimlichen suchte, kam sie nicht umhin, Milch aus der betroffenen Region in der unmittelbaren Folgezeit aus dem Handel verbannen und vernichten zu lassen. Eine Evakuierung der Bevölkerung erachtete die britische Regierung damals nicht für nötig Doch noch heute belasten Cäsium und Plutonium die Umgebung von Windscale-Sellafield. Die freigesetzte Menge an Polonium wurde als Staatsgeheimnis behandelt, da hierüber Rückschlüsse auf die verwendeten Techniken hätten gewonnen werden können. Erst seit 1989 wurden Akten über das Unglück allgemein zugänglich. Der Rückbau des zerstörten Reaktors war auch 2007 noch nicht abgeschlossen.

Nach offiziellen Schätzungen starben bis zu 40 Menschen an den unmittelbaren Folgen des Windscale-Unfalls. Untersuchungen ergaben, daß in den vergangenen Jahrzehnten bei der örtlichen Bevölkerung deutlich mehr Leukämiefälle auftraten als im Landesdurchschnitt. Aus der Plutoniumfabrik Sellafield fließen jährlich 3.300 Millionen Liter radioaktiver Flüssigmüll in die Irische See. Nach Berichten der EU wurden bislang rund 250 Kilogramm Plutonium in die Irische See abgeleitet. Noch bei Kanada und in antarktischen Gewässern, bis in 200 Meter Tiefe, läßt sich Sellafields Radioaktivität nachweisen.

1957/58 *

Im Winter 1957/1958 ereignete sich in der Nähe von Kischtim im Ural ein schwerer Unfall. Nach Schätzungen eines russischen Wissenschaftlers, der den Unfall meldet, sterben mehrere Hundert Menschen an den Folgen der Verstrahlung.

3. Januar 1961 *

Drei Techniker starben bei einem Unfall in einem Forschungsreaktor im US-amerikanischen Idaho Falls.

4. Juli 1961 *

Im ersten sowjetischen atomgetriebenen U-Boot platzte ein Rohr im Kontrollstand eines der beiden Reaktoren. Der Kapitän und sieben Besatzungsmitglieder starben an den Folgen der Strahlung.

5. Oktober 1966 *

Der Kern eines Forschungsreaktors in der Nähe von Detroit im US-Bundesstaat Michigan schmolz teilweise, als das Natrium-Kühlsystem versagte.

21. Januar 1969

Lucens
Bevor die Schweiz AKW-Fertigprodukten US-amerikanischer Bauart den Zuschlag gab (das AKW Berznau wurde von Westinghouse zu Dumpingpreisen angeboten), versuchten es die Schweizer mit einem AKW der Marke Eigenbau. Ein Konsortium Schweizer Unternehmen startete zu Beginn der 60er Jahre in einer Felskaverne in der Nahe von Lucens das Projekt eines immerhin 9 Megawatt starken Versuchsreaktors. Bereits in der Testphase geriet der Reaktor außer Kontrolle. Es kam zur Katastrophe und erst Jahre darauf wurde den Wissenschaftlern klar, daß die Explosion am 21. Januar 1969 durch eine Kernschmelze ausgelöst worden war. Die Explosion war so gewaltig, daß der Reaktor völlig zerstört wurde.

Erst 1971 wurden die Zerlegungs- und Dekontaminationsarbeiten abgeschlossen. Und erst 1979 lag der Untersuchungsbericht vor, der den Hergang der Katastrophe rekonstruierte. Diesem Bericht zufolge war glücklicherweise die Kettenreaktion zusammengebrochen und das austretende Kühlmittel gelangte in die Kaverne. Es entwich - so der Bericht - keine Radioaktivität in die Biosphäre. Nur einem unglaublichen Zufall ist es zu verdanken, daß sich zur Zeit der Explosion niemand in der Kaverne befand. Da der Reaktor von Lucens unter der Erde liegt, konnte zumindest ein großer Teil der Radioaktivität in der Kaverne zurückgehalten werden. In der Untersuchungskommission, welche die Folgeschäden der Reaktorkatastrophe untersuchte, saßen allerdings ausnahmslos Experten aus Gremien, welche die Betriebsbewilligung für Lucens erteilt hatten.

Die Kaverne wurde erst nach dem Unfall zugemauert, was die Untersuchungskommission nicht davon abhielt, eine nur geringfügige radioaktive Belastung der örtlichen Bevölkerung zu behaupten. Radioaktives Inventar aus Lucens wurde im Oktober 2003 in sechs CASTOR-Behältern ins Zwischenlager Würenlingen transportiert. Das Medienecho war sehr gering, was nicht verwunderlich ist.

Doch auch mit der Lagerung im Würenlinger "ZWILAG" ist das Kapitel Lucens noch lange nicht abgeschlossen. Das radioaktive Material wird noch für hunderttausende von Jahren unsere Nachkommen belasten.

17. Oktober 1969 *

Ein Fehler beim Einführen der Brennstäbe führte im französischen AKW Saint-Laurent zum teilweisen Abschmelzen eines gasgekühlten Reaktors.Ein Super-GAU wie in Tschernobyl mit der Freisetzung großer Mengen an Radioaktivität hatte gerade noch vermieden werden können.

1974 *

Explosion in einem sowjetischen Schnellen Brüter in Schetschenko am Kaspischen Meer

7. Dezember 1975 *

Unfall im Atomkraftwerk Lubmin in der damaligen DDR an der Ostseeküste. Durch einen von einem Elektriker verursachten Kurzschluß entstand ein Brand. In einigen Berichten hieß es, es sei fast zu einer Kernschmelze gekommen.

1977

Beide vom bayrischen AKW Gundremmingen abführenden Stromleitungen versagen. Bei der deswegen erforderlichen Reaktor-Drosselung kommt es zu einem Unfall und Totalschaden von Block A.

18. Juni 1978

Störfall im AKW Brunsbüttel, bei dem über den Kamin des Kraftwerks und über sechs Druckentlastungsklappen zwei Tonnen radioaktiver Dampf nach außen abgegeben wurde. Der Reaktor lief noch fast drei Stunden weiter, obwohl er innerhalb von fünf Minuten automatisch hätte abgeschaltet werden müssen.

28. März 1979 *

Harrisburg

Im AKW Three Mile Island bei Harrisburg im US-Bundesstaat Pennsylvania ereignete sich der bislang schwerste Atomunfall der USA. Eine teilweise Kernschmelze erzwang die Evakuierung der Umgebung, nachdem radioaktiv verseuchtes Gas in die Atmosphäre entwichen war.

Erst durch einen Kommissionsbericht an den US-Präsidenten Carter wird am 31. Oktober 1979 bekannt, daß zwei Wasserstoff-Explosionen im Reaktorkern stattgefunden hatten. Nachdem der Reaktor Jahre später geöffnet werden konnte, wurde rekonstruiert: Auf dem Höhepunkt des "Störfalls" lag die Temperatur mit rund 1.400 Grad Celsius nur etwa 100 Grad unter dem Schmelzpunkt der Stahlwände des Reaktordruckbehälters.

7. August 1979 '*

Aus einem geheimen Brennelementewerk im US-Bundesstaat Tennessee entwich hochangereichertes Uran. Rund 1000 Menschen erhielten radioaktive Strahlendosen, die dem Fünffachen der Strahlung entsprechen, denen ein Mensch in einem Jahr ausgesetzt ist.

1981

Bei einem Brand in der französischen Plutonium-Fabrik La Hague wurden 20 Menschen "nenenswert verstrahlt". Der Brand wird viele Jahre lang geheim gehalten.

25. April 1981 *

Nach offiziellen Berichten wurden 45 Arbeiter bei Reparaturarbeiten an einer störanfälligen Atomanlage im japanischen Tsuruga radioaktiver Strahlung ausgesetzt. Rund 40 Tonnen radioaktives Kühlwasser aus dem Reaktor flossen direkt ins Meer. Wochenlang versuchten die Offiziellen den Vorfall zu verheimlichen.

Februar 1983

Das bulgarische AKW Kosloduj entging nach einem Kühlwasserverlust nur knapp einer Katastrophe. Sogar die IAEA hielt die Sicherheit der Anlage für so besorgniserregend, daß sie eine sofortige Stilllegung empfahl.

30. Juli 1985

Durch den Einbau eines falschen Relais kam es im AKW Brunswick in North Carolina zu einem Brand im Kühlsystem.

10. August 1985 *

Eine Explosion zerstörte die Schkotow-22-Werft, auf der die atomgetriebenen Schiffe der sowjetischen Kriegsflotte gewartet werden. Zehn Menschen starben sofort und zahlreiche weitere später an den Folgen der Verstrahlung.

6. Januar 1986 *

In Oklahoma wurde ein Arbeiter getötet und 100 werden verletzt, als ein Zylinder mit nuklearem Material explodierte. Das Material war unsachgemäß erhitzt worden.

26. März 1986 *

Tschernobyl

Eine Explosion und ein Feuer im Atomkraftwerk Tschernobyl setzten radioaktive Wolken frei, die über weite Teile Europas zogen. 31 Menschen starben direkt nach dem Unfall. Hunderttausende Menschen wurden aus der Gegend evakuiert. Von der Katastrophe besonders betroffen sind die Ukraine mit 15 Prozent und Weißrußland (Belarus) mit 70 Prozent der radioaktiven Niederschläge. Ein erster notdürftiger "Sarkophag" aus 300.000 Tonnen Beton und 7000 Tonnen Stahl, der den zerstörten Reaktor ummantelt, wurde erst am 15. November 1986 fertiggestellt.

Prof. Dr. Edmund Lengfelder, Otto-Hug-Strahleninstitut und Universität München, schätzt, daß in den ersten 15 Jahren - also bis 2001 - insgesamt etwa 70.000 Menschen an den Folgen der Tschernobyl-Katastrophe gestorben sind. Die Atom-Experten der Internationalen Atomenergieorganisation IAEA behaupteten 2006, lediglich 56 Tote gingen auf den Unfall zurück: 47 Katastrophen-Helfer und neun Kinder mit tödlich verlaufendem Schilddrüsenkrebs. Die ukrainische Kommission für Strahlenschutz bezifferte die Tschernobyl-Toten der ersten zwanzig Jahre auf 34.499 Menschen. Die UN-Gesundheitsorganisation WHO veranschlagte bereits im Jahr 2000 die Zahl der Katastrophen-Helfer, die an Strahlenschäden und Suizid zu Tode kamen auf 50.000. Dabei gibt es genügend Beweise, Indizien und Dokumente für eine wissenschaftlich fundierte Schätzung der Todesopfer.

Rund 800.000 Menschen aus der gesamten Sowjetunion mußten sich als
Katastrophen-Helfer ("Liquidatoren") an den Aufräumarbeiten nach der Katastrophe in Tschernobyl beteiligen. 50.000 von ihnen kamen nach Schätzung Lengfelders in den ersten 15 Jahren nach 1986 durch Strahlenschäden oder Suizid zu Tode. Die 30-Kilometer-Sperrzone um das AKW ist bis heute durch Cäsium, Plutonium und Strontium radioaktiv verseucht.

Von den zahlreichen in der Allgemeinbevölkerung auftretenden Erkrankungen wird der durch radioaktives Jod verursachte Schilddrüsenkrebs systematisch erfaßt. Bis Ende 2000 erkrankten in Weißrußland etwa 10.000 Menschen an diesem Krebs. Auch andere Tumorerkrankungen nahmen infolge von Tschernobyl zu. Bei Männern wurde eine drastische Zunahme von Lungen-, Magen-, Haut- und Prostatakrebs registriert. Bei Frauen hat sich die Zahl der Brustkrebserkrankungen innerhalb von 10 Jahren verdoppelt.

Die Genetikerin Hava Weinberg untersuchte Hunderte Kinder von nach Israel ausgewanderten Katastrophen-Helfern. Die nach der Tschernobyl-Katastrohe geborenen hatten, verglichen mit den vor 1986 geborenen Geschwistern, eine um 700 Prozent höhere Quote bei Erbgutmutationen. Wolodymyr Wertelecki, Chef-Genetiker an der Universität von Süd-Alabama, ließ mit US-amerikanischen Regierungsgeldern in einer Langzeitstudie durchschnittlich 14.000 Neugeborene pro Jahr in den ukrainischen Provinzen Wolyn und Rowno untersuchen. Die Zahl der Babys mit Spina bifida (offenem Rücken), so eines seiner Ergebnisse, ist um das 20fache gestiegen.

August 1986

Knapp vier Monate nach der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl wurde das AKW Cattenom an der französisch-saarländischen Grenze bei einem Hochwasser der Mosel überflutet. 400.000 Tonnen Wasser drangen in die Keller des AKW ein, in denen sich die sensibelsten Teile der Reaktoren befinden, unter anderem die Hochleistungspumpen des Prrimärkreislaufs Aber auch in den überfluteten Verbindungsgängen drohte Gefahr. Hier laufen die Kabel entlang, die die Schaltanlagen und Pumpen der Reaktoren versorgen.

12. September 1986

GKSS

Am Morgen des 12. September 1986 gegen 7 Uhr wurde im AKW Krümmel - direkter Nachbar der nuklearen Forschungsanlage GKSS - ein automatischer Alarm wegen erhöhter Radioaktivität ausgelöst. Nach übereinstimmenden Augenzeugenberichten war von der Elbe aus auf dem Hochufer, wo sich die GKSS befindet, ein großer Brand mit merkwürdig farbigem Feuerschein zu sehen. Nach der für Leukämie typischen Latenzzeit von vier Jahren kommt es in der Region um die GKSS zu einer deutlichen Erhöhung der Zahl an Neuerkrankungen bei Kindern. Eine Reihe von Indizien deutet darauf hin, daß es am 12. September 1986 in einem Geheimlabor bei Versuchen mit miniaturisierten Atomwaffen, sogenannten Mini-Nukes, zu einem Unfall gekommen war.

Eines der stärksten Indizien sind winzige Kügelchen in Bodenproben, die im Bereich des AKW Krümmel und der GKSS entnommen und an der Minsker Sacharow-Universität von einem international renommierten Experten der Plutoniumverortung analysiert wurden. Professor Mironov kommt zum Ergebnis, daß die gefundenen erhöhten Plutonium- und Thoriumkonzentrationen so in der Natur nicht vorkommen, sondern künstlich hergestellt sind. Sowohl die Tschernobyl-Katastrophe als auch der Fall-Out früherer überirdischen Atomwaffentest scheiden wegen der besonderen Zusammensetzung als Erklärung für die Herkunft der Kügelchen aus.

Januar 1987

Explosion im NUKEM-Werk in Hanau. Plutonium wurde freigesetzt.

16. Dezember 1987

Ein schwerer Unfall im AKW Biblis A war nicht nur sehr bedenklich, er wurde auch noch neun Monate geheimgehalten. Ein offenstehendes Ventil hätte beinahe eine Kernschmelze ausgelöst. Es war zu einer unvorhergesehenen Verbindung zwischen Hoch- und Niederdrucksystem gekommen. Dadurch bestand die Gefahr, daß eine vom Nachkühlsystem abzweigende Prüfleitung aufgrund des hohen Drucks hätte aufplatzen und das den Reaktor vor Überhitzung schützende Kühlwasser in größeren Mengen hätte entweichen können.

Der damalige Umweltminister Karlheinz Weimar erklärte später in einer Regierungserklärung, der Störfall hätte mit "höherer Wahrscheinlichkeit" zur Katastrophe führen können. Doch die Atom-Aufseher benötigten ganze neun Monate, "bis sie wenigstens intern zugaben, daß die dichtbesiedelte Rhein-Main-Region gerade nochmal davongekommen war." (Der Spiegel, Hamburg, Nr. 51, S. 27,28, 19.12.1988)

Eine Katastrophe im AKW Biblis würde unter den 3,4 Millionen Menschen der Großregion Rhein-Main über eine Million Krebskranke verursachen und als Untergrenze mindestens 500 Milliarden Euro kosten.

Oktober 1989

Das spanische AKW Vandellos I bei Tarragona geriet in Brand. Nach Angaben der IAEA war es der "schwerste Unfall in einer Nuklearanlage in Europa seit Tschernobyl". Einen Kilometer entfernt waren noch die Stichflammen zu sehen. Eine der beiden Generatorturbinen war explodiert und in Brand geraten. Das Feuer breitete sich aus und legte das Kühlsystem lahm. Es brach Panik im Kontrollraum aus und die Techniker ergriffen die Flucht. Die Feuerwehr, spezialisiert auf Waldbrände und ohne Schutzanzüge, löschte mit Wasser. Ein ungeheures Risiko, da die Gefahr von Wasserstoffexplosionen heraufbeschworen wurde. Nur durch viel Glück ließ sich der Brand letztlich löschen.

Juli 1992

Das schwedische AKW Barsebäck stand kurz vor dem Super-GAU. Nahezu sämtliche Informationen werden von der schwedischen Regierung geheimgehalten.

November 1992 *

Beim bis dahin nach offiziellen Angaben schwersten Atomunfall in Frankreich wurden drei Arbeiter verstrahlt, als sie einen atomaren Teilchenbeschleuniger in Forbach ohne Schutzkleidung betraten. Mitglieder der Geschäftsführung wurden 1993 zu Gefängnisstrafen verurteilt, weil sie nicht für ausreichende Sicherheitsmaßnahmen gesorgt hatten.

1993

Ein indisches AKW, 180 Kilometer östlich der Hauptstadt Neu-Dehli stand haarscharf vor einem Super-GAU. Wie die 'Far Eastern Economic Review' berichtete, stand die Anlage kurz vor der Kernschmelze. Nach einem Stromausfall setzten die Kühlwasserpumpen aus. Schwarzer Rauch trieb die Angestellten aus dem Kontrollraum. Mitarbeitern gelang es schließlich, eine Borlösung in den Reaktordruckbehälter zu kippen, die die Kettenreaktion unterbrach.

November 1995 *

In Tschernobyl wurde eine große Strahlensammlung freigesetzt, als Brennstäbe von einem der Reaktorblöcke entfernt wurden.

November 1995 *

Bei einem Unfall am Prototypen des japanischen Schnellen Brüters Monju entwichen zwei bis drei Tonnen Natrium aus dem Sekundär-Kühlkreislauf. Es kam zu einem gefährlichen Brand. Das 'Hamburger Abendblatt' schrieb: "Eine Katastrophe wurde knapp vermieden. Die halbstaatliche Betreiberfirma Donen - dieselbe wie in Tokai (havarierte Wiederaufarbeitungsanlage) - belog die Öffentlichkeit nach Strich und Faden und fälschte sogar beweiskräftige Videos. Als der Schwindel aufflog, nahm sich Atommanager Shigeo Nishimura beschämt das Leben."

November 1996

Im französischen AKW Fessenheim steht eines der drei Sicherheitsventile über einen Monat lang offen, ohne daß dies bemerkt wurde.

März 1997 *

Feuer und Explosion im staatlichen japanischen Nuklearkomplex Tokaimura, 120 Kilometer nordöstlich von Tokio. Mindestens 35 Arbeiter wurden erhöhter Strahlung ausgesetzt. Noch in 60 Kilometer Entfernung wurde mindestens zehnmal mehr radioaktives Cäsium-137 gemessen als ein Tag vor der Katastrophe.

30. September 1999 *

Wegen eines Bedienungsfehlers kam es im Brennelementewerk im japanischen Nuklearkomplex Tokaimura zu einer unkontrollierten Kettenreaktion. Mindestens 52 Menschen wurden erhöhter Strahlung ausgesetzt. Am 21. Dezember 1999 starb der 35 Jahre alte Arbeiter Hisashi Ouchi an den Folgen seiner schweren Verletzungen. 
Am 27. April 2000 starb der 40 Jahre alte Arbeiter Masato Shinohara sieben Monate nach dem Atomunfall in Tokaimuraan mehrfachem Organversagen. Beim Tokaimura-Unfall 1999 waren beide Arbeiter einer Strahlung zwischen 10 und 17 Sievert ausgesetzt. Die stark strahlende unkontrollierte Kettenreaktion konnte erst nach fast zwei Tagen gestoppt werden.

28. Dezember 1999

Ein Unfall, bei dem nur äußerst knapp ein GAU hatte vermieden werden können, ereignete sich in Folge des Sturms 'Lothar' in der Nacht zum 28. Dezember 1999 im AKW Blayais in der Nähe von Bordeaux. Das Hochwasser der Gironde, das in diesem Ausmaß bei der Planung des AKW Blayais nicht vorgesehen war, hatte dazu geführt, daß Wasser ins Reaktorgebäude eindrang und zentrale Anlagen-Teile überflutete.

Spätere Analysen des Unfall-Hergangs zeigten, daß ein Zusammenbruch der Stromversorgung kurz bevor stand und damit die Notabschaltung unmöglich geworden wäre. Die Pumpen der Kühlkreisläufe wären ausgefallen, der Reaktorkern wäre durchgebrannt und eine Explosion des Reaktordruckbehälters unvermeidbar geworden. Entgegen der sonstigen Verschwiegenheit der französischen Presse in Fragen der "nuklearen Sicherheit" berichtete die Zeitung 'Sud Ouest', daß das AKW Blayais nahe Bordeaux nur knapp einem schweren Unglück entgangen sei.

August 2001

Block II des AKW Philippsburg wurde hochgefahren, obwohl (unbemerkt) das Notkühlsystem nicht in Funktion war. Auch nachdem dies zwei Wochen später bemerkt wurde, blieb Block 2 rechtswidrig angeschaltet. In den folgenden Untersuchungen kam heraus, daß das Notkühlsystem über Jahre hinweg nicht ordnungsgemäß befüllt gewesen war. Bei Problemen mit der Neutronenregulation kann dies zum Super-GAU führen.


14. Dezember 2001

Wie sich erst im Februar 2002 herausstellte, war ein Unfall im AKW Brunsbüttel am 14. Dezember 2001 schwerwiegender als zunächst zugegeben: Eine Rohrleitung im Sicherheitsdruckbehälter ("Core") des Reaktors war nach einer Wasserstoffexplosion auf eine Länge von zwei Metern völlig zerfetzt. Ähnlich wie bei der Katastrophe von Harrisburg hatte sich ein explosives
Wasserstoff-Sauerstoff-Gemisch gebildet.

Das Kontroll-Personal nahm als harmlosteste mögliche Ursache eine schadhafte Dichtung an. Die erst drei Monate später (nach winterlichen Spitzenlasten im Stromgeschäft) informierte Bundesaufsicht ordnete die sofortige Abschaltung an.

27. Juli 2004

Radioaktiv kontaminiertes Wasser aus Block II des AKW Neckarwestheim gelangt unbemerkt in den Neckar. Die Betreiber mußten ein Ordnungsgeld von 25.000 Euro bezahlen; ein Geschäftsführer wurde entlassen.


29. Dezember 2004

Die Flut des Tsunami drang auch in das indische AKW Kalpakkam in der Nähe von Madras. Obwohl jeder Wassereinbruch die Funktionsfähigkeit der elektrischen Steuerinstrumente gefährdet, konnte nach Angaben der indischen Regierung der Reaktor noch rechtzeitig heruntergefahren werden.

16. Februar 2005

WAA Sellafield

Aus der britischen WAA Sellafield, einer der größten Atom-Anlagen der Welt, sind einem Bericht der britischen 'Times' zufolge 30 Kilogramm Plutonium verschwunden.Die Menge würde für den Bau von acht Atombomben ausreichen.

April 2005

WAA Sellafield

Wie erst am 9. Mai bekannt wurde, hatte sich im April 2005 ein schwerer Unfall in der WAA Sellafield ereignet. Die britische 'Times' und der 'Guardian' berichteten, daß in der WAA Sellafield viele Tonnen uran- und plutoniumhaltige Salpetersäure durch ein gerissenes Rohr ausgelaufen waren. Der Plutonium-Anteil beträgt nach Informationen der 'Times' 200 Kilogramm, "was für 20 Atombomben ausreichen würde".

26. Juli 2006

Beinahe-GAU im schwedischen AKW Forsmark

Zwei von vier Notstrom-Aggregaten versagten nach einem Kurzschluß. Die elektronische Steuerung war lahmgelegt. Lars-Olov Höglund, der als langjähriger Chef der Konstruktionsabteilung des schwedischen Vattenfall-Konzerns für das AKW Forsmark zuständig war und den Reaktor in- und auswendig kennt, erklärte, es sei "reiner Zufall" gewesen, daß es zu keiner Kernschmelze kam. Nach seiner Einschätzung stand der Reaktor nur sieben Minuten vor dem GAU. Höglund kommentierte: "Das ist die gefährlichste Geschichte seit Harrisburg und Tschernobyl".

10. Januar 2007

Beinahe-GAU im Atom-Forschungslabor

Am 10. Januar 2007 war in der Zeitung 'Le Monde' zu lesen: In einem Plutonium-Forschungslabor im südfranzösischen Cadarache war auf Grund menschlichen Versagens versehentlich die doppelte Menge von Brennstäben in den Versuchsreaktor eingeführt worden und man war dadurch nicht mehr all zu weit von der kritischen Masse entfernt. Das Ganze passierte zwei Monate zuvor im November 2006. Erst im Januar wurde der "Vorfall" auf einer nuklearen Störfallskala, die von 1 bis 7 reicht, nachträglich auf 2 hoch gestuft.

12.06.2007

Das ZDF meldet 3 Tote bei Atom-Unfällen. Laut Recherchen des ZDF wurden in den Jahren zwischen 1996 und 2007 21.000 Tonnen radioaktives und hochgiftiges Uranhexafluorid, sogenanntes Yellow Cake, von der Firma Urenco nach Sibirien verschoben. Radioaktive Abfallstoffe lagern dort seit Jahren unter freiem Himmel. Die Fässer rosten vor sich hin. ZDF-Reporter deckten auf, daß in den russischen Anreicherungsanlagen bei Unfällen Uranhexafluorid freigesetzt wurde und dabei drei Arbeiter ums Leben kamen.

28. Juni 2007

Beinahe-GAU im AKW Krümmel nach Transformator-Brand

Nach einem Transformator-Brand kam es zu einer Schnellabschaltung des AKW
Krümmel. Etliche Tage später wurde bekannt, daß durch "unplanmäßiges Öffnen von zwei Sicherheits- und Entlastungsventilen" und durch den "unplanmäßigen Ausfall einer von mehreren Reaktorspeisewasserpumpen" ein gefährlicher und rasanter Druck- und Füllstandsabfall um über zwei Meter im Reaktordruckbehälter verursacht worden war. Bei einem Füllstandsabfall im Reaktordruckbehlter werden die Brennstäbe freigelegt. Innerhalb kürzester Zeit führt dies zu einer Überhitzung und zur gefürchteten Kernschmelze.

Im Juli 2007 wurde bekannt, daß in den kritischen Minuten Rauch in der Leitwarte des AKW Krümmel eingedrungen war. Es muß Panik geherrscht haben. In der Zeit zwischen 15.02 Uhr und 15.30 Uhr hielten sich dort nicht wie gewöhnlich fünf, sondern insgesamt 37 Personen auf. Erst mit Hilfe der dritten oder vierten Sicherheitsreserve - und somit dem allerletzten Notnagel - konnte der Füllstand im Reaktordruckbehälter wieder auf die nötige Mindesthöhe angehoben werden.

24. Juli 2008

Innerhalb von nur 17 Tagen war es in französischen Atomanlagen zu vier gravierenden Zwischenfällen gekommen. Am 7. Juli lief eine größere Menge Uran-Lösung auf dem Gelände des AKW Tricastin aus. Wegen eines defekten Rückhaltebeckens gelangte ein großer Teil der Flüssigkeit ins Erdreich und die beiden Flüsse Gaffière und L'Auzon.

Am 18. Juli wurde bekannt, daß ein unterirdisches Rohr in der Brennelemente-Fabrik in Romans-sur-Isère seit längerer Zeit undicht ist. Angeblich gelangten nur geringe Mengen Uran ins Erdreich.

Am 22. Juli erreicht eine Meldung die Öffentlichkeit, wonach am 18. Juli im AKW Saint-Albin, nur wenige Kilometer nördlich des AKW Tricastin, 15 MitarbeiterInnen einer Fremdfirma radioaktiv kontaminiert worden waren.

Und am 24 Juli war erneut das AKW Tricastin betroffen. In der französischen Nuklearanlage wurden bei Wartungsarbeiten in einem der vier Reaktorgebäude 100 MitarbeiterInnen radioaktiv kontaminiert. Beim Öffnen eines Rohrs sei radioaktiver Staub freigesetzt worden.


Die mit einem Stern hinter dem Datum gekennzeichneten Unfälle wurden in der eingangs genannten französischen Listung berücksichtigt.


NETZWERK REGENBOGEN

                             
Die vorangegangenen Folgen:



Info-Serie Atomenergie, Folge 6: Uran-Ressourcen und die Zukunft der Atomenergie - 16-09-08 19:06
Info-Serie Atomenergie - Folge 5: Umweltverbrechen Uran-Abbau - 09-09-08 22:54
Info-Serie Atomenergie, Folge 4 - 02-09-08 23:05
Info-Serie Atomenergie, Folge 3: Die Subventionierung der Atomenergie  - 26-08-08 21:52
Info-Serie Atomenergie, Folge 2: Der deutsche "Atom-Ausstieg" - 19-08-08 23:20
Info-Serie Atomenergie, Folge 1: Grundlagenwissen - 12-08-08 23:09




<< Zurck
Diese Webseite verwendet keine Cookies. Hier erfahrt ihr alles zum Datenschutz