Endlich Sommer in Deutschland


Bildmontage: HF

16.08.18
ÖkologiedebatteÖkologiedebatte, Umwelt, Debatte 

 

Von Christof Korth und Jürgen Tallig

Endlich haben wir es geschafft. In Deutschland haben wir nun auch den Sommer, wie wir ihn sonst nur aus der Mittelmeerregion, aus Griechenland, Italien oder Spanien kannten. Sonne satt fast jeden Tag und weit über 30°C. Kaum mal Regen, aber soo schöön warm.

Was will man mehr? Der, trübes Wetter gewohnte, frustrierte Mitteleuropäer braucht nun nicht mehr gen Süden fahren. Nun ist das schöne Wetter hier und in den Süden fährt oder fliegt man, weil es dort manchmal etwas kühler ist. Und es ist so schön, auch hier abends draußen sitzen zu können,- tagsüber geht das ja nicht mehr  bei über 35 °C im Schatten. Nach fünf Nächten hintereinander mit über 25 Grad, schläft man dann auch besser gleich draußen.

Das war aber auch anstrengend, das zu schaffen:  Möglichst viel Energie verbrauchen, Exportweltmeister sein, viel mit dem Auto fahren oder mit dem Flugzeug fliegen, alles Mögliche hin und her transportieren, möglichst viel CO2 und andere Treibhausgase erzeugen, damit die Warmzeit uns erhalten bleibt und wir im Norden keine neue Eiszeit bekommen.
Der Klimawandel wurde in das Profitsystem einkalkuliert. Mehr CO2 in der Luft und das bisschen Erwärmung bieten doch enorme Wachstumschancen…  Mancher Politiker behauptete auch, einen Klimawandel gäbe es gar nicht und wenn doch, dann sei das völlig normal. Denn Klimawandel habe es schon immer gegeben und wer sich dem Wandel verweigert ist fortschrittsfeindlich und rückständig. Und außerdem sei man längst Vorreiter beim Klimawandel, äh, beim Klimaschutz und habe all die Dreckschleudern in Ostdeutschland dicht gemacht und allen Ossis schöne neue oder gebrauchte Westautos verkauft. Das klang doch überzeugend und wer will schon rückständig sein.

Viel zu viele haben all die Jahre die Augen verschlossen und die Ohren.

Obwohl in den 70iger Jahren des vergangenen Jahrhunderts (das ist nun fast 50 Jahre her) ständig irgendwelche Spinner und Ökos prophezeit haben:

Wenn wir mit der ungebremsten Industrialisierung,

mit dem steigenden CO2 Ausstoß,

mit dem ständig zunehmenden Energieverbrauch,

mit dem ständig  steigenden Konsum

mit der beständigen Zunahme der Überland- und Überseetransporte

der ständigen Zunahme des motorisierten Individualverkehrs,

mit der Zunahme des Flugverkehrs usw.usf.,

wenn wir damit nicht schleunigst aufhören,

dann werden die Wälder sterben, wird sich das Klima verändern, werden die Rohstoffe und die Ressourcen zur Neige gehen, das trinkbare Wasser wird knapp werden, dann werden die Gletscher schmelzen…

Es wurde prophezeit, dass die Menschheit in absehbarer Zeit in einem Treibhaus sitzen wird, dass das Wetter sich verändert - nicht unbedingt zum Guten - die Wetterextreme werden zunehmen mit heißen trockenen Sommern, mit Starkniederschlägen, mit zunehmenden Stürmen, Orkanen, Hurrikans, Taifunen und wie sie auch immer heißen mögen, mit Wasserknappheit, mit Versteppung, mit Waldsterben, mit rasantem Aussterben von Pflanzen und Tieren.

Es wurde manches prophezeit, vieles konnte man erahnen, kaum jemand wollte es wahr haben. Alles nur Unkenrufe von Pessimisten, Apokalyptikern, Fortschrittsgegnern und Traumtänzern,- die sollen erst mal richtig arbeiten…

Es wurde prophezeit, dass man Geld nicht essen kann…

Nun haben wir eine Dauerdürre und Ernteausfälle, die früher zu Hungersnot und Massenauswanderung geführt hätten. Und wir wissen, es wird nicht mehr besser sondern noch viel schlimmer werden.

Nun haben wir hier tagsüber 35 bis 40 °C im Schatten. Die Temperaturrekorde werden zunehmend geknackt. Bald sind im Hochsommer über 40°C "normal". Der Mensch gewöhnt sich angeblich an alles. Nur bei den Tieren und Pflanzen geht das nicht ganz so schnell, die vertrocknen und/oder sterben aus.

Ich kann mich noch entsinnen, dass es in der DDR in den 60 und 70iger Jahren üblich war, in der Schule hitzefrei zu bekommen, wenn die Temperatur gegen 10.00 Uhr vormittags die 25°C Marke überschritt. In den 90iger Jahren wurde in den Medien bei 32-33-34 °C von extremer Hitze gesprochen. In den 2000er Jahren gewöhnten wir uns an 36°C. Nun sind wir bald bei 40°C und es ändert sich nichts an unserem Verhalten.

Alle haben Angst vor den erforderlichen Konsequenzen beim Umsteuern, keiner hat Angst vor den Konsequenzen eines „Weiter so“…
Kein Auto oder Lkw fährt weniger, die Industrie produziert und versorgt die halbe Welt mit, es werden weiter immer mehr CO2 und andere Treibhausgase ausgestoßen, es wird immer mehr Energie - Erdöl, Kohle, Gas verbraucht.
Wachstum um jeden Preis, ohne Wachstum angeblich kein Fortschritt. Die Profitrate muss stimmen, sonst funktioniert das System nicht, -dazu braucht es unendliches Wachstum. Doch die Biosphäre ist endlich, die Atmosphäre ist endlich und nur eine hauchdünne Hülle,  die Ressourcen sind endlich und die Aufnahmefähigkeit der Erde für Treibhausgase, Abfälle und Schadstoffe ist begrenzt.

Die ganze Erde ist dummerweise endlich und inzwischen schon so überlastet, dass sie aufhört zu funktionieren. Da wir sie nicht auf der Rechnung haben, macht sie uns nun einen Strich durch die Rechnung. Doch ein Umdenken findet nicht statt.

 

Diesen Sommer der extremen Trockenheit werden wir bald überstanden haben. Dann kommt im Norden der kalte regenreiche Winter und alles ist vergessen - Schnee von gestern. Es werden wieder regenreiche Sommer kommen und dann auch wieder trockene Zeiten. So war es immer schon und so wird es auch weiter sein.

Denkste, so wird es nicht weiter gehen. Die Klimamodelle zeigen eindeutig den Trend zur weiteren exponentiellen Erwärmung, zur Zunahme von Witterungsunbilden, zu extremen Witterungsbedingungen.
Die großen Versicherungsunternehmen  müssen immer höhere Schadenssummen ausgleichen, die durch diese Witterungsunbilden entstehen. Und diese Risikoversicherungen sind es, die aus bestimmten Industriezweigen wie Energieunternehmen und der Kohleverstromung aussteigen, da das Risiko im Schadensfall zu hoch wird.

Die Arktis wird bald im Sommer eisfrei sein und die Antarktis schmilzt schneller denn je ab. Die Ozeane versauern zunehmend durch den CO2 Eintrag und als erstes gehen die Korallenriffe kaputt. Die Weltmeere sind überfischt. Dafür schwimmen Unmengen Plastik und verwitterungsbeständige Abfälle in den Ozeanen. Der "nördliche Passatwind" Nordstream genannt, weht nicht mehr beständig, sondern flattert, so dass es bei uns in Europa dieses "wellenartige" seltsame Wetter mit heißer Luft aus dem Südwesten mit nachfolgendem kurzem kalten Tiefdruckgebieten im Laufe jeweils einer Woche gibt.

 Wer nicht nur an sich und seinen persönlichen Spaßfaktor denkt, wer nicht ständig dem permanenten Konsumzwang erliegt, wer auch an die Nachgeborenen denkt, wer seinen Enkeln noch ein Stück lebenswerte Erde hinterlassen will, wer noch in einem halbwegs bewohnbarem Land zu leben wünscht, der oder diejenigen sollten nicht nur ordentlich Reststoffe trennen, den ÖPNV nutzen und Rad fahren, sondern weitaus mehr Druck auf die Industrie und Regierungen ausüben und sie zu Änderungen zwingen:

zum Umsteuern der Wirtschaft in Kreislaufsysteme,

zur Verminderung von klimaschädlichen Abgasen,

zur stärkeren Nutzung alternativer Energien,

zur Ausgestaltung einer naturverträglichen Landwirtschaft,

zur Reduzierung des Fleischverbrauches,

Technik und Technologien zu entwickeln, mit viel geringerem Energie- Rohstoff- und Landverbrauch,

zur Verteuerung von Energie- und Rohstoffen, um die Müll- und Plastikflut einzudämmen

zu einer CO2- Steuer (Klimasteuer) auf Emissionen,

zur Verminderung und Vermeidung von Verkehr,

zur Umsteuerung auf umweltverträgliche Antriebssysteme,

zur Nachhaltigkeit im Konsumverhalten,

zur Einschränkung des Werbeterrors,

für eine Langlebigkeit von Konsumgütern und, und, und.....

Nicht: Immer mehr, immer mehr, immer mehr, wie es in einem Lied heißt.

Sondern weniger und gerechter verteilt, damit etwas übrig bleibt für die nach uns,

damit die Erde für alle bewohnbar bleibt.

Keine weitere Expansion, kein Zins und Zinseszins (schon Jesus prangerte den Wucher an), kein Wirtschaftswachstum auf Kosten anderer und auf Kosten der Zukunft.

Die Wenigen werden immer reicher und die Vielen verarmen zusehends.
Ein Wandel ist dringend erforderlich. Und das in jedem Bereich dieser Gesellschaft. Weiterer Stillstand wäre letztendlich tödlich, nicht nur für einige Bewohner dieser Erde weit weg, sondern letztlich für die gesamte Menschheit, egal ob arm oder reich.

 

Christof Korth/ Jürgen Tallig        August 2018

 

christofkorth@web.de      tall.j@web.de            https://earthattack-talligsklimablog.jimdofree.com/

 



Der Kapitalismus schließt eine wirksame Umwelt und Klimapolitik aus. - 18-08-18 20:55




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