Netzwerk Ökosozialismus


Bildmontage: HF

21.08.18
ÖkologiedebatteÖkologiedebatte, Umwelt, Bewegungen 

 

Von Netzwerk Ökosozialismus

Wer wir sind

In Deutschland und weltweit gibt es inzwischen etliche Organisationen und Initiativen, die sich selbst als ökosozialistisch verstehen. Bei allen unterschiedlichen Akzentsetzungen geht unser Netzwerk von einer hinreichend breiten gemeinsamen Basis aus, was die Analyse der gegenwärtigen Situation und das Ziel einer solidarischen und ökologisch nachhaltigen Gesellschaft betrifft. Als wesentliche Gemeinsamkeiten können wir festhalten:


1. Wir gehen davon aus, dass weltweit betrachtet die Erhaltung unserer natürlichen Lebensgrundlagen zur dringendsten sozialen Frage überhaupt geworden ist und als Vorzeichen alle anderen Felder politischen Handelns bestimmt.

2. Wir wissen, dass die Verwirklichung sozialer Gerechtigkeit nicht in Konkurrenz zu ökologischen Zielen steht, sondern im Gegenteil: Soziale Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit bedingen einander.

3. Wirtschaftswachstum, wie es heute allgemein vorausgesetzt wird, ist mit der Endlichkeit unseres Planeten nicht vereinbar. Es führt zur Übernutzung und Verschwendung von Ressourcen, was die natürlichen Lebensgrundlagen infrage stellt. Wir wissen nun, dass der entscheidende Wachstumstreiber das kapitalistische Konkurrenzverhältnis und der Zwang zur Kapitalakkumulation
auf immer höherer Stufenleiter ist, wie er dem kapitalistischen System selbst eingeschrieben ist. Die Erhaltung unserer natürlichen Lebensgrundlagen erfordert deshalb letztlich die Überwindung des kapitalistischen Produktionsverhältnisses. Eine Postwachstumsgesellschaft ist nur jenseits des
kapitalistischen Wachstumsimperativs denkbar.

4. Wir streben eine Ökonomie an, in der die wesentlichen Produktionsmittel, die Versorgung der Gesellschaft mit Geld, das Finanz- und Versicherungswesen etc. nicht mehr der Logik der privaten Profiterwirtschaftung gehorchen, sondern vergesellschaftet sind. Was, wie und wie viel produziert wird, wird nicht mehr der Anarchie privater Profitinteressen überlassen, sondern politisch ausgehandelt und gestaltet. Die Anarchie kapitalistischer Einzelinteressen wird in bewusste gesamtgesellschaftliche Planung überführt. In einem ersten Schritt sind die Bereiche der Daseinsvorsorge der kapitalistischen Profitlogik zu entziehen und wieder bewusst gesellschaftlich zu gestalten.

5. Wir haben aus der Geschichte gelernt, dass echte, partizipatorische Demokratie auf dem Boden der kapitalistischen Ökonomie nie und nimmer gedeihen kann, dass aber umgekehrt eine sozialistische Ökonomie ein Höchstmaß an (politischer) Teilhabe verwirklichen muss.

6. Im Gegensatz zu den VertreterInnen eines „grünen Kapitalismus“ ( z. B. in Form des „Green New Deal“) nähren wir nicht die Illusion bloß technischer Lösungen. Wir legen den Akzent auf Suffizienz, das heißt darauf, welche Verbräuche an Energie und Rohstoffen absolut reduziert werden können und
müssen, welche Güter völlig oder zu einem großen Teil verzichtbar sind, welche
Großinfrastrukturprojekte nicht mit Nachhaltigkeit vereinbar und welche Produktionszweige destruktiv sind und der Repression dienen. Ein Verzicht auf die Produktion von Rüstungsgütern ist für uns alle pure Selbstverständlichkeit. Ein Rückbau überflüssiger, destruktiver, verschwenderischer Strukturen und Produkte wird im Vordergrund unseres gemeinsamen Agierens stehen. Wir sind uns dessen bewusst, dass nicht einfach neue Techniken, sondern neue, solidarische Formen des Zusammenlebens und eine „Ökonomie des Genug“ Nachhaltigkeit garantieren. Nicht nur der Kapitalismus mit seinem eingeschriebenen Wachstumszwang, sondern auch unser Typ von
Industriegesellschaft insgesamt steht zur Disposition. Was nottut, ist industrielle Abrüstung.

7. Im Gegensatz zu den Wohlstandsversprechen der Nachkriegszeit, die letztlich parasitär waren und auf der Ausplünderung anderer Länder und der Übernutzung natürlicher Ressourcen beruhten, streben wir ein „gutes Leben“ (buen vivir) jenseits bloß materiellen Wohlstands an. Ein wesentlicher Wohlstandsgewinn in einer ökologisch nachhaltigen und solidarischen Gesellschaft wird der Zeitwohlstand sein. Trotz des Bedarfs an mehr menschlicher Arbeitskraft in vielen Bereichen aufgrund der Umstellung der Produktionsweise (Landwirtschaft, Reparatur und Recycling usw.) und der nötigen Verbesserungen in Pflege, Erziehung etc. wird insgesamt wesentlich weniger Arbeitszeit für die Produktion der notwendigen Dinge erforderlich sein. Viele Produkte werden wesentlich langlebiger, vieles an Produktion wird ganz wegfallen oder stark reduziert werden. Eine gerechte Verteilung der Arbeit wird dafür sorgen, dass wir insgesamt mehr Zeit für Muße und Selbstentfaltung
jenseits der Erwerbsarbeit haben werden.


Das Netzwerk Ökosozialismus in Deutschland hat sich im Jahr 2017 gegründet. Unsere gemeinsame inhaltliche Basis ist unsere Ökosozialistische Erklärung
(www.oekosozialismus.net/oekosozialistische-erklaerung/). Wir stellen uns damit bewusst in die  internationale Tradition der Erklärung von Belém (www.oekologische-plattform.de/2008/12/dieoekosozialistische-erklaerung-von-belem/) und verstehen uns als Teil dieser internationalen  Bewegung.


Wie wir arbeiten


Das Netzwerk Ökosozialismus versteht sich als Teil aller progressiven sozialen Bewegungen im Sinne von ökologischer Nachhaltigkeit, internationaler Solidarität und sozialer Gerechtigkeit. Diese Bewegungen versuchen wir nach Kräften zu stärken und im Sinne unserer inhaltlichen Überzeugungen mitzuprägen. Ansprechpartner und Ansprechpartnerinnen bzw. Bündnispartner und Bündnispartnerinnen finden wir zum Beispiel in der Klimacamp-Bewegung, in der Degrowth-Bewegung, bei den Gewerkschaften, in bestimmten Teilen politischer Parteien wie etwa der LINKEN, in NGOs wie Attac etc. Dieses gesellschaftliche Spektrum wollen wir stärken und mitgestalten. Das tun wir vor allem durch inhaltliche Angebote in Form von Publikationen, durch Aufklärungsarbeit, durch Organisation von Diskussionsveranstaltungen und Workshops, durch die Unterstützung von Kampagnen, durch Einmischung in inhaltliche Debatten und Positionsbestimmungen in Parteien, Gewerkschaften, Verbänden ...

Mithilfe von Regionalgruppen unseres Netzwerkes wollen wir innerhalb einzelner Regionen unsere Arbeit verstetigen und ein Kristallisationspunkt für alle Kräfte werden, die im Sinne einer solidarischen und ökologisch nachhaltigen Gesellschaft konkrete Politik machen.

Wir laden regelmäßig zu bundesweiten Treffen ein, bei denen wir unsere inhaltlichen Grundlagen diskutieren und aktualisieren sowie Aktivitäten planen.
Ausführliche Informationen über unsere aktuellen Aktivitäten, über unser reichhaltiges Angebot an Publikationen, über Möglichkeiten der Beteiligung etc. sind auf unserer Website zu finden:
www.oekosozialismus.net


Kontakt: Netzwerk Ökosozialismus, c/o Bruno Kern, Mombacher Straße 75 A, 55122 Mainz,
Tel.: 06131/2364612, E-Mail: info@oekosozialismus.net.


ViSdP: Bruno Kern, Mainz







<< Zurck
Ja, auch diese Webseite verwendet Cookies. Hier erfahrt ihr alles zum Datenschutz